Wertheim

Demonstration Rund 120 Menschen gingen gestern in Wertheim gegen den Auftritt des AfD-Politikers Björn Höcke auf die Straße

"Stumpfer und plumper Populismus"

Weniger Menschen als erwartet haben gestern Nachmittag in Wertheim friedlich gegen den Auftritt des AfD-Politikers Björn Höcke in der Aula Alte Steige protestiert.

Wertheim. Ob es am Wetter lag? Gut eine Stunde, bevor der Demonstrationszug sich vom Marktplatz aus in Bewegung setzen sollte, hatte es ganz heftig geregnet. Vielleicht war auch die Uhrzeit schuld? "Donnerstagnachmittag, 17 Uhr, das ist schon irgendwie doof. Da müssen viele ja noch arbeiten oder kommen gerade nach Hause", meinte eine Teilnehmerin, schon sichtbar enttäuscht, dass nicht mehr gekommen waren, um gegen die Veranstaltung der AfD mit deren Fraktionsvorsitzenden im Landtag von Thüringen, Björn Höcke, in der Aula Alte Steige zu protestieren.

Engagiert bei der Sache

Bessere Laune breitete sich aus, als erste Zahlen kursierten, die aus den Reihen der Polizei gekommen sein sollten: Von rund 250 Menschen war da die Rede. Später wurde das aber zurückgenommen auf 100 bis 120 Demonstranten, und das dürfte dann auch deutlich näher an der Realität gelegen haben. Wer sich aber nicht vom Wetter oder der "komischen Zeit" hatte abhalten lassen, der war engagiert bei der Sache.

Ein breites Bündnis hatte sich dem Demonstrationsaufruf der Initiative "Mergentheim gegen Rechts" angeschlossen, der unter dem Motto "Solidarität statt Hetze" stand. Eingestimmt wurden die Teilnehmer vom Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Tauberbischofsheim, Gerd Koch. "Wir wollen eine gewaltfreie Demonstration", appellierte der noch auf dem Marktplatz. "Alles andere, auch Blockaden, würde nur der AfD in die Hände spielen." Einige Teilnehmer folgten der Aufforderung der DGB-Regionssekretärin Silke Ortwein, ihre Gründe für die Teilnahme an der Demonstration zu nennen. Da war dann die Rede davon, man müsse versuchen, "bei den Menschen den stumpfen und plumpen Populismus aus den Köpfen zu kriegen" und davon, dass man es nicht glauben könne, "dass es so viele Leute gibt, die auf Lügen und Hetze hereinfallen".

Vom Marktplatz aus setzte sich der Zug, begleitet von Polizei, dann in Bewegung Richtung Ziel, nahe der Aula Alte Steige. Dabei machten die Demonstranten aus ihrer Meinung keinen Hehl: "AfD-Faschistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt", wurde gerufen, oder auch "Wer schweigt, stimmt zu, lasst Faschisten nicht in Ruh" und "Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda".

Protest auch gegen Dr. Baum

Die Demonstration, machte als erster Redner der Abschlusskundgebung Timo Büchner von "Mergentheim gegen Rechts" deutlich, richte sich nicht nur Höcke, sondern auch gegen Dr. Christina Baum, die sich regelmäßig am äußerst rechten Rand ihrer Partei positioniere. "Wir wollen und wir brauchen Sie nicht. Nicht hier in Wertheim, nicht im Main-Tauber-Kreis, in Baden-Württemberg und erst recht nicht in Deutschland", rief Gerd Koch aus. "Rassisten und Nationalisten sind keine Alternative." Solidarität und Gerechtigkeit seien die Basis für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, so der Redner. "Falsch und äußerst gefährlich", nannte es Koch, Flüchtlinge, Migranten oder Muslime für die sozio-ökonomischen Entwicklungen der vergangenen Jahre verantwortlich zu machen, Anhand einiger Beispiele aus dem aktuellen Wahlprogramm machte der IG Metall-Bevollmächtigte deutlich, warum die AfD nach seiner Meinung nicht die "Partei der kleinen Leute" ist, als die sie sich darstelle.

Für den Verein "Willkommen in Wertheim" stellte Rainer Lotz dessen Arbeit für und mit Flüchtlingen vor. Diese leiste man nicht mit schrillen Tönen. "Wir stehen für das Motto dieser Veranstaltung 'Solidarität statt Hetze'", so Lotz. Nach einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit Zitaten Höckes und dem Programm der Afd rief Lotz als Kronzeugen gegen die Partei deren ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden, Olaf Henkel auf, der über den Thüringer Fraktionsvorsitzenden gesagt habe, "der redet ja wie Josef Goebbels". Sie setze immer noch darauf, dass die Menschen lernfähig seien und verhindern, dass sich Geschichte wiederhole, erklärte Silke Ortwein. Sie rief leidenschaftlich dazu auf, für eine offene und demokratische Gesellschaft einzutreten. "Wehren wir uns gegen alle, die den ersten Paragrafen des Grundgesetzes in Frage stellen. Die Würde des Menschen ist unantastbar und sie muss es bleiben."

Als letzter Kundgebungsredner zeigte sich der Würzburger Friedenspreisträger Burkhard Hose sicher, "Ja, er wird es wieder tun." Höcke werde wieder an der Grenze zur strafrechtlich relevanten Volksverhetzung reden, er werde wieder spalten, nationalsozialistisches Gedankengut verbreiten, Tabus brechen. "Wer eine Nation mehr achtet als die Menschen, ist ein Nationalsozialist."