Wertheim

Musikschule Die Fränkischen Nachrichten widmen städtischer Einrichtung eine Serie im Jubiläumsjahr / Sozial schwache Familien erhalten Unterstützung

Seit 50 Jahren macht Übung den Meister

Archivartikel

Seit dem Jahr 1968 können Kinder in der Wertheimer Musikschule ein Instrument lernen. Heute unterrichten 33 Lehrer 665 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Wertheim. Drei Landespreise beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ haben die Klavierduos der Musikschule in den vergangenen Wochen mit nach Wertheim gebracht. Die „musikalischen Botschafter der Stadt“, so nannte Bürgermeister Wolfgang Stein die jungen Musiker, dokumentieren die Qualität der Ausbildung in der städtischen Einrichtung.

„An unserer Musikschule unterrichten ausschließlich qualifizierte Musikpädagogen, alle haben mindestens ein abgeschlossenes Hochschulstudium“, sagt Stefan Blido. Er leitet die Musikschule seit Herbst 2001 gemeinsam mit seiner Frau Freda.

„Als Mitglied im Verband der Musikschulen legen wir Wert auf ein vielfältiges musisches Bildungsangebot und qualifizierten Unterricht nach den Richtlinien unseres Verbandes“, führt er weiter aus. Zum Stichtag 1. März unterrichteten 33 Lehrer 665 Schüler – vom Kleinkind im Musikgarten bis zum Senior, der spätberufen ein Instrument zu lernen beginnt. Der Einzugsbereich der Musikschule konzentriert sich auf Wertheim, aber auch Schüler von der anderen Mainseite bis Faulbach werden angenommen.

Angebot in allen Grundschulen

Neben den Angeboten, die im Kulturhaus stattfinden, engagiert sich die Musikschule mit einem kostenlosen Angebot in allen Grundschulen, der sogenannten rhythmisch-musikalischen Grundausbildung, Dazu gibt es Kooperationen mit weiterführenden Schulen – etwa der Big-Band des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums oder dem Wahlfach „Orchester“ an der Comenius Realschule – sowie bei der Zusammenarbeit mit Musikvereinen und der evangelischen Kirchen in der Bläserausbildung.

„Durch das Angebot in der Grundschule kommen lückenlos alle Wertheimer Kinder mit der Musikschule in Kontakt. Einmal pro Woche findet jeweils eine Dreiviertelstunde Grundausbildung in den ersten Klassen statt“, erklärt Blido. Die Kosten für den Unterricht übernimmt die Stadt. Dies sei nicht selbstverständlich und eine großzügige Bildungsförderung, betont Blido, der auch eine Erweiterung des Angebots auf die zweite Klasse begrüßen würde. Aber: „Irgendwann müssen die Eltern auch bereit sein, ihre Kinder selbst zu fördern.“

Förderung

Die Gebühren für den Musikunterricht seien zum Jahresbeginn zwar angehoben worden, im Vergleich zum freien Markt jedoch nach wie vor stark gefördert. So kosten 30 Minuten Instrumental-Einzelunterricht pro Woche für Schüler aus Wertheim monatlich 62 Euro. Der Satz für Auswärtige liegt bei 78 Euro pro halbe Stunde. Die Teilnahme an Ensembles, Konzerten und den beiden Klassenvorspielen ist kostenlos.

„Weiterhin sind Ermäßigungen möglich: Musizieren mehrere Familienmitglieder, erhalten sie auf den Gesamtbeitrag 15 Prozent Rabatt, Inhaber des Familienpasses noch einmal 45 Prozent. Im Jahr 2017 haben rund 80 Familien von diesem Bonus Gebrauch gemacht. Zusätzlich können sozial schwache Familien Bildungsgutscheine einlösen, und die Miete eines Instruments kann vom Förderverein subventioniert werden“, sagt Blido.

Auf diese Weise lasse sich ein Beitrag mit Instrument von beispielsweise 84 Euro auf rund 24 reduzieren. „Am Geld soll es nicht scheitern, wenn ein Kind wirklich ein Instrument erlernen möchte.“

Wünsche werden geprüft

Weit über 100 Leihinstrumente zählt der Fundus der Musikschule und reicht von der Flöte, über Streichinstrumente aller Art und in verschiedenen Größen bis zu Harfe und Klavier.

Die jeweilige Leihgebühr richtet sich nach dem Anschaffungspreis, bei einem Instrumentenwert bis 500 Euro monatlich sechs Euro fällig. „Sollten wir ein Instrument nicht im Fundus haben, kann es auch neu angeschafft werden. Allerdings müssen wir dann die Nachhaltigkeit des Wunsches prüfen“, erklärt Blido. Denn eines gilt für jeden Musikschüler, egal ob er Grundschüler ist oder bereits im hohen Alter: Üben ist Pflicht. „Wer nicht übt, lernt kein Instrument.“ Grafik: Reichert