Wertheim

Bundeslandübergreifende Feuerwehrübung Die Freiwilligen Feuerwehren aus Dertingen und Homburg probten gemeinsam für den Ernstfall

Vermisste Kinder in Simulation aus Scheune gerettet

Dertingen.Die Freiwilligen Feuerwehren Dertingen und Homburg am Main waren am Montag bei einer gemeinsamen bundeslandübergreifenden Feuerwehrübung im Einsatz. Insgesamt wurde die Übung als äußerst positiv bewertet, lediglich kleinere Kritikpunkte wurden im Nachgang angesprochen. Bei der Simulation nahmen zwölf Feuerwehrleute aus Dertingen und 15 aus Homburg teil. Hinzu kamen fünf Nachwuchskräfte von der Jugendfeuerwehr.

Sicht mit Klebeband erschwert

Um 18.58 Uhr erfolgte die Sirenenalarmierung der Abteilung Dertingen durch die Leitstelle Bad Mergentheim. Angenommen wurde ein Gebäudebrand im Nebengebäude eines landwirtschaftlichen Anwesens in der Renztalstraße. Die Feuerwehr aus Homburg wurde um 19.04 Uhr zur Wasserförderung und Unterstützung bei der Brandbekämpfung durch die Leitstelle Würzburg nachalarmiert.

Während die Abteilung Dertingen mit ihrem Tragkraftspritzenfahrzeug die Wasserförderung aus der örtlichen Zisterne aufbaute, meldete eine Anwohnerin Kinder als vermisst. Daher wurde der erste Atemschutztrupp nur 17 Minuten nach Alarmierung zur Menschenrettung in die ehemaligen Stallungen befohlen.

Den Atemschutzträgern wurde zur Simulation der starken Rauchbildung die Sicht mit Klebeband auf ihren Atemschutzmasken erschwert. Nach sieben Minuten wurde die erste verletzte Person aus dem Gebäude gerettet. Nach ersten Befragungen der Verletzten ging man von insgesamt drei bis vier vermissten Kindern aus. Parallel wurde eine Riegelstellung zur Sicherung des angrenzenden Wohnhauses aufgebaut und die Wasserversorgung für einen weiteren Atemschutztrupp bereitgestellt.

Das Löschfahrzeug aus Homburg traf zwölf Minuten nach Alarmierung ein. Die Einweisung erfolgte per Handzeichen, da eine Kommunikation per Funk (Dertingen nutzt Analogfunk, Homburg Digitalfunk) nicht möglich war. Die Feuerwehrleute unterstützten umgehend beim Aufbau der Leitungen zur weiteren Brandbekämpfung. Eine Wasserversorgung für die Brandbekämpfung von außen und für den Innenangriff wurde ebenfalls gemeinschaftlich aufgebaut.

Da die Anzahl der vermissten Kinder weiter unklar war, wurde ein weiterer Atemschutztrupp aus Homburg zur Personenrettung ins Gebäude befohlen. Die Atemschutzüberwachung musste auf Grund der Funkdifferenzen getrennt erfolgen. Aus diesem Grund und aufgrund der beschränkten Anzahl an Analogfunkgeräten war eine Koordination der vier Abschnittsleiter, drei Atemschutztrupps, zwei Atemschutzüberwachungen und Einsatzleitung nur durch eine persönliche Kommunikation des Dertinger Einsatzleiters und dem Homburger Gruppenführer möglich.

Die Ablösung des ersten Atemschutztrupps wurde durch einen „gemischten“ Trupp von Kameraden aus Dertingen und Homburg gebildet.

Innerhalb von 20 Minuten wurden so vier Kinder aus den ehemaligen Stallungen und der angrenzenden Scheune gerettet. Neun Brandstellen meldete man durch den Innenangriff als gelöscht.

30 Minuten nach Alarmierung war die Wasserförderung von der Zisterne Homburg zu den Aussiedlerhöfen Dertingen aufgebaut. Mit Hilfe des Schlauchwagens der Homburger Feuerwehr wurden zirka 1000 Meter B-Schlauch verlegt und mehrere Schlauchbrücken aufgebaut. Aus der Zisterne Homburg wurde das Löschfahrzeug mit ausreichend Wasser versorgt.

Nach Befragung der Verletzten stellte sich heraus, dass noch eine weitere Person vermisst wurde. Erneut gingen zwei Atemschutztrupp zur Personenrettung in den Innenangriff vor. Drei Minuten später wurde ein fünftes Kind aus den Gebäuden gerettet. Um 19.48 Uhr wurde „Feuer aus“ gemeldet.

Homburgs Kommandant Torsten Gersitz und Dertingens stellvertreteneder Kommandant Martin Holzhäuser stellten heraus, dass die gegenseitige Unterstützung bei der Löschwasserversorgung gerade im Bereich der Aussiedlerhöfe mehr als unerlässlich sei. Eine sei Nachalarmierung daher zwingend notwendig. Die Unterstützung mit Atemschutzgeräteträgern sei vor allem bei der Menschenrettung ein zeitkritischer Punkt, der über eine ortsnahe Nachbarwehr abgedeckt werden kann.

Die standardisierten Alarm- und Einsatzpläne sollten daher durch die Verantwortlichen länderübergreifend geprüft werden. Die Kommunikationsprobleme durch den Einsatz von Analog- und Digitalfunk stellten dabei keine unüberwindbare Hürde dar. ffw