Wertheim

Amtsgericht Vater war wegen Verletzung der Unterhaltspflicht verwarnt

Strafvorbehalt wurde aufgehoben

Archivartikel

Wertheim.Ein Vater zahlte für seine bei der Mutter im Raum Wertheim lebende Tochter elf Mal nicht den monatlichen Unterhalt von 334 Euro. Es kam zur Anzeige und zum Strafverfahren wegen Verletzung der Unterhaltspflicht.

Wegen der besonderen Umstände des Falls verurteilte das Amtsgericht Wertheim den Arbeiter aus dem Main-Spessart-Kreis jedoch nicht, sondern sprach unter zwei Auflagen nur eine Verwarnung aus. Die Richterin behielt sich aber eine Strafe von 90 mal 40 Euro vor. Da der Beschuldigten die Auflagen erfüllt hat, Zahlung des Unterhaltsrückstands und drei Jahre lang keine weitere Straftat zu begehen, wurde die Strafe inzwischen erlassen, und es entfällt der Eintrag im Strafregister. Die Tochter hat noch einen älteren Bruder, und 2004 ließen sich die Eltern scheiden. Der Beschuldigte heiratete erneut und ist Vater zweier weiterer Kinder.

In der Verhandlung betonte die Vertreterin des Jugendamtes Main-Tauber, dass für die Tochter über den Beginn der Volljährigkeit hinaus bis zum Abitur Anspruch auf Unterhaltsleistungen bestand, gleichberechtigt mit den jüngeren Halbgeschwistern.

Der Staatsanwaltschaft bezeichnete den Tatbestand der Unterhaltspflichtverletzung als erfüllt und beantragte eine Strafe von 3600 Euro. Abrechnungen für Lohn oder Leistungen der AOK im Krankheitsfall belegten, dass der Beschuldigte zumindest teilweise hätte Zahlungen erbringen können. Der Verteidiger erklärte, der falsche Rat des vorigen Anwalts des Mandant habe dazu geführt, dass es bis zum Strafverfahren kam.

Das Gericht betonte, der Angeklagte habe von dem ihm zur Verfügung stehenden Geld auch Schulden für Anschaffungen für die neue Ehe beglichen. Unterhalt für Kinder gehe aber allen anderen Verpflichtungen vor. Ausschlaggebend für den Strafvorbehalt war, dass sich der Angeklagte schon vor der Verhandlung um Wiedergutmachung bemüht und den ursprünglichen Rückstand von 3674 Euro auf 923 Euro reduziert hatte.

Die Verhandlung zeigte auch den gegenseitigen Umgang beim Familiengericht Düsseldorf. Die Tochter, nun Studentin, hatte im März 2014 dort mit dem Vater einen Vergleich bezüglich des rückständigen Unterhalts geschlossen. Dabei ging man sich aus dem Weg und sah sich in der Strafverhandlung in Wertheim nach zehn Jahren das erste Mal wieder.

Der Verteidiger nannte es unschön, dass in den damaligen Briefen der Tochter die Anrede Erzeuger benutzt wurde und nicht Vater. Die Richterin gab der Tochter den Rat, nicht wieder so viel Zeit verstreichen zu lassen.

Irgendwann habe sie Kinder, und die würden nach dem Großvater fragen. goe