Wertheim

Amtsgericht: Freispruch

Untreue war nicht nachzuweisen

Archivartikel

Wertheim.In einer Verhandlung wegen Untreue (wir berichteten) war das Amtsgericht Wertheim nach der Beweisaufnahme von der Unschuld des angeklagten ehemaligen Autohändlers nicht überzeugt. So kam es zum Freispruch.

Der 42-Jährige hatte mit einem Verwandten in einem Wertheimer Ortsteil einen Autohandel betrieben. Beide waren in der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) Geschäftsführer. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit: An- und Verkauf hochpreisiger Autos.

Im August 2017 verkaufte der Angeklagte einen BMW 730 für 28 300 Euro gegen bar, zahlte das Geld aber nicht auf ein Geschäftskonto ein, sondern gab es seiner Frau. Schriftlich war das nicht nachvollziehbar, denn die Buchhaltung der GbR zeigte Lücken und Mängel. Das Steuerbüro hatte Probleme bei der Erfassung der Geschäftstätigkeit, und vom Prüfer des Finanzamts gab’s Kritik.

Mit anwaltlicher Hilfe begannen später die Geschäftsführer mit der außergerichtlichen Auflösung der GbR. Hauptpunkte: Wem gehört was? Wer bekommt was? Die Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen. Die Frage nach den 28 300 Euro blieb ungeklärt, und es kam zur Strafanzeige wegen Untreue.

Kredit gewährt

Jetzt in der Strafverhandlung trug der Beschuldigte zum ersten Mal vor, seine Frau habe der Firma 30 000 Euro Kredit in bar für den Ankauf eines Pkw gewährt, und er habe mit den 28 300 Euro den Kredit in bar zurückgezahlt. Der zweite Geschäftsführer konnte sich als Zeuge an keinem solchen Kredit erinnern.

Der Angeklagte bot die Ehefrau und einen Freund als Entlastungszeugen auf. Die Frau bestätigte den Vorgang. Laut dem Freund fragte bei einer Autofahrt nach Reutlingen im Wagen der Beschuldigte den zweiten Geschäftsführern: „Wann bekommt meine Frau ihr Geld zurück?“

Die Staatsanwaltschaft hielt beide Zeugen für unglaubwürdig und beantragte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten sowie eine Buße von 3000 Euro. Der Verteidiger betonte, der zweite Geschäftsführer habe den Kredit nicht ausschließen können und beantragte Freispruch.

Für das Gericht wirkte die Aussage der Ehefrau „nicht konstruiert“, und so entstanden die Zweifel an der Schuld des Angeklagten. goe