Wertheim

Eltern im Heim Vortrag in den Bestenheider Stuben

Wann Kinder zahlen müssen

Archivartikel

Bestenheid.Wenn Eltern zum Pflegefall werden, ändert sich nicht nur der familiäre Alltag. Oft ist nur ein Teil der Kosten abgedeckt. So werden immer öfter die Kinder finanziell in die Pflicht genommen. Viele Betroffene sind hier verunsichert. Zum Vortrag „Das Wichtigste zum Elternunterhalt“ begrüßte Bereichsleiter Maximilian Braun zahlreiche Gäste in den Bestenheider Stuben. Rechtsanwalt Werner Nied aus Würzburg gilt als Spezialist für Familien- und Erbrecht und referierte über das komplexe Thema, wie die Veranstalter mitteilen.

Pflegeheime kosten Geld. Oft sind die monatlichen Kosten höher als die monatliche Rente und das von der Pflegeversicherung ausbezahlte Pflegegeld. Was aber passiert, wenn Rente und Pflegeversicherung nicht ausreichen, um die Heimkosten zu decken? Zunächst übernimmt der Staat die Kosten, die Sozialämter allerdings verlangen einen Teil der Kosten von den unterhaltspflichtigen Kindern zurück. „Dies geschieht immer häufiger“, sagt Werner Nied, „weil die Menschen immer älter werden und deshalb die Pflegebedürftigkeit zunimmt“. Kinder sind gesetzlich verpflichtet, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten für den Unterhalt der Eltern zu sorgen.

Ob Kinder tatsächlich Elternunterhalt zahlen müssen, hängt von deren Einkommen und Vermögen ab. Vom bereinigten Nettoeinkommen wird nach der Düsseldorfer Tabelle 2018 ein Selbstbehalt von mindestens 1800 Euro abgezogen. Kinder müssen auch auf das eigene Vermögen zurückgreifen, um den Unterhalt an die Eltern zu zahlen. Wie hoch der Betrag ist, hängt von vielen Faktoren ab. Seit dem 1. April 2017 steht dem Pflegebewohner und auch dem Ehegatten ein sogenannter Schonbetrag von jeweils 5000 Euro zu. Zum Schonvermögen gehört auch das Haus oder die Eigentumswohnung, in dem der Ehegatte lebt. Anders ist es, wenn der Ehegatte verstirbt und das Eigentum leer steht. In diesem Fall handelt es sich nicht um ein Schonvermögen.

Oft bestehen bei diesem Thema Unsicherheiten, so Nied. Er werde häufig mit Fragen konfrontiert, wie etwa: „Muss ich jetzt mein Haus verkaufen, damit meine Mutter im Pflegeheim bleiben kann?“ oder „Haften auch meine Geschwister für den Unterhalt der Eltern?“ Auch für andere Vermögenswerte wie Ersparnisse oder Lebensversicherungen gibt es laut dem Rechtsanwalt Freibeträge – aber keine festen Zahlen. „Alles hängt vom Einzelfall ab.“

Bevor der zuständige Sozialhilfeträger die fehlenden Pflegeheimkosten übernimmt, prüft dieser, ob der Betroffene als auch sein Ehegatte Vermögen hat, das die oben genannten Freibeträge überschreitet. Wenn dies nicht der Fall ist, übernimmt der Sozialhilfeträger die fehlenden Heimkosten und prüft, ob er bei den Kindern Regress nehmen kann. Ob und welches Einkommen oder Vermögen den Kindern verbleiben darf, wird individuell berechnet.

Generell lässt sich zum „Elternunterhalt“ festhalten, dass man sich professionell beraten lassen sollte, wenn man Unterhalt für einen Pflegebedürftigen leisten muss. Es handelt sich um ein komplexes Thema. Die Veranstaltung gehörte zu der Vortragsreihe, die der Beratungsdienst „Geld und Haushalt“ der Sparkassen-Finanzgruppe bundesweit anbietet. pm