Wertheim

Comenius Realschule Absolventen aus sechs Klassen feierten unter dem Motto Casino ihr Abschlussfest

Solidarität wurde groß geschrieben

Es war eine ganz besondere Abschlussfeier, die die Comenius Realschule am Freitag feierte. Denn unter den Schülern waren zwei mit einer besonderen Geschichte.

Wertheim. Das lag nicht nur an den über 50 Prozent der Schüler, die einen Schnitt von 2,2 und besser erreicht hatten, sondern auch an zwei ganz besonderen Absolventen, die ihre Mittlere Reife unter erschwerten Bedingungen und mit Hilfe der ganzen Schulgemeinschaft erlangten. Als Thema für ihre Abschlussfeier hatten die 162 erfolgreichen Zehntklässler das Thema "Casino" gewählt. Entsprechend waren die Wände der Main-Tauber-Halle mit Spielkarten und mit Chips geschmückt, die mit den Namen der Schulabgänger beschriftet waren.

Die "C-Real's Band" unter Leitung von Musiklehrer Jo Krimm eröffnete den Abend stimmungsvoll mit "The House of the rising sun". Anschließend begrüßte Realschullehrerin Verena Tenzer, Organisatorin des Abends, gemeinsam mit der Zehntklässlerin Julia Bannwarth die Gäste des Casinos, in dem die Lehrer die Croupiers gewesen seien und manche Schüler hohe Einsätze gesetzt oder mit gezinkten Karten gespielt hätten. "Als Leiter eines Casinos habe ich mich noch nie gesehen", hakte Realschulrektor Hans Peter Otterbach an dieser Stelle ein.

Er freue sich über den Erfolg der Schüler, stellte aber fest: "Der Schritt hinaus in die Welt wird es bei den meisten noch nicht werden". Denn zwei Drittel der Schüler würden einfach eine Tür weiter gehen, was heißt, dass sie im Beruflichen Schulzentrum einen höheren Bildungsabschluss anstreben werden.

Doch die Schüler sollten nicht gleich an den nächsten Schritt denken, sondern zuvor "einen tollen Sommer genießen", so Wunsch und Empfehlung von Bürgermeister Wolfgang Stein als Vertreter der Stadt.

Worte der Wertschätzung

Nach den Grußworten erhielten die ersten drei Klassen ihre Zeugnisse, im zweiten Teil die anderen drei. Die Klassenlehrer hatten sich für ihre Schüler passende Lieder ausgesucht und Lehrer und Schüler verabschiedeten sich voneinander mit Worten, die Wertschätzung und Dankbarkeit zeigten sowie kleinen Präsenten.

Ein Zeugnis sorgte dann kurz vor der Pause dafür, dass die Zuschauer aufstanden und applaudierten: Hazan Nazari, Schüler des Beruflichen Schulzentrums, hatte als Externer am Realschulabschluss teilgenommen und bestanden.

Er war vor eineinhalb Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan gekommen und lebt seitdem in einer Wohngruppe der Jugendhilfe Creglingen. Zunächst wurde er aufgrund eines fehlenden Schulplatzes im ehrenamtlichen Projekt im "Café Kunterbunt" unterrichtet, dann fand er im Beruflichen Schulzentrum gleich neben der Realschule Unterstützung. Er hielt eine bewegende Dankesrede, die mit den Worten endete: "Ich danke Deutschland."

Einen ähnlich tiefen Eindruck hinterließ die Rede der Schülersprecher Antonia Kerling und Patryk Platek. Zunächst schilderte Antonia Kerling die lange Reise Schulzeit, die mit einer Schultüte, größer als sie selbst, begann und viele Begegnungen mit sich brachte, gleichermaßen mit "Arbeitstieren und Faultieren". Man hätte gespürt, dass die Schule mehr sei als ein Ort der Bücher und Taschenrechner.

Dann ergriff Patryk Platek das Wort. Er leidet am Tourette-Syndrom und besuchte die Schule mit Hilfe einer Schulbegleiterin seit der sechsten Klasse. Er dankte allen Lehrern und Schülern sowie Schulsozialarbeiterin Susanne Deivel, dass sie ihn immer unterstützt und "seine Krankheit ertragen" hätten. "Alle lassen mich so sein wie ich bin", stellte er heraus. Besonders seine Klasse habe immer zu ihm gehalten.

"Auch die Eltern haben mögliche Unterrichtsstörungen nie darüber gesetzt, solidarisch zu sein", meinte Konrektor Dieter Fauth in seiner Laudatio, denn zum ersten Mal wurden mit dem Comenius Preis für soziale Leistungen nicht eine Einzelperson ausgezeichnet, sondern die gesamte Klasse 10 b, die im Umgang mit Patryk, aber ebenso bei anderen Gelegenheiten, immer eine hohe Sozialkompetenz gezeigt hatte.

Nach der zweiten Pause wurden schließlich die Lobe und Preise von Frank Theobald und Katja Schäfer vom Förderverein übereicht. Zwei Schüler, Jonna Kaufmann und Tim Schwarz, erreichten als Schulbeste den Traumschnitt von 1,1.

Die offizielle Zeugnisvergabe umrahmte ein bunter Reigen an Showeinlagen, etwa der Tanz der Tanz-AG von Corina Grimm und Jacqueline Sawicki, die anhand verschiedener Lieder die Schulzeit Revue passieren ließ, oder mehrere abwechslungsreiche Musikeinlagen der Abschlussschüler Julian Seubert, Janina Englert, Vivienne Horn, Anica Greulich mit der 10-er-Band, die zeigten, dass sie in der Schulzeit auch musikalisch viel erlernt hatten.

Für dieses musikalische Lernen war in den vergangenen Jahrzehnten federführend Musiklehrer vJo Krimm zuständig, der dieses Jahr in den Ruhestand geht. Als die Schulleitung ihm sowie Verena Tenzer für ihren jahrelangen Einsatz bei der Gestaltung der Abschlussfeier dankte, kam es am Ende der Veranstaltung zum zweiten Mal an diesem bewegenden Abschlussabend zu Standing Ovations.