Wertheim

Ortschaftsrat Abschlussveranstaltung des Programms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“

Vielfältige Potenziale des Ortes nutzen

Bei der Abschlussveranstaltung des Programms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ wurden einige Potenziale in Sachsenhausen aufgezeigt.

Sachsenhausen. Franziska Klose von Büro Wegner Stadtplanung stellte am Donnerstag in der Turnhalle Sachsenhausen die Ergebnisse aus dem Programm vor. Gemeinsam mit Ortsvorsteher Udo Beck und Thomas Müller von der Stadtverwaltung freute sie sich über die rege und konstruktive Teilnahme der Bürger während des gesamten Verfahrens. Beck betonte einleitend: „ Wir haben unsere Arbeit damit getan, alles andere wird weiter oben entschieden.“

Im März hatte man bei der Auftaktveranstaltung erste Ideen gesammelt. „Es gab vieles, was ihnen gefällt, aber auch viele Wünsche“, erinnerte sich Klose. Schwerpunktthema beim Ortsrundgang im Juli war das Schaffen von Treffpunkten und Aufenthaltsbereichen im Ort. Dafür hatte man mehrere mögliche Stellen aufgezeigt.

Eine Sorgenstelle der Sachsenhäuser ist das leerstehende Haus der Ecke Schmiedgasse/Teilbachstraße, das eine Engstelle erzeugt. Es sorge für eine unübersichtliche Situation. Zwar bremse dies den Verkehr, biete aber auch Nachteile für die Fußgänger.

Weiteres Thema waren die Ortseingänge. Hier wünschte man sich Maßnahmen, um die Geschwindigkeit zu reduzieren. Insgesamt fünf Eigentümer nutzten die Möglichkeit der kostenlosen individuellen Bauberatung des Programms. Themen dabei waren das alte Milchhäusle, der Umbau einer Scheune zu Wohnraum, die Fassadengestaltung, sowie das Baurecht bei Abriss des Bestands und Neubau.

Bei der Befragung der Bürger via Fragebogen gab es mit 40 Prozent eine sehr gute Rücklaufquote. Gelobt wurden unter anderem die Angebote für Kinder, die Erreichbarkeit der Arbeitsplätze sowie die Erreichbarkeit der Einkaufsmöglichkeiten. Weniger gut schnitten die ÖPNV-Anbindung und die vorhandenen Infrastruktur ab. Mittelmäßig wurde die Attraktivität des Ortsbildes bewertet. Die Angaben zur Gebäudenutzung zeigten, dass die Eigennutzung die größte Gruppe ausmacht. Auch bei der Frage nach den Nutzungsabsichten in fünf bis zehn Jahren änderte sich daran nichts. Im Hinblick auf die Zukunft ging die Absicht der Modernisierung mit dem Wunsch zur Weitergabe innerhalb der Familie einher. „Ein gewisses Veränderungspotenzial ist gebäude- und anwesenbezogen vorhanden.“ Dies weise auch auf ein Interesse an der Nutzung von Förderprogrammen hin.

In den letzten zehn Jahren sei die Einwohnerzahl des Dorfes um rund sechs Prozent zurückgegangen, was dem Rückgang im Bereich der Gesamtstadt Wertheim entspricht. Allerdings hat sich die Einwohnerzahl Sachsenhausens seit 2011 mit kleinen Auf- und-ab-Bewegungen stabilisiert. Dies spreche für den Ort, denn viele Ortschaften kämpften mit sinkenden Werten. Das Durchschnittsalter im Dorf liegt mit 45,5 Jahren im gesamtdeutschen Durchschnitt. Allerdings sind fast 60 Prozent der Einwohner über 40 Jahre alt. Die jüngeren Bevölkerungsgruppen sind unterrepräsentiert.

Leerstände aktivieren

„In 20 Jahren ist eine deutliche Überalterung zu erwarten, wie in ganz Deutschland“, resümierte Klose. Die Zahl der Leerstände und Leerstandrisiken (alle Bewohner des Haushalts sind über 67 Jahre alt) liegt im Norden etwas höher als in der Mitte und im Süden. Dies sei ein Fingerzeig, in diesem Bereich genauer zu schauen. Aktuell bestehe theoretisch die Möglichkeit, vier Wohneinheiten in Leerständen zu aktivieren. Allerdings stehen die Gebäude weitestgehend nicht zum Verkauf.

Neben Wohnungen gibt es einen leerstehenden Laden, außerdem stellte man einige Gestaltungsmängel an Gebäuden fest. Als Mängel wurden zudem die Stichstraßen vor allem im Norden genannt. Sie weisen eine dichte, ältere und kleinteilige Bebauung auf.

Potenziale sah man in der sozialen Infrastruktur unter anderem mit dem Gasthaus. Weiterer Pluspunkt ist die Einbindung des Ortes in die Landschaft mit Gärten und Obstwiesen an den Rändern, sowie die Gärten und Bäumen im Dorf.

Geringe Möglichkeiten gebe es im Ort für die Nachverdichtung. In der Prognose für die Zeit in zehn Jahren ging das Büro von einem Überschuss von nur drei Wohneinheiten aus.

Die Empfehlung lautete, den Handlungsschwerpunkt auf die Innenentwicklung zu legen. Dazu gehört die Erhaltung des Ortsbildes an der Durchgangsstraße. Im Bereich der Halle und des Sportplatzes gebe es Platz für Freizeit und Erholung, die Wohngebiete liegen hauptsächlich im Osten und Westen.

Sanierungsziele

Als Sanierungsziele wurden genannt: Erhalt des Ortsbilds mit charakteristischen Gebäudemerkmalen, Erhalt, Umnutzung und Reaktivierung ortsprägender Bausubstanz, die Aktivierung von Brachflächen und Leerständen, eine weitere Begrünung im Ort und das Schaffen von Aufenthaltsbereichen, sowie die Reduzierung der Verkehrsgeschwindigkeit vor allem an den Ortseingängen.

Freiflächen schaffen

Treffpunkte könnte man einfach durch Aufstellen von Bänken oder aufwendiger zum Beispiel durch Gärtchen schaffen. Für die Engstelle an der Teilbachstraße gab es die Empfehlung, das Gebäude abzureißen und eine Freifläche mit Fußweg zu schaffen, eventuell mit kleiner Bebauung als Sichtbremse für die Autofahrer. Problematisch sei, dass die Stadt aktuell keine Vorkaufsrechtsatzung für den Ort habe und damit darauf angewiesen ist, dass die Erbengemeinschaft dieses Hauses es an die Kommune verkaufe. Ein weiterer Vorschlag des Büros Wegner war die Schaffung einer Aufenthaltsfläche beim Kindergarten in der Ortsmitte.