Wertheim

Diamantene Hochzeit Hedwig und Werner Gegenwarth gaben sich vor 60 Jahren das Ja-Wort

Trotz schwerer Zeiten voller Dankbarkeit

Waldenhausen.„Wir haben immer nach vorne geschaut. Hauptsache, wir sind noch zusammen. Wir sind voller Dankbarkeit“, fasst Hedwig Gegenwarth ihre Gefühle anlässlich der diamantenen Hochzeit mit ihrem Ehemann Werner zusammen. Auch wenn es zwischendurch schwere Zeiten gab, gemeinsam sind die Jubilare in sechs Jahrzehnten durch dick und dünn gegangen. Seit dieser Zeit leben Sie auch zusammen auf dem Grundstück, das Werner Gegenwarth seit seiner Geburt 1936 sein Zuhause nennt.

„Ich bin ein Ur-Waldenhäusener“ erklärt er. Hier besuchte er die Volksschule, nach vielen kriegs- und nachkriegsbedingten Lehrerwechseln begann er dann auf dem elterlichen Hof zu arbeiten und besuchte nebenher die landwirtschaftliche Schule in Wertheim. Zwischendurch machte er Erfahrungen auf anderen Höfen, etwa im Fürstlichen Betrieb Haidhof oder auf einem Bauernhof im Schwarzwald, für den er sich bei einer Besichtigungstour mit der Schule entschieden hatte.

1955 legte er schließlich die landwirtschaftliche Eignungsprüfung ab, vergleichbar mit einer Gesellenprüfung, später die Meisterprüfung. Doch sein Wissensdurst war ungebremst und so nahm er an einem vierwöchigen Kurs der Bauernschule Gamburg teil. Dieser Einrichtung, die heute unter „kirchlicher Dienst Land“ läuft, ist er bis jetzt treu geblieben und nimmt mit seiner Frau noch immer an regelmäßigen Treffen ehemaliger Schüler teil.

In Höhefeld erblickte 1939 seine Frau Hedwig das Licht der Welt. Ihren Vater lernte sie nie kennen. Noch vor ihrer Geburt wurde er eingezogen und galt ab 1944 in Russland als vermisst. Dadurch hatte es die kleine Familie nicht leicht und vielleicht stammt aus dieser Zeit die Tatkraft, die Hedwig Gegenwarth auch durch spätere Krisen trug.

Tatkraft auch in Krisen

Etwa als ihr Mann am sechsten Hochzeitstag schwer erkrankte und sie den Hof plötzlich fast ein Jahr alleine führen musste. „Sie wurde ins kalte Wasser geworfen, ist vorher zum Beispiel noch nie Schlepper gefahren“, erinnert sich ihr Ehemann. Doch auch dieser Situation gewinnt die damalige Mutter von zwei kleinen Kindern etwas Gutes ab: „Meine Schwiegereltern haben mir geholfen. Ich habe Vater und Mutter gefunden. Jetzt hatte ich einen Papa und zwei Mamas.“

Doch zurück zu dem Tag, der dazu führte, dass Hedwig Gegenwarth ihr neues Zuhause fand: Es war ein Abend im Jahr 1957. Eine Freundin der jungen Hedwig war Hausmädchen im Gasthof Krone, wo Werner Gegenwarth gerne seine Freizeit verbrachte. Bei einem Besuch funkte es und nun brach er immer wieder mit seinem Motorrad nach Höhefeld auf, um seine Auserwählte zu besuchen – bis zwei Jahre später die Hochzeitsglocken läuteten. Drei Kinder wurden geboren, die beiden Söhne leben noch in Waldenhausen, die Tochter in der Nähe von Heilbronn. Drei Enkelkinder gehören zur Familie, die natürlich bei Dankgottesdienst und Feiern am Dienstag nicht fehlen dürfen.

Die Gegenwarths sind bekannt im Dorf. Das liegt nicht nur daran, dass Werner Gegenwarth nach seiner gesundheitsbedingten Umschulung zum Großhandelskaufmann über zwanzig Jahre im Bauverwaltungsamt der Stadt für die Friedhofsverwaltung zuständig war, sondern auch an den mannigfaltigen Vereinstätigkeiten. Seit 66 Jahren singt Werner Gegenwarth im Gesangverein Waldenhausen den ersten Bass. Ebenso war er Gründungsmitglied der Freiwilligen Feuerwehr und im Kirchengemeinderat.

Seine Frau Hedwig Gegenwarth engagierte sich bei den Landfrauen – und versorgte den Haushalt. Werner Gegenwarth schwärmt von den hauswirtschaftlichen Fähigkeiten, den Koch- und Backkünsten seiner Frau.

Und da gibt es ja noch das gemeinsame Hobby: Den Garten, in dem sie Obst und Gemüse anbauen. Der Jubilar ist zudem immer noch aktiv an der Pflege des Baumbestandes auf dem Walzenberg in Waldenhausen beteiligt. Die Maßnahmen werden vom Landkreis unterstützt. Ihm sei es ein Anliegen, dass „dieses Stück Heimat“ erhalten bleibe. Denn obwohl sie damals schweren Herzens die Landwirtschaft aufgeben mussten, ist das Leben in und mit der Natur immer noch eine zentrale gemeinsame Liebe des harmonischen Jubelpaares. nad