Wertheim

Gemeinderatswahl Wohnort des künftigen Gemeinderats der Bürgerliste in Frage gestellt / Naturschutz-Fehde mit David Beile löst Untersuchung aus

Stadt will Ulzhöfer-Kandidatur prüfen

Archivartikel

Christian Ulzhöfer ist für die Bürgerliste in den Gemeinderat gewählt worden. Ob er überhaupt kandidieren durfte, wird bezweifelt. Die Stadtverwaltung prüft nun den Fall.

Wertheim. Mit Christian Ulzhöfer zieht für die Bürgerliste Wertheim ein überzeugter Naturschützer in den neuen Gemeinderat ein. 3344 Stimmen sammelte er bei der Wahl am Sonntag. Ob er tatsächlich in Wertheim seine Hauptwohnung hat und damit als Kandidat zugelassen werden durfte, ist demnächst Gegenstand einer offiziellen Prüfung.

Die Vorwürfe tauchten in der Öffentlichkeit kurz vor der Wahl auf dem sozialen Netzwerk Facebook auf. Sebastian Sturm, für die CDU im Gemeinderat, hatte das Bild eines Briefkastens mit dem Namen Ulzhöfers am vergangenen Freitag veröffentlicht. Standort des Briefkastens laut Sturm: Kreuzwertheim.

Schon seit längerer Zeit kursieren Gerüchte über den eigentlichen Wohnsitz Ulzhöfers. Um den Hintergrund der „Causa Ulzhöfer“ zu verstehen, muss man sein Engagement als Naturschützer mit einbeziehen.

Konflikt um Naturschutz

Und hier kommt David Beile, wie Sebastion Sturm Mitglied der CDU-Fraktion, ins Spiel. Beile besitzt nach eigenen Angaben seit eineinhalb Jahren ein Grundstück im Gewerbegebiet Reinhardshof, auf dem er für sein Bestattungsunternehmen bauen will. Mit dem Bau habe er aber aus Naturschutzgründen bisher nicht beginnen können. Tausende Euro habe ihn die Verzögerung mittlerweile gekostet.

Die Wertheimer Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) hat auf dem Areal laut eigenen Angaben zwei seltene Tierarten entdeckt, die „streng geschützt“ seien. Artenschutzbeauftragter des Nabu: Christian Ulzhöfer.

In der vergangenen Woche jedoch bekam Beile grünes Licht für den Bau. In Anwesenheit seines Bauleiters und eines Gutachters habe man „wenige Pflanzen“ umgesiedelt. Beile ließ die Wiese mähen.

Eskalation auf Facebook

Die Wut Christian Ulzhöfers ließ nicht lange auf sich warten. Empört veröffentlichte er auf Facebook ein Bild des Geländes: „CDU-Gemeinderatsmitglieder vernichten die letzten Naturparadiese in Wertheim!“ Der „Klüngel zwischen Gemeinderäten und Stadtverwaltung“ habe sich wieder einmal durchgesetzt. Ohne „starke Leute“ wie ihn würden die streng geschützten Arten in Wertheim „der Profitgier und dem Filz zum Opfer fallen.“

Angesichts dieser Vorwürfe, so David Beile, sei ihm „der Kragen geplatzt“. Eines Abends sei er auf der Terrasse seines Hauses gesessen und habe talabwärts auf das Grundstück seiner Nachbarn geblickt. Beile wohnt „Zaun an Zaun“ mit den Eltern Christian Ulzhöfers. Das Haus ist auch die Meldeadresse, die Ulzhöfer bei der Stadtverwaltung als Wohnsitz für seine Gemeinderatskandidatur angegeben hat.

Beile, so schildert er die Situation gegenüber den Fränkischen Nachrichten, nahm sein Smartphone zur Hand, schoss ein Foto und veröffentlichte es seinerseits auf Facebook: „In dieser stattlichen Villa wohnt Herr Dr. Christian Ulzuhöfer.“ Seltsamerweise habe er „ihn aber hier noch nie gesehen.“

„Ich habe ihn tatsächlich noch nie hier gesehen“, versichert Beile gegenüber den Fränkischen Nachrichten. Er gehe davon aus, dass Ulzhöfer nicht in dem Haus wohne.

Die nächste Eskalationsstufe erreichte die Fehde dann mit dem eingangs erwähnten Facebook-Beitrag von Sebastian Sturm, dem Parteifreund Beiles.

Ulzhöfer, auf die Wohnort-Angelegenheit angesprochen, versichert gegenüber den Fränkischen Nachrichten: „Ich habe meinen Wohnort in Wertheim, ich befinde mich hauptsächlich in Wertheim und zahle schon immer meine Steuern hier.“

Detailangaben, wo er sich sonst noch aufhalte, werde er nicht machen. Das sei Privatsache. Helmut Wießner, Dezernatsleiter in der Stadtverwaltung und als Ausschussvorsitzender zuständig für den korrekten Ablauf der Kommunalwahl, kündigte gegenüber den Fränkischen Nachrichten gestern an, dass er die Angelegenheit unter die Lupe nehmen werde. Wie diese „genaue Prüfung“ aussehen wird, vermochte er nicht zu sagen.

„Müssen uns das anschauen“

Sie werde nach der endgültigen Auszählung der Stimmen und dem ordentlichen Abschluss der Formalitäten erfolgen. „Der Fall ist da. Wir müssen uns das anschauen“, so Wießner.

Christian Ulzhöfer vermutet, diese Prüfung könnte sich zu einer Vergeltungsmaßnahme wegen seiner kritischen Haltung gegenüber der Verwaltung in Sachen Naturschutz entwickeln.

Er wisse, dass man sich im Rathaus vor ihm fürchte, weil er bald als Gemeinderat amtiere und „Dinge an den Tag kommen könnten, die man über viele Jahre hinweg verschwiegen hat.“ Helmut Wießner sagt dazu lediglich: „An solchen Spekulation beteiligen wir uns nicht. Diese Aussagen haben keine Relevanz für die Prüfung.“