Wertheim

Schlösschen Nachwuchstalent Gustav Borggrefe begeistert gemeinsam mit Professor Albrecht Hartmann das Wertheimer Publikum

Vor ihm liegt eine große Karriere

Archivartikel

Gustav Borggrefe öffnet das erste Türchen des Adventskalenders: Der junge Hornist begeisterte mit seinem Konzert im Schlösschen im Hofgarten das ausverkaufte Haus.

Wertheim. Vollkommen begeistert zeigte sich das Publikum von dem 15-jährigen Hornisten, der mit Klavierspielen im Alter von fünf Jahren anfing und mittlerweile ein Spitzenniveau erreicht hat.

Das Horn ist Gustav Borggrefe sozusagen in die Wiege gelegt worden, spielt seine Mutter doch als Solohornistin in der Staatskapelle Halle. Seine Mutter war es auch, die ihn am Horn ausgebildet hat. Seit dem vergangenen Jahr erhält der Schüler des Katholischen Elisabeth-Gymnasiums in Halle zusätzlich Unterricht von Professor Christian Lampert (Lugano/Plauen). Außerdem ist er dank der Jürgen-Ponto-Stiftung Stipendiat und seit dem Wintersemester 2018/19 Jungstudent an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart.

Herausragende Talente

Mit der Jürgen-Ponto-Stiftung kommt auch der Bezug zum Konzert im Schlösschen in Wertheim. Der ehemalige Direktor der Desdner Bank Helmut Arnold hat nach wie vor beste Beziehungen und so gelingt es der Kunststiftung Schlösschen im Hofgarten seit vielen Jahren, herausragende Nachwuchstalente für ein Konzert zu gewinnen. Seit fast 30 Jahren währt nun schon die Zusammenarbeit von Arnold mit Jörg Paczkowski, der die Konzertreihe einst im Grafschaftsmuseum begründet hatte und nach seiner Pensionierung ins Hofschlösschen mitnahm.

Die Einnahmen des Abends kommen der Hofschlösschen Stiftung zu Gute, denn neben der Jürgen-Ponto-Stiftung gab auch die Alfred-Prassek-Stiftung ihren Beitrag.

„Sie haben die erste Kerze auf dem Adventskranz für uns angezündet und sie brennt ganz hell und strahlt“, brach die Bewunderung im Anschluss an das Konzert aus Helmut Arnold heraus. Zusammen mit dem Publikum war er sich einig, dass man ein wirkliches Spitzenkonzert genossen hatte. Mit dazu beitrug sicher auch der 54-jährige Begleiter am Flügel, Professor Albrecht Hartmann, vom Musikinstitut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg . Er ist selbst ein ausgezeichneter Musiker und versteht es, die jungen Talente zu fördern. Hartmann ist begeistert von der Perfektion mit der Borggrefe bereits mit seinen jungen Jahren sogar die schwersten Stücke meisterhaft spielt. Borggrefe hat nicht umsonst, wie in den Jahren zuvor, den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Fach „Horn solo“ gewonnen, in diesem Jahr sogar mit der Höchstpunktzahl.

Voll des Lobes war nach dem Konzert auch Hartmann. Das Horn ist ein sehr schweres Instrument, denn man braucht ein großes Lungenvolumen. Es sei faszinierend, welch hohe Kunstfertigkeit Borggrefe schon erreicht hat. Er sagte ihm eine große Karriere voraus. „Bereits heute spielt er die schwersten Stücke mühelos“, fuhr Hartmann fort. Mit der dreisätzigen F-Dur-Sonate op. 17 von Ludwig van Beethoven, die der Komponist im Jahr 1800 geschrieben hatte, stellte Gustav Borggrefe das Lob des Professors sofort unter Beweis.

Doch auch beim 2. Satz der Sonate für Horn und Klavier in Es-Dur op. 178 von Joseph Rheinberger zeigte der Hornist sein ganzes Können., ebenso bei den „Thema und Variationen op.13 für Horn und Klavier“ von Franz Strauss. Der Münchner Hornist und Vater von Richard Strauss hatte ein Werk geschaffen, das den Wert eines Hornes als Soloinstrument ausführlich unter Beweis stellte.

Wie man mit zeitgenössischer Musik umgehen kann, bewiesen Borggrefe und Hartmann mit den Stücken von George Barboteu und Eugène Bozza. Beide Stücke standen am Ende der jeweiligen Vorträge und setzten einen Kontrapunkt zu den klassischen Stücken von Beethoven und Strauss.

Zwischendurch zeigte Albrecht Hartmann, dass er weit mehr ist als ein Begleiter am Klavier. Seine Interpretation der beiden Balladen von Fryderyk Chopin. Er driftete nicht in die Verspieltheit der Stücke ab, sondern setzte immer wieder Kontrapunkte mit seinem eigenen Stil.

Kein Wunder, dass das Publikum restlos begeistert war und nach einer Zugabe rief. Die fiel dann sehr weihnachtlich aus. Borggrefe sagte die 1. Kantate des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach und den „Klassiker“ „Tochter Zion“ von Georg Friedrich Händel an. Beide waren in Halle tätig und so schloss sich der Kreis für den jungen Hornisten.