Wertheim

SPD-Ortsverein Wertheim Monatelange Suche nach einem Vorstand erfolgreich beendet / Fusion mit anderen Ortsvereinen ist vom Tisch

Thomas Kraft ist neuer Vorsitzender

Ende der Führungskrise? Der Wertheimer SPD-Ortsverein hat einen neuen Vorstand. An dessen Spitze steht jetzt Thomas Kraft. Er war schon einmal Vorsitzender.

Wertheim. Der Versammlungsraum im China-Restaurant „Chan“ platzte aus allen Nähten, so viele Genossen hatten sich am Samstagnachmittag auf den Weg gemacht. Sie alle wollten wissen, wie es weitergeht mit dem traditionsreichen SPD-Ortsverein Wertheim.

Nach mehr als zwei Stunden konnten sie den Heimweg antreten mit dem beruhigenden Gefühl, dass es weitergeht. Die monatelange Suche nach einem neuen Vorstand ist zu Ende, Gespräche über eine mögliche Fusion mit anderen Ortsvereinen sind vom Tisch und für die anstehenden Oberbürgermeister- und Kommunalwahlen fühlt man sich gut aufgestellt.

Darüber hinaus wurden sie über eine Namensänderung informiert: Die Gemeinderatsfraktion heißt jetzt „SPD plus“.

Damit macht man auch nach außen hin deutlich, was bei den Sozialdemokraten schon seit langem Usus ist und bleiben wird: ihr können auch Frauen und Männer ohne Parteibuch angehören und es gibt keinen Fraktionszwang.

Gut, dass man erst im vergangenen Jahr außerplanmäßig Stadtrat Ingo Ortel zum stellvertretenden Vorsitzenden des Ortsvereins gewählt hatte.

Denn getreu seinem Motto „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig, oder gar nicht“, war es der selbsternannte „OB von Wertheim“, wobei das nicht für Oberbürgermeister sondern für Oberbademeister steht, der die Sozialdemokraten in der Main-Tauber-Stadt sozusagen „am Leben“ hielt, nachdem sich die meisten der übrigen Vorstandsmitglieder um den bisherigen Vorsitzenden Walter Hörnig zurückgezogen hatten. Ortel berichtete den fast 30 Anwesenden von der lange erfolglosen Nachfolgesuche und von Gedanken und Gesprächen über eine mögliche Fusion.

Wichtige Botschaft

Dagegen hatte sich vor allem die Gemeinderatsfraktion gestemmt, fürchtend, dass dies im Jahr der Oberbürgermeister- und Kommunalwahlen ein fatales Signal sein dürfte. Zu letzterer hatte Ortel eine wichtige Botschaft zu verkünden. So wie er die Fraktionsmitglieder verstanden habe, „werden wir alle wieder antreten“. Nachdem dann Fraktionsvorsitzender Patrick Schönig die Versammlungsleitung übernommen hatte, wurde das Geheimnis gelüftet, wer denn nun Wertheims Sozialdemokratie in die zumindest nahe Zukunft führen soll.

Es ist Thomas Kraft, der das Amt des Vorsitzenden schon von 1997 bis 2002 innehatte, später sein politisches und kommunalpolitisches Engagement vor allem aus beruflichen Gründen immer weiter zurückgeschraubt hatte, bis aktuell „nur“ noch das Mandat im Kreistag übrig blieb.

In diesem Jahr 60 geworden, geht Kraft zum Jahreswechsel in den Ruhestand und startet politisch wieder durch. In seiner Vorstellungsrede machte er schnell deutlich, dass er nach wie vor sei, als was ihn der Ehrenvorsitzende des Ortsvereins, Gernot Schulz, später bezeichnete: Ein „Homo Politicus“ nämlich.

Breites Themenspektrum

Sein Themenspektrum machte denn auch an den Grenzen von Stadt und Landkreis nicht Halt, wobei sich mancher Anwesende gerade dazu etwas Ausführlicheres und weniger Landes- und Bundespolitisches gewünscht hätte.

Schulz wiederum rief die vielfältigen Aktivitäten Krafts, unter anderem als Oberbürgermeisterkandidat 2003, noch einmal in Erinnerung, ehe dieser dann in geheimer Abstimmung einstimmig zum zweiten Mal an die Spitze des Ortsvereins gewählt wurde.

Ebenfalls einmütig, aber per Handzeichen, wurden Ortel, Jutta Merkert und Boris Kellner zu stellvertretenden Vorsitzenden, sowie Erich Kern zum Kassierer gewählt. Das Amt des Schriftführers blieb vorerst unbesetzt.

Beisitzer sind Ali-Cherif Deroua und Gerald Strauß. Als Revisoren fungieren Erika Knittel und Dr. Günther Heger.

Ebenfalls gewählt wurden die Abgesandten der Wertheimer SPD zu den verschiedenen Kreisdelegiertenkonferenzen.