Wertheim

Beim Amtsgericht verhandelt Diebstahl in besonders schwerem Fall / Bewährungsstrafe für einen der Täter

Täter verursachten beim Kabelklau Stromausfall

Wertheim.Ein Unternehmen war im vergangenen Jahr auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne in Külsheim damit beschäftigt, Gebäude zu entkernen. Der Arbeitsbereich war mit einem Bauzaun abgesperrt. Trotzdem gab es Probleme mit Diebstählen.

Der für das Areal zuständige „Aufpasser“ war also sensibilisiert. Er brachte in der Nacht zum 1. März 2018 einen Stromausfall sowie die trotz nur sieben Grad Außentemperatur warme Motorhaube eines Autos mit einem weiteren ungebetenen Besucher in Verbindung.

Die Polizei aus Wertheim und Külsheim rückte mit mehreren Streifenwagen an. Im Keller eines Gebäudes konnten die Beamten zwei Männer festnehmen.

Einen von ihnen, 32 Jahre, gelernter Raumausstatter und jetzt im Raum Heilbronn wohnhaft, verurteilte nun das Amtsgericht Wertheim wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall zu sechs Monaten Haft. Die Richterin sah die Sozialprognose positiv und setzte die Strafe gegen Zahlung von 1500 Euro Buße an eine gemeinnützige Organisation zur Bewährung aus.

Der zweite Angeklagte, jetzt wohnhaft in Dortmund, war nicht bei Gericht erschienen. Sein Verfahren wurde abgetrennt.

Die Segmente des Bauzauns waren nicht nur in den Sockel gesteckt, sondern zusätzlich mit Schellen und Schrauben verbunden. Die Diebe öffneten in der Tatnacht eine Schelle und hoben ein Segment zur Seite. An einem Gebäude brachen sie Spanplatten auf, die den Zugang sicherten. Bei der Arbeit im Keller schlugen die Täter mit einem Beil auf ein Stromkabel, das noch unter Spannung stand. Sie merkten nicht, dass andernorts der Strom ausfiel und die Polizei anrückte.

Die Beamten mussten nur den klopfenden Geräuschen folgen. Die Männer ergaben sich ohne Widerstand. Werkzeuge und Kabel lagen schon zum Abtransport bereit. Die Täter standen unter Drogeneinfluss. Nach der Festnahme wurden sie zunächst in Zellen des Wertheimer Polizeireviers untergebracht.

In der Verhandlung war der Angeklagte geständig. Er meinte, er und sein Komplize seien beide auf die Idee gekommen, die Situation für einen Diebstahl zu nutzen, und sich durch den Verkauf der Sachen Geld für Drogen zu beschaffen.

Wie früher im Main-Tauber-Kreis arbeitet er wieder in seinem Beruf. Wegen der Gefahr, erneut Drogen zu konsumieren, nimmt er an einer Gesprächstherapie teil.

Ursprünglich lautete die Anklage „Diebstahl mit Waffen“. Denn die Männer hätten Beil und Messer an den Tatort mitgebracht. Das ließ sich jedoch nicht nachweisen. So beantragte die Staatsanwaltschaft sechs Monate mit Bewährung wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall, Einbrechen in ein Gebäude oder einen anderen umschlossenen Raum.

Die Richterin schloss sich an. Der Angeklagte nahm das Urteil an. goe