Wertheim

Barrierefreiheit 20 Wunschstrecken hält der Seniorenbeirat für eine bessere Mobilität für Rollatoren- und Rollstuhlfahrer vor

Stolperfreie Spur hat sich bewährt

Wertheim.Rollstuhlfahrer, Rollatorennutzer und Familien mit Kinderwägen haben es mitunter in der Altstadt schwer. Das historische Pflaster schränkt ihre Mobilität teilweise stark ein oder erfordert einen zusätzlichen Kraftaufwand.

Auf Initiative des Seniorenbeirats wurde das Thema barrierefreie Wege angegangen. Am 30. Mai vergangenen Jahres hatte dieser in Zusammenarbeit mit der Johanniter-Altenpflegeschule und dem Sanitätshaus Weber eine „Testbefahrung“ mit Rollstühlen und Rollatoren in der Altstadt unternommen. Dabei wurde die Nutzung auf unterschiedlichen Pflasterqualitäten getestet und eine Liste mit Problemstellen erstellt.

Diese übergab der Beirat der Stadtverwaltung. „Die Barrierefreiheit in der Altstadt ist wegen der Historie, den Auflagen des Denkmalschutzes und des Kopfsteinpflasters problematisch“, war sich Bürgermeister Wolfgang Stein beim Pressegespräch in der Gerbergasse am Dienstagmittag bewusst. Eine Verbesserung für Rollator- und Rollstuhlfahrer aber auch Kinderwägen wäre schön. Er freute sich über die Initiative des Seniorenbeirats. Kurz nach Einreichen der Liste habe sich eine Chance für einen Versuch ergeben. Man nutzte eine Aufgrabung der Stadtwerke in der Gerbergasse, um eine 30 Meter lange und 1,20 Meter breite stolperfreie Spur anzulegen. Sie ist so breit, dass Rollatoren aneinander vorbei kommen und auch Rollstuhlfahrer genügend Bewegungsspielraum haben.

Die Spur ist leicht zur Seite geneigt, damit Wasser abfließen kann. „Ich finde ihr habt gut bemustert“, lobte Stein. Das Ganze werde nicht als Fremdkörper wahrgenommen, sondern passe zum historischen Bild. Die anteiligen Kosten für die Pfalsterungsmaßnahme in der Gerbergasse beliefen sich auf etwa 5000 Euro.

Nach den positiven Erfahrungen dort sollen weitere Spuren dieser Art in der Altstadt folgen. „Wir werden nicht auf einmal die ganze Altstadt auf den Kopf stellen, sondern mit Verstand agieren und die Schaffung der Spuren in andere Maßnahmen integrieren“, so der Bürgermeister. Dieses Vorgehen sei mit dem Seniorenbeirat abgestimmt. Neben der Wirtschaftlichkeit, gehe es auch um die Minimierung von Baustellenbelastungen für Innenstadtbewohner und Akteure wie Einzelhandel und Gastronomie.

Die nächste Etappe eines barrierefreien Streifens ist schon in Planung. Im Rahmen des Ausbaus der Breitbandversorgung stehen in den nächsten Monaten Aufgrabungsarbeiten in der Altstadt an. Die Verwaltung wird in deren Zuge einen barrierefreie Strecke vom Engelsbrunnen durch die Rathausgasse in Richtung Eichelgasse anlegen. Überzeugt sind die Verantwortlichen davon, dass die Maßnahme die Aufenthaltsqualität von Wertheimern und Touristen verbessern wird.

Jürgen Küchler, Vorsitzender des Seniorenbeirats, betonte insbesondere ältere Menschen brauchen einen ebenen Belag, weil sie Angst haben zu stolpern und sich etwas zu brechen. Aber auch Kinderwägen und Radfahrer profitieren von den Spuren. Er hoffe nur, dass es nicht zu einem Konkurrenzkampf in der Nutzung der Streifen kommt.

Stein verwies darauf, dass Radfahrer ihrer Räder in der Fußgängerzone schieben müssen. „Wir freuen uns über die Maßnahme in der Gerbergasse und hoffen auf Fortsetzung“, betonte Küchler. Die vom Beirat aufgestellte Liste umfasst rund 20 Wunschstrecken in der Altstadt. „Jetzt stehen wir in Sachen Rollatorstraße nicht mehr hinter Kreuzwertheim zurück“, ergänzte er.

Besonders wünsche man sich eine Spur am Durchgang durchs Maintor und in der Rittergasse. Man ist sich aber bewusst, dass dies vor allem in der Rittergasse schwierig wird. Dattler betonte abschließend nochmals, wie wichtig die Ästhetik bei Materialauswahl und Verlegeart ist. Man habe sich Lösungen in Lohr und Kreuzwertheim angesehen. In Wertheim setze man darauf, eine für jede Stelle passende individuelle Lösung zu finden. Auch ein Ehepaar mit Kinderwagen das zufällig vorbei kam, nutzte die Strecke in der Gerbergasse gleich aus. bdg