Wertheim

Von Freiluftnarren, Erdbeben und Wahlen

Archivartikel

So, jetzt haben wir also Frühling. Also meteorologisch. Seit gestern. Rein wettertechnisch hätte der Wechsel der Jahreszeiten vergangenes Wochenende allerdings besser gepasst. Aber man kann es sich halt nicht aussuchen. Auch die Freiluftnarren können einigermaßen zufrieden sein. Zwar taucht in den Vorhersagen für morgen und übermorgen häufiger das Wörtchen „unbeständig“ auf, als es ihnen lieb sein dürfte. Aber wie immer: Es hätte schlimmer kommen können. Schnee und Minusgrade sind bei den Ankündigungen jedenfalls zum Glück nicht dabei. Und dann ist sie schon wieder rum, die fünfte Jahreszeit. Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Für 250 Tage steht nüchterner Alltag im Vordergrund.

Wobei – warten wir es mal ab. Mit dem Ende der Faschingszeit rückt zunehmend der 26. Mai ins Blickfeld. Und spätestens seit dem Erdbeben bei der Oberbürgermeisterwahl – die liegt morgen übrigens genau einen Monat zurück – wird deutlich, dass sich die politische Szene in Wertheim in einem Umbruch zu befinden scheint, wie wir ihn an Main und Tauber schon lange nicht mehr erlebt haben. In der Zusammensetzung des Gemeinderats – und bei den Mehrheitsverhältnissen dort – könnte es zu deutlichen Veränderungen kommen.

Nicht nur, weil es womöglich eine weitere, neue Liste gibt, die um die Stimmen der Wähler buhlt. Es sind auch vier Sitze weniger im Gremium zu vergeben, als bisher. Die seinerzeit ohne Not beschlossene Verkleinerung des Gemeinderats schlägt jetzt durch. Und womöglich auf die zurück, die das damals maßgeblich initiiert haben. Es könnte der nächste große politische Irrtum bei der bislang stärksten Kraft an Main und Tauber werden. Ihre Kandidaten für Gemeinderats- und Kreistagswahlen hat die CDU ja schon sehr früh nominiert – zum Glück, sagen die einen; leider, die anderen.

Auch Bündnis 90/Die Grünen sind ja eigentlich schon durch. Allerdings stehen hier am 21. März noch Nachnominierungen an. Ob da auch Bewerber aus den Reihen des Nabu dabei sein werden? Einige Mitglieder des Naturschutzbundes wollen ja, Sie konnten es in dieser Zeitung lesen, künftig da mitreden, wo die Politik gemacht wird. Ein Entschluss, den man eigentlich nur begrüßen kann. Und der Rest? SPD, Freie Bürger, die neue, noch namenlose Liste, die FDP? Bei Letzteren ist der Beobachter skeptisch, ob die Liberalen etwas auf die Beine stellen können. Immerhin haben sie in der laufenden Wahlperiode ihre beiden bekanntesten Vertreter verloren.

Hinsichtlich der Sozialdemokraten dürfte die Spannung derzeit am größten sein. Immerhin befinden sie sich in einer Situation, die sie so seit Jahrzehnten schon nicht mehr erlebt haben. In die Kreistagswahl beispielsweise gehen sie mit einem dann amtierenden Oberbürgermeister als Spitzenkandidaten. Also voraussichtlich. Denn erstmal muss Markus Herrera Torrez ja noch nominiert werden. Aber das dürfte ja wohl nur Formsache sein. Auf jeden Fall: Bis zum Ende des gerade begonnenen Monats wissen wir, welches Angebot uns die Parteien und Gruppierungen machen.

Am 28. März, Punkt 18 Uhr, ist Einreichungsschluss für die Kandidatenvorschläge. Spätestens dann sollten sich die amtierenden Mandatsträger vielleicht wieder darauf besinnen, dass sie ja noch für einige Wochen gewählt sind. Und wofür. Nämlich, um Politik zu machen. Zwei interessante Äußerungen gab es am vergangenen Montag in der Gemeinderatssitzung. Die eine lautete sinngemäß, wir bekommen zum 1. Mai einen neuen Oberbürgermeister und der soll Akzente setzen. Die andere, wir als Gemeinderäte haben es die letzten zwei Jahre versäumt, eigene Akzente zu setzen.