Wertheim

Orgelkonzert Beauftragter für die kirchenmusikalische Ausbildung der badischen Landeskirche begeistert Zuhörer in der Stiftskirche mit virtuosem Spiel

Spannung wirkt weit über Schlussakkord

Einen Querschnitt durch das Orgelschaffen Johann Sebastian Bachs präsentierte Organist Carsten Klomp am Samstag. Der Frauenchor der Stiftskirche fügte sich wie ein Mosaikstein ein.

Wertheim. Mit „Orgelkonzert – Der III. Teil der Clavierübung von Johann Sebastian Bach“ war die Überschrift des Konzerts am Sonntagnachmittag in der Stiftskirche recht unspektakulär angekündigt worden. Das Ergebnis war jedoch ein von Professor Carsten Klomp hochkarätig präsentierter Querschnitt durch das Orgelschaffen Johann Sebastian Bachs, darunter dem bekannten Präludium und Fuge Es-Dur, das wohl als eines der zentralen und bedeutendsten Orgelwerke Bachs gelten kann.

Symbolik

Der Frauenchor der Stiftskirche (Leitung: Bezirkskantorin Katharina Wulzinger) fügte sich wie ein präzise passender Mosaikstein in die von Albert Schweitzer „Orgelmesse“ genannte Auswahl an repräsentativen Orgelstücken ein und bereitete diese durch sein ein- bis vierstimmiges Singen aus dem Chorraum heraus vor. Die Musik Bachs sei nicht erklärungsbedürftig, so Professor Klomp zu Beginn, aber mit Erläuterungen habe man mehr davon.

Und so lernte man einiges über die bei Bach verbreitete Symbolik, die sich am Beispiel der Dreieinigkeit immer wieder deutlich zeige: Drei Vorzeichen habe das Eröffnungspräludium in Es-Dur, es habe drei Themenblöcke und als Eröffnungsmusik durch den „französischen Rhythmus“ eine besonders festliche Prägung.

Im Jahr 1739, dem 200. Jubiläumsjahr der Reformationseinführung in Leipzig, habe Bach die Sammlung aus 3x3x3 = 27 Stücken zusammengestellt, die aus Kyrie, Gloria, also den Stücken einer „missa brevis“ (Gottesdienst ohne Abendmahl) zusammenstellt sei und ergänzt werde durch Katechismuslieder.

Das „kleinste“ der abwechslungsreichen Werke war ein zart registriertes Duett, das die besondere Genialität Bachs ebenso offenbarte wie der monumentale sechsstimmige Satz zu „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ für „Organo pleno“ („volle Orgel“) und Doppelpedal. Das berühmte Präludium Es-Dur stand am Anfang, die dazugehörige fünfstimmige Fuge beschloss das Konzert. Das prägnante, mitreißende Fugenthema und die phänomenale, von Carsten Klomp perfekt präsentierte Schlusskadenz war nicht nur der angekündigte „archtitektonische Höhepunkt“ der „Clavierübung“, sondern eindrucksvoll komprimierte Zusammenfassung von Bachscher Kompositionskunst als besonderer Ausprägung abendländischer Kultur- und Liturgiegeschichte. Außerordentlich lang und offensichtlich von allen Zuhörern als angemessen empfunden, war das Weiterwirken der musikalischen Spannung bis weit über den Nachhall des Schlussakkords hinaus.

Der nun erklingende dankbare Applaus galt dem Organisten Professor Carsten Klomp, aber auch dem Frauenchor der Stiftskirche, der Organisatorin Katharina Wulzinger und nicht zuletzt der Assistentin Klomps, Jenny Amarell, die für das Umblättern und Registrieren ebenfalls eine große Verantwortung für das Gelingen des Konzerts trug.