Wertheim

VHS-Film Trauma der NS-Zeit als Inspiration

Weg zum künstlerischen Ich

Wertheim.Der Film der Wertheimer VHS erzählt heute um 18.30 Uhr und am morgigen Mittwoch um 19.30 Uhr im Roxy-Kino unter dem Titel „Werk ohne Autor“ die Geschichte eines jungen, aufstrebenden Künstlers, der sein persönliches Trauma der NS-Zeit als Inspiration nutzt.

Kurt ist noch klein, als seine Tante Elli aufgrund einer psychischen Erkrankung von den Nazis abtransportiert und ermordet wird. Für den ernsten Jungen war Elli die einzige Person, die seine künstlerische Begabung gefördert hat. Als er während seiner Ausbildung eine junge Frau kennenlernt, kann Kurt nicht wissen, dass ihr Vater – der bald sein Schwiegervater werden soll – mit seiner Tante in schicksalhafter Verbindung steht. Doch er spürt, dass irgendetwas nicht stimmt.

Er nutzt das Gefühl des permanent über ihm schwebenden Unheils als Inspiration für seine Kunst. Der neue Film von Florian Henckel von Donnersmarck liefert von der ersten Minute an große und dramatische Bilder. Ganz leise aber beginnt die Geschichte des kunstbegabten Kurt Barnert, der als kleiner Junge mit dem schweren Trauma der NS-Zeit konfrontiert wird und genau daraus in seinem späteren Schaffen inspirierende Kraft schöpfen kann. Das mitreißende Künstlerepos und spannungsgeladene Drama nimmt den Zuschauer dank seiner klugen Geschichte, seiner reflektierenden Dialoge und der gefühlvollen Musik mit auf eine spannende Reise in ein Künstlerleben und erzählt auch von den schrecklichen Verbrechen des NS-Regimes.

Kraftvoll und sensibel

Das Ensemble ist glänzend besetzt. Paula Beer als Kurts Ehefrau, Saskia Rosendahl als Tante Elli und Sebastian Koch als ehemaliger NS-Arzt, der seine Vergangenheit mit sich herumträgt und am Ende mit seiner Lebenslüge konfrontiert wird. Ganz nah ist die vorzügliche Kamera von Caleb Deschanel an der Figur des Kurt, den Tom Schilling kraftvoll und doch sensibel spielt. Die Stimme ist ruhig und fast schon zart, doch die ganze Kraft seines Charakters zeigt sich in den Szenen, in denen Kurt seine Kunst auslebt. Hier stehen nur er und sein Schaffen im Zentrum - und auch deswegen ist „Werk ohne Autor“ nicht nur ein Film über einen Künstler. Es ist ein Film über die Kunst. Über ihre Kraft, ihre Macht, ihren Zauber und ihre Poesie. Der als „besonders wertvoll“ bezeichnete Film ist frei ab zwölf Jahren. dfv