Wertheim

Amtsgericht Angeklagter leidet unter bipolarer Störung

Schuldunfähigkeit wäre möglich

Wertheim.Ein Rentner aus dem Kreis Würzburg fuhr im Juli 2017 mit seinem Pkw zum Autohof Bettingen und anschließend wieder nach Hause. Er hatte aber seit 2013 keinen Führerschein mehr. Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis musste sich jetzt der 66-Jährige beim Amtsgericht Wertheim verantworten.

Die Verteidigerin betonte die bipolare Störung ihres Mandanten, eine psychische Erkrankung mit phasenweisen Extremschwankungen der Stimmung zwischen Manie (übersteigerter Antrieb, Realitätsverlust, Selbstüberschätzung) und Depression.

Gutachten

Ausschlaggebend für das Urteil war das Gutachten des medizinischen Sachverständigen, Psychiater aus Weinsberg.

Nach der Befragung der Polizisten über das Verhalten des Beschuldigten in der Tatnacht kam er zum Ergebnis, dass damals die Steuerungsfähigkeit des Mannes erheblich vermindert, möglicherweise sogar aufgehoben war. So sprach die Richterin nach dem Grundsatz, im Zweifel für den Angeklagten, den Mann frei.

Die Krankheit, mindestens seit 2002, wurde auch schon stationär in Lohr behandelt, zurzeit reicht aber die ambulante Kontrolle alle paar Wochen mit Gespräch und Überprüfung der Medikation.

Der Angeklagte besuchte jahrelang die Spielhalle im Autohof und hielt sich dort manchmal die ganze Nacht auf. Später bekam er wegen unflätiger Bemerkungen gegen die Chefin Hausverbot.

Mit Wissen der fehlenden Fahrerlaubnis, aber mit Defizit des Steuerungsvermögens fuhr er in der Tatnacht wieder zum Autohof und wollte mit der Chefin über die Rücknahme des Hausverbots verhandeln. Dabei parkte er ihren Pkw zu, und die Frau rief die Polizei.

Gegenüber den Beamten verhielt sich der Beschuldigte schreiend, aggressiv, redete ununterbrochen „ohne Punkt und Komma“ meist wirres Zeug und behauptete, er sei zusammengeschlagen worden.

In der Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte bei den Polizisten für sein damaliges Verhalten. Er meide jetzt das Lokal, wo er zehn Jahre Stammgast war.

Auch die Ehefrau berichtete von den Sorgen mit ihrem Mann. Ein Mal habe er gemeinsame Geldanlagen ohne ihr Wissen verkauft und Gold erworben.

Die Referendarin der Staatsanwaltschaft sah nur eingeschränkte, keine aufgehobene Steuerungsfähigkeit und beantragte eine Strafe von 20 mal 40 Euro. Die Verteidigerin widersprach.

Im Urteil betonte die Richterin: „Insgesamt gesehen ist nicht viel passiert.“ goe