Wertheim

Rotkreuzklinik Zwei afghanische Jungen litten an einer Knochenentzündung im Oberschenkel und wurden erfolgreich vom Chefarzt der Orthopädie, Dr. Stephan Vögeli, behandelt

Weitgehend gesund zurück in die Heimat

Reinhardshof.Für Mohammad und Karim ist das heute schon ein besonderer Tag. Ihr zweiter Aufenthalt in der Wertheimer Rotkreuzklinik am Reinhardshof geht zu Ende, sie reisen wieder in das Friedensdorf in Oberhausen. Mitte August sollen die beiden Jungs zurückkehren in ihre Heimat Afghanistan. Ein halbes Jahr lang werden sie dann von ihren Familien getrennt gewesen sein.

Prächtig erholt

An Aschermittwoch waren den neunjährige Mohammad und der zwei Jahre jüngere Karim – ihre Namen sind zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte geändert – mit einem von der Hilfsorganisation „Friedensdorf international“ organisierten Flug von Kabul aus nach Düsseldorf und dann weiter in die Rotkreuzklinik nach Wertheim gebracht worden, wo sie in die Obhut von Dr. Stephan Vögeli kamen. Die beiden Jungs litten jeweils an einer Knochenentzündung im rechten Oberschenkel, wobei der Jüngere deutlich schlimmer davon betroffen war. „Es sind Krankheitsbilder, wie man sie in Deutschland gar nicht mehr zu sehen bekommt. Für Mohammad und Karim hätten sie aber über kurz oder lang zum Tode geführt“, hatte der Mediziner bei einem ersten Pressegespräch vor einigen Wochen erläutert (wir berichteten).

Davon ist nun kaum noch etwas zu sehen, vor allem der Ältere hat sich prächtig erholt. „Er läuft, ist topfit, sogar ein paar Zentimeter gewachsen und hat eine super Prognose“, freut sich der Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie. Auch bei Karim ist der eigentliche Eingriff komplikationslos verlaufen. „Die Entzündung ist kuriert, alles entzündliche Material entfernt.“ Da der Junge aber schon seit seinem dritten Lebensjahr an der Krankheit litt und in seiner Heimat kaum adäquat behandelt werden konnte, war der Zerstörungsprozess schon weiter fortgeschritten. „Das Bein wird wahrscheinlich nicht mehr weiter wachsen“, stellt der Chirurg fest.

Zudem hatte Karim auch noch Pech und hat sich bei einem Unfall im Friedensdorf beim Spielen den linken Oberarm und den – kranken – rechten Oberschenkel gebrochen. Deshalb war der Aufenthalt in Oberhausen auch verkürzt worden.

Für Marcus Plaschke, Geschäftsführer der Rotkreuzklinik, war es gleichwohl keine Frage, dass auch die Brüche in Wertheim behandelt werden würden. Und immerhin: „Mit Hilfe von Gehstützen kann Karim jetzt alleine zur Toilette. Früher musste er getragen werden“, berichtet Betreuer und Dolmetscher Temur Yusufi von deutlichen Fortschritten. Es sei „toll, dass die Kinder nun bald, weitgehend gesund, wieder nach Hause zurückkehren können“. Darin sind sich alle am Pressegespräch Beteiligten einig. Nicht zuletzt Mohammad und Karim selbst. Denn das Heimweh war schon groß.

Dem Chefarzt ist es noch wichtig, allen zu danken, die dazu beigetragen haben. Auch und gerade der Medizinindustrie. „Sonst kriegt die ja meistens Schelte. Hier aber war sie richtig großzügig“, lässt er erkennen, dass die Behandlung keine billige war. „Auf viele Schultern verteilt lässt es sich leichter tragen.“