Wertheim

Jugendverkehrsschule Generationen von Grundschülern lernen in der Schule und durch die Polizei seit vier Jahrzehnten die richtigen Verhaltensweisen im Straßenverkehr

Sicherheit durch Üben und Wissen vermitteln

Seit über 40 Jahren sorgt die Jugendverkehrsschule dafür, dass Kinder lernen, sich sicher mit dem Fahrrad im Straßenverkehr zu bewegen.

Wertheim. Mehreren Wochen beschäftigen sich die Viertklässler der Grundschule Bestenheid in Theorie und Praxis mit dem sicheren Fahrradfahren im Straßenverkehr, bevor die praktische Prüfung – der „Fahrradführerschein“– als Höhepunkt der Jugendverkehrsschule ansteht.

„Am wichtigsten finde ich, dass man die Verkehrsregeln weiß“, erklärt der zehnjährige Johannes aus der 4a im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Die neunjährigen Romio und Leonard messen verkehrstüchtigen Fahrrädern eine hohe Priorität zu. Dies und viele andere wichtige Dinge rund um das Fahren im öffentlichen Verkehrsraum hatten die Schüler in der Jugendverkehrsschule gelernt.

Seit über 40 Jahren profitieren die Wertheimer Kinder von dieser Kooperation zwischen Schule und Polizei. Alle Schulen im Main-Tauber-Kreis nutzen das Angebot des Referats Prävention, Außenstelle Tauberbischofsheim, des Polizeipräsidiums Heilbronn. Jährlich bringen die vier Mitarbeiter des Referats von Mitte Februar bis Mitte November 1400 bis 1500 Kindern aus dem Landkreis die Verkehrsregeln näher.

Die Jugendverkehrsschule ist eine schulische Veranstaltung und in den Bildungsplänen der Grundschule verankert. „In Schulwochen sind wir an vier Tagen der Woche dafür im Einsatz“, berichtet Polizeihauptkommissar Erwin Weiß. Zusammen mit seiner Kollegin Polizeihauptmeisterin Sabine Hönninger ist er in Wertheim für die praktische Prüfung zuständig. Begonnen wird die Jugendverkehrsschule mit einem Theorieblock. Das Gelernte wird dann auf dem Verkehrsübungsplatz an der Wertheimer Main-Tauber-Halle in die Tat umgesetzt. Anschließend wird diese praktische Phase von den Lehrern mit ihren Schülern nachbereitet.

Insgesamt gibt es drei Blöcke, die jeweils aus Unterricht in der Schule und Praxis bestehen. Für den Theorieunterricht sind die Lehrer verantwortlich, die Praxis übernehmen die Beamten. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei war sehr angenehm und aufschlussreich“, lobte Anja Häfner, Klassenlehrerin der 4a. Einen Vorteil sieht sie auch in der Autorität der Uniform. „Die Schüler hören die Inhalte auch von denen, die die Einhaltung der Regeln überwachen.“ Das verstärke die Bedeutung und Wertschätzung des Stoffs für die Schülerinnen und Schüler.

Für Weiß steht etwas anderes im Mittelpunkt. „Uns ist wichtig, dass die Kinder uns als Institution Polizei kennenlernen und in jungen Jahren eine Vertrauensbasis geschaffen wird“, wünscht er sich.

Alle Kinder des Prüfungstages erklärten, sie seien in der Freizeit gerne mit dem Rad unterwegs. In den drei Einheiten wird das Regelwerk der Straßenverkehrsordnung gelehrt und angewendet. Dazu gehören die Bedeutung der Verkehrszeichen, die Rechts- vor Linksregel, die Nutzung von Radwegen, Verkehrsregelungen durch die Polizei, Verkehrsführung an Baustellen, Handzeichen beim Abbiegen, Schulterblick und das Verhalten in Einbahnstraßen.

Zudem wird der technische Zustand eines verkehrssicheren Fahrrads besprochen. Zu diesem gehören gut funktionierende Bremsen, Beleuchtung, Reflektoren, aber auch die richtige Größeneinstellung. „Man muss so auf dem Sattel sitzen, dass man dabei mit den Zehenspitzen noch den Boden berührt“, so Weiß. Aus diesem Grund wird auch das Einstellen des Fahrrades geübt. Die Übungsräder werden von der Verkehrswacht Main-Tauber gestellt. Die Kinder erfahren auch, wie man den Dynamo bedient. „Das lernen viele nicht von ihren Eltern,“ so Weiß’ Erfahrung. Wichtig ist auch die Info, dass man nur dann am Zebrastreifen Vorrang hat, wenn man das Rad darüber schiebt.

Pflicht bei jeder Übungseinheit ist der eigene Fahrradhelm. „Schütze dein Bestes“, betonen die Polizeibeamten. Auch auf kurzen Strecken müsse immer ein Helm getragen werden. Da die Kinder ihren eigenen Helm mitbringen müssen, werden sie motiviert, diesen auch sonst immer zu tragen. „Wir geben ihnen die Hausaufgabe, ihn zusammen mit den Eltern richtig einzustellen.“

Verkehr überblicken

Auch der Beginn der Radstrecke ist wichtig. Häufig passieren Unfälle beim Ausfahren aus dem Hof. Das gelte auch bei erwachsenen Radlern. „Das Rad sollte aus dem Hof geschoben werden. Man fährt erst dann los, wenn man den Verkehr überblicken kann und von anderen Verkehrsteilnehmern auch gesehen wird,“ so die Regel.

Den Kindern macht die Ausbildung viel Spaß. „Toll war, das wir nach dem Training auch frei fahren durften“, berichtet die zehnjährige Marie. Dem neunjährigen Leonard gefiel es, dass theoretisch Gelernte in der Praxis umzusetzen. Die zehnjährige Selin fand am Lernen und Befolgen der Regeln gefallen. Manche hätten sich weniger Theorie gewünscht. „Da kann man sich wenig bewegen und muss viel schreiben“, meinten Rafael (zehn Jahre) und Viktoria (neun Jahre).

Am Ende der Ausbildung stehen die Prüfungen. Zuerst muss der schriftliche Teil bestanden werden. Dazu gibt es, wie beim Pkw-Führerschein, Fragebögen zum Ankreuzen, bei der eine oder mehrere Antwortmöglichkeiten richtig sein können. Von 40 Punkten müssen mindestens 20 erreicht werden. Bei der praktischen Prüfung fahren die Kinder zuerst einzeln eine festgelegte Strecke ab, danach dürfen sie sich zwölf Minuten in Gruppen mit dem Rad durch die Verkehrssituationen bewegen. Je nach Art des Fehlers gibt es verschiedene Fehlerpunkte. Wer weniger als zehn Fehlerpunkte hat, besteht die praktische Prüfung. Dies gelang am von den FN besuchten Prüfungstag allen.