Wertheim

Von Wasserratten und „Rattenfängern“

Ob denn im heutigen „Passiert, notiert, glossiert“ wieder etwas übers Wetter stehen würde, lautete eine Frage in der nun zu Ende gehenden Woche. Ja, warum denn nicht?

Wenn an dieser Stelle etwa darauf hingewiesen wird, dass jetzt am Wochenende die Freibadsaison beginnt, dann bietet es sich geradezu an, zu schreiben, dass sich darüber wohl alle Wasserenthusiasten freuen, aber wahrscheinlich bis weit in die nächste Woche hinein nur Hardcoreschwimmer den Sprung ins kühle Nass wagen werden.

Das wiederum aller Voraussicht nach nicht so kühl sein wird, wie die Temperaturen außerhalb. Immerhin, Sonnenschein, so heißt es, soll das Vergnügen begleiten.

Im kölschen Grundgesetz steht bekanntlich „Et hätt noch immer jot jejange“. Mit ähnlicher Gelassenheit kommentierten Zuständige den Deckenplattensturz im Beruflichen Schulzentrum.

„Es ist ja nichts passiert.“ Stimmt. Die Schüler, die bei dem vor einigen Wochen geschehenen und jetzt bekanntgewordenen Ereignis dabei waren, sind „mit dem Schrecken davongekommen“.

Aber halt, das klingt auch schon wieder dramatischer, als es in Wirklichkeit war. Immerhin ist da kein Betonteil unvermittelt aus dem „Schulhimmel“ gestürzt. Aber ein bisschen bedenklich ist es schon. Und – wenn es eines solchen überhaupt bedurft hat – ein Beleg dafür, dass es an der Zeit ist, an dem gut 40 Jahre alten Beruflichen Schulzentrum etwas zu tun.

Bis Markus Herrera Torrez 40 wird, dauert es noch eine ganze Weile. Er wäre dann sogar schon in seiner zweiten Amtszeit. Nur, um noch einmal zu verdeutlichen, was es heißt, Wertheim habe den – derzeit – jüngsten Oberbürgermeister Deutschlands.

Der hat jetzt immerhin schon die ersten zehn Tage im neuen Amt hinter sich. Und die hat er, nimmt man, was man so hört für bare Münze, gut bewältigt.

Besser jedenfalls, als so mancher erwartet oder befürchtet (vielleicht gar gehofft?) hat. Von wegen „jugendliches Alter“ oder „mangelnde Erfahrung“ oder was es für Bedenken mehr gegeben hat. Die Amtseinführung gestern vor einer Woche jedenfalls ist schon mal ein Stück weit in die Geschichte der Stadt eingegangen.

Die Stimmung war gut – bei manchen so gut, dass sie, nachdem die Main-Tauber-Halle längst geschlossen war, anderen Ortes noch bis tief in die Nacht hinein weitergefeiert haben.

Für die Leitung seiner ersten Gemeinderatssitzung bekam der Oberbürgermeister allgemein Lob und Anerkennung. Sogar von einigen, die ihm (partei-)politisch nicht nahestehen.

Das stimmt einen doch jetzt endgültig zuversichtlich, dass Wertheim wegen des Wechsels an der Spitze der Stadt nicht untergehen wird, oder?

Unterdessen hat der Kommunalwahlkampf an Schärfe gewonnen. Durch eine, nennen wir es einmal unbedachte, Äußerung des Vorsitzenden der CDU-Gemeinderatsfraktion, der in einer Wahlveranstaltung in Bestenheid von „Rattenfängern“, auf die man nicht hereinfallen solle, gesprochen hat. Hinterher hatte er seine liebe Mühe und Not, zu erklären, wen er damit gemeint haben will und wen eben nicht. Die Mitkandidaten auf „seiner“ Liste sind wohl, mindestens, peinlich berührt. Die Konkurrenten aus anderen Parteien und Gruppierungen haben die Steilvorlage natürlich dankbar auf- und Schlachter nicht abgenommen, dass er nicht auf sie gezielt haben will.

Das mit dem „neuen, starken Miteinander“ muss er wohl noch verinnerlichen.

Kehren wir noch einmal zurück zum Oberbürgermeister und jetzt zu seinem Coup, der ihm mit der Ankündigung eines Planungsstopps für die Verkehrslösung Vockenrot offensichtlich geglückt ist. Sie scheint zumindest ein wenig zur Beruhigung der Lage beigetragen haben, könnte man aus dem Verlauf der Sitzung des Stadtteilbeirates Reinhardshof schließen.

Emotional und sehr kritisch waren die Wortmeldungen, vor allem aus den Reihen der zahlreich anwesenden Vockenröter, zwar immer noch.

Aber man hat die Diskussion auch schon wesentlich schärfer erlebt. Allerdings dürfte sich, wenn die Planung dann, in welcher Form auch immer, einmal weitergetrieben und sogar umgesetzt wird, die Aussage von Baudezernent Armin Dattler als zutreffende Prophezeiung erweisen: „Das, was wir machen, ist natürlich immer falsch, wenn nicht das herauskommt, was Sie sich wünschen.“

Denn „jedem Recht getan ist eine Kunst, die niemand kann“. Auch der neue Wertheimer OB nicht.