Wertheim

Prunksitzung Der SSV Mainperle Urphar-Lindelbach bot vier Stunden lang beste Unterhaltung mit Tänzen, Akrobatik, Hitparade und glossiertem Ortsgeschehen

Und alle singen zu „Smoke on the Water“

Archivartikel

Die Prunksitzung des SSV Mainperle Urphar-Lindelbach am Rosenmontag ließ keinen Wunsch offen. Tolle Tänze, gelungene Sketche und Büttenreden füllten das Programm.

Urphar. Gemeinsam mit ihren Gästen boten die Urpharer Narren einen Höhepunkt nach dem anderen. Für die Livemusik sorgte „The Blue Notes“ (Gitarrist Thomas Herkert und Keyboarder Klaus-Peter Herkert). In Anspielung an die Geldautomatensprengung in Wertheim sprengten Stephan Horn und Matthias Friedrich die Tresortür zur Bühne, heraus trat Sitzungspräsident Marc Wiegand, der viel gute Laune versprach.

Mit ihrem akrobatisch geprägten Gardetanz bot die SSV-Nachwuchsgarde (Trainerinnen Tamara Witzel, Katharina Martin und Marissa Wiegand) eine perfekte Einstimmung in den Abend. Der stellvertretende Wertheimer Oberbürgermeister Bernd Hartmannsgruber reimte seine närrischen Grußworte und lobte die engagierte Narretei aller Mitwirkenden. Die Jugendgarde des SSV (Trainerin Melanie Wiegand) überzeugte mit ihrer Erfahrung und einem klassischen Gardetanz.

Ein langjähriger Gastredner in Urphar ist „Hauptmann Küppers“ (Rolf Herzel vom Veitshöchheimer Carnevalsclub). In Geschichten und Gesang stellte er fest, Fasching sei jene Zeit in der man das ausleben kann, was man das ganze Jahr sein will. „Spring über deinen Schatten – du bist, was du bist!“ Es folgte ein Rundumschlag von der billigen Fleischproduktion, über den heißen Sommer, die Dieselaffäre, den Klimawandel, Werbefiguren, Liebe und die Frauenwelt, bis zum Altwerden und dessen Folgen. Auch in diesem Jahr unterstützten die Gäste der Prunksitzung die Hilfsaktion des Redners mit Spenden. Wiegand hatte über die Gasthoheiten aus Grünsfeld und Bettingen einige Geheimnisse zu berichten.

Der „Hochzeitsschmarrn“

Carsten Albert hatte für einen „Hochzeitslader“ seltsame Ansichten. „Der Schmarrn mit dene Hochzeite will einfach net ufhöre.“ Doch so manche drohende Schikane treibe den Junggesellen in die Ehe. Er berichtete über das Leid bei Junggesellenabschieden und Polterabenden. Letztere seien in Urphar verboten, „denn eine Bauschuttdeponie auf der Gemarkung reicht“, verwies er auf die Neuerung, allerlei Sanitäranlagen als Glücksbringer beim Polterabend abzukippen.

Die SSV Jugendshowtanzgruppe „Crazy Moves“ (Trainerin Lina Kemmer) rockte als „Crazy Frogs“ und bewiesen dabei, dass die grünen Wasserbewohner weit mehr können als nur quaken. Vielmehr sind sie Tanz- und Akrobatikkünstler.

In die Welt der Autorennen entführten das SSV Damenballett „Sparkling Girls“ (Trainerin Katrin Friedrich) das Publikum. Mit roten Lenkrädern und Bobbycars begaben sie sich in „rasante Kurven“ und boten dabei ebenso schnelle Tanzschritte. Am Ende hatten sie nicht nur das Rennen sondern auch die Herzen der Zuschauer gewonnen.

Die Wahrheit über die Schließung

Als „Dorfausscheller“ berichtete Siegfried Albert vom Ortsgeschehen. Er räumte unter anderem mit einem Gerücht über die Gründe für die Schließung des Campingplatzes auf. „Es lag nicht daran, dass die Camper den Feuerwehrleuten beim Wechseln der ’Ünnerhos’ zugeschaut haben.“ Zu vermelden hatte er auch etwas zur Warnung, die der Kindergarten Bettingen herausgegeben hatte. Als der Polizeihubschrauber über der Autobahn kreiste, vermutete man in der Einrichtung, dass sich ein bewaffneter Sexualstraftäter der Einrichtung nähere. Dazu hatte Albert einen wichtigen Hinweis: „Triebtäter sind selten mit dem Helikopter unterwegs.“ Natürlich ging der „Ausscheller“ auch auf den Wahlkampf und die Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl ausführlich ein.

In einem Sketch nahmen die Akteure das Publikum mit in einen Biergarten. Der Kellner spürte dort, dass es viel schwieriger ist, Getränkewünsche von Frauen zu erfüllen als jene von Männer. Die weiblichen Gäste brachten die Bedienung fast zur Verzweiflung.

Der zweite Teil des Abends startete mit der SSV-Hitparade. Zu bekannten Hits zeigten die Urpharer, in welch vielfältigen Bereichen sie sich ehrenamtlich engagieren und wie sie sonst den Tag verbringen.

Wolfgang Huskitsch von den „Prözler Dabbefänger“ ging in der Bütt auf den Unterschied zwischen Experten und Spezialisten ein. „Experte ist inzwischen ein Beruf.“ Egal was einer mache, Hauptsache er gelte als Experte. An die Jugend gewannt, betonte er: „Bachelor ist ein Studienabschluss – nichts bei RTL.“ Überhaupt habe sich seiner Meinung nach bei Berufsbezeichnungen und in der Arbeitswelt allgemein vieles geändert. Selbst zum Ableben brauche man den passenden Beruf, so könne ein Koch ganz leicht „den Löffel abgeben.“ Als Solotänzerin glänzte Christina Späth, Tanzmariechen der Steiner Schlossgeister.

„Alt werden ist nichts für Feiglinge“, war die Quintessenz der Büttenrednerin Christina Albert. „Ich war früher mal ein ganz heißer Feger, mich musste man sich nervlich erst mal leisten können.“ Heute brenne höchstens nur noch das Sodbrennen. „Ich wusste gar nicht, wie gut ich meine Sachen vor mir verstecken konnte“, beschrieb sie weitere Folgen des Alterns. Auch alle Versuche, das Altwerden aufzuhalten, blieben vergeblich. Alt sein habe jedoch auch Vorteile. „Meine Gelenke sind die beste Wetterstation.“ Im Sketch „Hotel“ erlebten die Zuschauer, was neulich im Wertheimer „Hilton“ passierte.

Als Camper aus Hessen glossierten die „Bergdohlen“ das Ortsgeschehen. Nach bekannten Melodien, wie Deep Purples „Smoke on the water“ besangen sie unter anderem die Schließung des Campingplatzes, den neuen Wertheimer Oberbürgermeister, die Schlaglöcher der Dorfstraße und die Auswirkungen des Dieselfahrverbots auf Traktoren.

Den krönenden Abschluss des Abends bildete der Auftritt des SSV Männerballetts, die „Don Promillos“ (Trainerin Vanessa Busch). Ihr Tanz zum Thema „Sternenhimmel – Die Liebe steht in den Sternen“ begeisterte am Ende alle Zuschauer.

Info: Weitere Bilder sind in einer Fotostrecke unter www.fnweb.de im Internet zu finden.