Wertheim

Jazz im Arkadensaal Konzert zwischen Kunst und Unterhaltung / Publikum mitgerissen und eingebunden

Von New Orleans nach Wertheim

„Heye’s Society“ begeisterte am Mittwoch etwa 50 Zuschauer im Arkadensaal. Bandgründer Heye Villechner und seine fünf Mitstreiter sorgten für ein schwungvolles Musikerlebnis.

Wertheim. Sogar mit den Beatles stand er schon auf der Bühne, damals im Hamburger Star Club, als die berühmte Band noch Jazz-Songs coverte. Der inzwischen 81-jährige Heye Villechner ist Gründer, Organisator und Schlagzeuger der „Heye’s Society“,

„Wir mögen es, an Orten wie diesem zu spielen, klein, sympathisch und urtümlich“, freute sich Moderator Toni Ketterle, der auch für das Spielen der Trompete, beziehungsweise des Kornetts zuständig war und außerdem durch seine Zwischentexte immer wieder für Erheiterung sorgte. Etwa, wenn er erzählt, dass dereinst ein deutscher Steuerbeamter Kunst definiert hat: „Wenn das Publikum leise ist, ist es Kunst. Wenn es laut ist, ist es Unterhaltung.“

Mitreißende Melodien

Schwierig, hier die Veranstaltung unter dem Titel „Jazz-Klänge aus New Orleans und Chicago“ einzuordnen. Denn das Publikum war beides. Voll andächtiger Stille ob der Kunst, zum Beispiel beim Trauermarsch für Louis Armstrong „New Orleans Function“, als auch laut klatschend bei den mitreißenden Melodien wie „Creole Love Call“ oder mitsingend bei bekannten Stücken wie „Eh la bas“.

Die Ensemblemitglieder sangen selbst immer wieder leidenschaftlich, ob nun der Klarinettist Achim Bohlender oder Dr. Tino Rossmann am Klavier.

Erwin Gregg an der Posaune und Leopold Gmelch an der Tuba vervollständigten das in München beheimatete Sextett. Neben dem Musikgenuss erfuhr man einiges über die Geschichte des Jazz, untermalt von verschiedenen Bildern, die an die Leinwand geworfen wurden, etwa von der Jazz-Legende Louis Armstrong oder von Hoagy Carmichael, der Anwalt war und doch als Pianist mehr verdiente und später einen Oscar- für Filmmusik bekam. Von ihm präsentierten die Musiker „Georgia on my mind.“ Das Publikum wurde mitgerissen und eingebunden. Als die Musiker vom Geburtstag einer Zuhörerin erfuhren, erklang sogleich „Happy Birthday“. Oder Bohlender verkündete: „Wir singen das jetzt gemeinsam.“

Fischerin vom Bodensee

Der Bekanntheitsgrad der Stücke steigerte sich im Lauf des zweistündigen Konzerts. Konnte man bei „Sugar Foot Stomp“ und „Maple Leaf Rag“ noch neue Melodien entdecken, so wusste man spätestens bei „The Entertainer“, bekannt aus dem Film „Der Clou“, was man erwartet und konnte sich ganz auf die Interpretation der Combo konzentrieren.

Beim „Tiger Rag“ bauten die engagierten Bühnenkünstler gleich selbst eigene Melodien ein und so erklang plötzlich „Die Fischerin vom Bodensee.“

Mit „What a wonderful world“ und „Oh when the saints” als Zugabe verabschiedete die von der Stadt Wertheim eingeladene Gruppe eine beschwingte Zuhörerschaft.