Wertheim

Grafschaftsmuseum Ab den 1850er Jahren boten zwei Fotografen in Wertheim ihre Dienste an / Blick in die Geschichte der Fotografie

Seit jeher ein beliebtes Bildmotiv

Archivartikel

Im Grafschaftsmuseum zeigt er „außergewöhnliche Blickwinkel“ der Stadt. Am Sonntag vermittelte Kurt Bauer nun zum Teil ungewöhnliche Einblicke in die „Wertheimer Fotogeschichte(n)“.

Wertheim. Wenn es an einem strahlend sonnigen, warmen Sonntagnachmittag rund 30 Interessierte ins Grafschaftsmuseum zieht, dann muss da schon etwas Besonderes geboten werden. „Wertheimer Fotogeschichte(n)“ zum Beispiel, dargeboten von Kurt Bauer im Begleitprogramm seiner Ausstellung „Außergewöhnliche Blickwinkel“, die noch bis zum 17. Juni im Haus zu sehen ist.

Nun erwartet man in einem Vortrag unter dem genannten Titel nicht unbedingt, etwas vom griechischen Gelehrten Aristoteles und dessen arabischen „Kollegen“ Alhazen zu hören. Beide haben sich aber, jeder zu seiner Zeit, mit Prinzip und Wirkungsweise der Camera obscura beschäftigt und sind damit Teil der Fotogeschichte. Manch weiterer Name fand bei Bauer Erwähnung. Wedgewood etwa, Nièpce, Daguerre, dessen Erfindung den französischen Künstler Eugène Delacroix zu dem Ausruf veranlasste, „Ab heute ist die Malerei tot!“, was sich aber zum Glück als nicht zutreffend erweisen sollte.

Bei den Bildern, die der Referent zeigte, tauchten nun auch die ersten Daguerreotypen aus Wertheim und den Beständen des Grafschaftsmuseums auf. Beschichtete Glasplatten waren die nächste Entwicklungsstufe, die eines aber nicht änderte: „Es war für die damaligen Fotografen mit einem heute kaum noch vorstellbaren Aufwand verbunden, Fotografien zum Beispiel in der freien Natur zu machen.“ Musste man doch alles was man brauchte mit sich schleppen – einschließlich eines Zeltes als Dunkelkammer. Und dennoch fanden die großen, klobigen Glasplattenkameras teilweise bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Verwendung in Ateliers.

Fotografen kamen und gingen

Ein M. Herzog aus Dresden, später ein G. Klostermann, das waren die ersten Fotografen, die in Wertheim ab den 1850er Jahren ihre Dienste anboten und so waren die Fotogeschichten dann endgültig in dem Städtchen an Main und Tauber angekommen. Jetzt waren Bilder zu sehen, deren Inhalte man (er-) kannte, das Hospital vor dem Bahnbau etwa, oder die alte, noch überdachte Tauberbrücke. Reisende Fotografen kamen und gingen. Josef Heer aus Tauberbischofsheim eröffnete hier eine Filiale. Bilder von ihm sind etwa in dem mehrbändigen Werk „Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Tauberbischofsheim“, das 1898 erschien, abgedruckt. Das Atelier, das die meisten von ihnen und auch noch nachfolgende Kollegen nutzten, befand sich im Garten des Hotels „Held“.

Auch Ludwig Holl, königlich württembergischer Hoffotograf, arbeitete von hier aus, baute dann aber im Garten neben dem Hotel „Schwan“ neu. Von ihm stammen Fotoserien der Jahrhunderthochwasser 1909 und 1920, „bei den Wertheimern begehrt und gleichzeitig wichtige Zeitdokumente“, wie Kurt Bauer sagte und zeigte. Der Referent kam dann auf den Namen Wehnert zu sprechen, der in Wertheimer Fotogeschichten nicht fehlen darf, sind Bernhard, Hans Senior und Hans Junior doch untrennbar mit dieser verbunden. Auf der „Zielgeraden“ seines Vortrages im Mittelpunkt standen aber zwei Aufnahmen, die eine wohl 1872/73 mit einer Glasplattenkamera, die andere rund 145 Jahre später mit einer Digitalkamera und hoher Auflösung, beide vom Bergfried der Burg aus aufgenommen

Und was wohl kaum einer wirklich für möglich gehalten hatte, stellte Bauer eindrucksvoll unter Beweis. Die alte Technik war der neuen, zumindest in diesem Fall, überlegen. Bei dem erstaunlichen Detailreichtum des Fotos lohnte sich mehr als nur ein genauer Blick.