Wertheim

Evangelische Kirchengemeinde Der Urpharer Theologe Rolf Schwab widmete einem kontroversen Thema den ersten Abend einer neuen Gesprächsreihe

Vor Gericht schwierig zu beweisen

Der Theologe und frühere Schuldekan Rolf Schwab beleuchtete einen Aspekt des christlichen Glaubens, der die Vorstellungskraft an die Grenzen bringt: die Auferstehung Jesu.

Urphar. Hebräische Bibel, griechische Urtexte, lateinische Übersetzungen: Buch um Buch reiht sich aneinander auf dem Tisch, hinter dem Rolf Schwab sitzt. Der Abend im Urpharer Gemeinderaum soll der Auftakt einer Reihe werden, die sich grundlegenden Aspekten des christlichen Glaubens widmet. „Es ist ein Pilotprojekt“, betont Schwab, der bis 2012 als Schuldekan im Kirchenbezirk Wertheim wirkte. Seit seinem Ruhestand nutzt der evangelische Theologe die Zeit, um in den Orient zu reisen, „um viele Bücher noch fertig zu lesen“ und nun auch für theologische Gesprächsabende in der evangelischen Kirchengemeinde Bettingen-Lindelbach-Urphar. So kiloschwer die „dicken Brocken“ wiegen, so gewichtig ist auch das erste Thema: die von Christen geglaubte Auferstehung Jesu von den Toten.

Weltverändernde Wirkkraft

„Hirngespinst oder Wirklichkeit?“, so spitzt Rolf Schwab die Frage zu der „Sache mit dem leeren Grab“ zu. „Wir Christen sind gefragt, ob wir uns da etwas Schönes vormachen und uns selbst betrügen“, erklärt er die Notwendigkeit, sich ernsthaft mit dem in der Bibel geschilderten Geschehen auseinanderzusetzen.

In wissenschaftlich fundierter, aber auch für Nichttheologen verständlicher Weise nimmt sich Schwab den vorhandenen „Beweismitteln“ an. Die weltverändernde Wirkkraft, die das Ereignis entfaltet hat, sei eines der stärksten Indizien für ein reales Geschehen.

In der begrenzten Zeit von zwei Stunden ist nicht alles in gleicher Tiefe zu behandeln. Denn eigentlich brauche es dafür ein ganzes Leben, so Schwab. Mindestens. Für die Gemeinde könne es des Weiteren nur von Vorteil sein, einen so versierten Theologen „greifbar“ zu haben, wie Pfarrerin Annegret Ade betonte.

Gerichtsfest seien die im Neuen Testament festgehaltenen Zeugnisse von Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus leider nicht, wie der Zuhörerin und Kirchenältesten Carolin Thies nicht entgeht. Sie muss es wissen, denn die 42–jährige ist Rechtsanwältin. „Ich kann die Zeugen ja nicht mehr befragen“, erklärt die Bettingerin. Hier komme man in den Bereich des Glaubens.

Nächster Abend im November

Manfred Korteneck fällt es nicht schwer, an die Auferstehung zu glauben. „Wir verstehen so vieles nicht“, sagt der 62-Jährige. Für den Maschinenbaumeister ist klar, „dass wir etwas Besseres nach diesem Leben erwarten können“, sagt er und fügt sogleich schmunzelnd hinzu: „Mir geht’s aber jetzt auch schon gut.“ Ihm ist es aber wichtig, ein Leben zu führen, von dem er am Ende beruhigt Rechenschaft ablegen könne.

Im November will, passend zum in diesem Monat gefeierten Ewigkeitssonntag, Rolf Schwab das Thema „Das ewige Leben“ behandeln. Eine Frage, die, so kann man interpretieren, Udo Lindenberg einem im Anschluss auf der Heimfahrt im Autoradio sogleich beantwortet: „Hinter’m Horizont geht’s weiter . . .“