Wertheim

"Meisterkonzert im Schlösschen" Die Cellisten David Geringas und Joel Blido begeisterten die Zuhörer

Weltklasse-Musiker und Kompositionen

Hofgarten.Zu einem ganz besonderen "Meisterkonzert im Schlösschen" hatte der Kulturkreis Wertheim am Freitag eingeladen: Weltklasse-Cellist David Geringas und sein 19-jähriger Meisterschüler Joel Blido faszinierten die Zuhörer im ausverkauften Hofgartenschlösschen mit Duetten und Solowerken total unterschiedlicher, teils abenteuerlicher Ausprägung.

Konventionell begann die Programmfolge. Joseph Haydns D-Dur-Duett stimmte die Zuhörer mit einem gesanglich geprägten Moderato in die wohltuende Klangwelt des Cellos als dem wohl typischsten aller Kammermusik-Instrumente ein.

Gute 250 Jahre alt ist das ehrwürdige Instrument, von dem David Geringas sagt: "Meine Giovanni Battista Guadagnini von 1761 (. . .) ist meine zweite Haut, mein Klang, mein Weg und mein Leben". Dieses unabdingbare, innige Verhältnis konnte man spüren und in den zwei Konzertstunden auch ein Stück weit nachvollziehen, nicht nur beim schwungvollen Menuett, dem getragenen Adagio, sondern besonders bei dem hochvirtuosen, trotzdem filigranen, völlig unaufdringlichen Presto und dem energischen, fast volkstümlichen Finale.

Staunendes Bewundern

Das staunende Bewundern über den souveränen, vollendeten Umgang mit dem Instrument, aber auch die eindrucksvoll komponierte Musik des großen Komponisten an der Grenze von Altklassik zur Frühromantik bestimmte die Programmfolge auch weiterhin.

Joel Blido spielte einige Sätze aus der berühmten, aber von Cellisten auch gefürchteten 6. Suite BWV 1012 in D-Dur von Johann Sebastian Bach. Wegen des schwierigen vollgriffigen mehrstimmigen Spiels eigentlich für fünfsaitiges Cello gedacht.

Auf das konzertante Prelude folgte die von langen Kantilenen bestimmte, besinnliche Allemande und die mit mehrstimmigen Passagen durchsetzte Gigue mit virtuosem Schluss.

Das Duo "Nukkemestari" (Puppenmeister) von Evgeny Roytman (geboren 1960) vereinigt viele Impressionen unter dem Titel "Finnischer Tango". So erläuterte Arrangeur und Interpret David Geringas augenzwinkernd den Werdegang der eigentlich vierstimmigen Auftragskomposition und seines Komponisten, der in der Ukraine geboren und in Petersburg ausgebildet sei. Die Fassung des Abends sei von David Geringas und "wir spielen fast die ganze Version".

Von behäbig und sonor dahinschreitenden Akkorden über rhythmische Volkstanzklänge, schwungvoll wiegende bis swingend-lockere Glissandi bis hin zu fein dahingehauchten Flageolett-Tönen erklangen wohl alle auf einem Cello möglichen Klangvariationen, die verschiedene Theaterpuppen beschreiben sollten.

Uraufführung

Nach der Pause ging die Folge von ungewöhnlichen Zusammenstellungen aus Melodie, Rhythmus und (Dis-)harmonien weiter. Joel Blidos Komposition "The Unseen Moon", die er seinem Lehrer und Mentor David Geringas gewidmet hatte, sei "extra für das heutige Konzert geschrieben".

Künstler seien, so Blido, auch beim Reproduzieren vorhandener Werke immer kreativ, jedoch immer im Bestreben, "möglichst genau zu spielen, was der Komponist gewollt hätte". Bei einer eigenen Komposition könne man weit mehr kreativ sein und seine individuellen Vorstellungen passgenau verwirklichen. Dass ihm dies in bewundernswerter Weise gelungen war, zeigte nicht nur das Publikum mit begeistertem Applaus, sondern bewiesen auch die anerkennenden Gesten und Blicke seines weltweit erfahrenen Duo-Partners.

Ein besonderes Anliegen des in Vilnius, der Hauptstadt Litauens, geborenen Weltklassemusikers ist es, die besonders geprägte Musik seiner Heimat bekannt zu machen und zu fördern. Wer die weiten, unberührten Landschaften und die über Jahrhunderte kulturell geprägten Altstädte Litauens kennt, kann manches davon in der Musik litauischer Künstler wiederfinden, wenn auch die Umsetzung der Partituren meist von erheblichem Schwierigkeitsgrad geprägt ist.

Anspruchsvolle Kompositionen

Peteris Vasks (geboren 1946) wurde in Lettland geboren, studierte aber Kontrabass an der litauischen Musikakademie in Vilnius. Seine anspruchsvollen Kompositionen gehören zu den weltweit am meisten gespielten Werken. Moderne Kontraste extremer Art - aber nur so sind es echte Kontraste - beanspruchten bei "Gramata cellam" die Aufmerksamkeit der Zuhörer: Ungewohnt-ungemütlich und exotisch-aufregend prasselten scharfe Rhythmen auf flirrende Sphärenklänge und wechselten sich lang ausgehaltene Klagelaute mit Silben der Singstimme überraschend durchsetzt mit hauchig verhallenden Pianissimotrillern ab. Der Schlusston war erst wirklich zu Ende, als die eigentlich leisen Umweltgeräusche draußen im Park und auf der Straße langsam und in stufenlosem Übergang die Oberhand gewannen.

Gioachinos Rossinis Duett in drei Sätzen rundete das Programm konventionell, aber nicht weniger anspruchsvoll ab. Mitreißende Tonleitern, erfrischende Tempi in mozartscher Leichtigkeit kennzeichneten die schnellen Sätze, genüsslich zelebrierte Ritardandi das schwelgende Andante Molto, das von David Geringas vollendet dargeboten wurde, während Joel Blido das Bassfundament mit sanftem Pizzikato daruntersetzte.

Zwei lockere, humorvoll moderierte Zugaben, Applaus der Zuhörer im Stehen und begeisterte Unterhaltungen auf dem Nachhauseweg rundeten den Konzertabend im Schlösschen als besonderen und nachhaltigen Höhepunkt im kulturellen Leben Wertheims ab.