Wertheim

Leserbrief zu „Hard-Rock wird von Burg verbannt“ (FN, 20.08.)

So könnte es klappen

Archivartikel

Ein tolles Erlebnis möchte ich hier zur Thematik „Beschwerden der Anwohner“ beitragen: Vor knapp sechs Wochen war ich im Aufbauteam des Boarstream Open Air in Buchenbach. An Tag drei des Aufbaus (Donnerstag, 19.07.) hatte ich den Auftrag, mit zwei jüngeren Burschen das Grundstück eines Nachbarn komplett einzufrieden, da dort beim letzten Boarstream „etwas vorgefallen“ sei.

Nun stiefelt ein Trio aus a) großen (alle an die 1,90 Meter), b) langhaarigen (bzw. einer raspelkurz), c) schwarz gekleideten (bzw. einer oben ohne), d) relativ muskulösen und vor allem e) relativ jungen Männern um Ihr Grundstück herum und zieht dort einen Bauzaun hoch. Was tun Sie? Beobachten! Und wir merkten das! Da wir uns fragten, ob der Nachbar wirklich sein ganzes Grundstück eingefriedet haben möchte (dieses ist eine alte Schreinerei mit großem Grundstück – diese Arbeit hätte vermutlich den ganzen Nachmittag gedauert, von der Menge an benötigten Gitterboxen ganz zu schweigen) entschlossen wir uns, zu klingeln und zu fragen wie er es denn gerne hätte.

Nach zögerlichem Öffnen der Haustür entspann sich zunächst ein sachliches Gespräch (der „Vorfall“ hatte gar nichts mit unserer Veranstaltung zu tun – so etwas aber auch!), dann wurde es immer persönlicher. „Souchemol, wie haaschn du, wie schreibtn sich dein Vadder?“ – hierfür liebe ich die Hohenloher!

Nachdem geklärt war, dass der werte „Herr Nachbar“ nicht irgendwelche Stereotypen, welche bei den fünf genannten Eigenschaften im Kopf des Betrachters entstehen, sondern „Houelouer Jungs“ vor sich hatte, war das Eis geschmolzen. Vorstellung, Duzen, Einladung, doch am Wochenende vorbeizuschauen. Inklusive einer zwanzigminütigen Diskussion über den aktuellen Zustand des VfB.

„BÄM!“, dachte ich da. Es kann also doch funktionieren! Beim Abbau haben wir übrigens nichts mehr von dem Nachbarn gehört, auch keine sonstigen Beschwerden. Das bisschen Zaun war dann auch schnell verräumt. Ich bin auf das nächste Boarstream gespannt. Ob „Herr Nachbar“ da noch einen Zaun braucht? Ich glaube nicht, denn: Der beste Zaun ist das Vertrauen. Spricht man mit Anwohnern und bindet diese aktiv in Veranstaltungen ein, kann dieses Vertrauen entstehen. Dann klappt’s auch mit den Nachbarn...!

In diesem Sinne: Support your Region! Support your Metal!

Falk Hagelstein, Wertheim