Wertheim

„Mass of the Children“ Stiftskirchenchor, Jugendchor und Instrumentalensemble Würzburg traten mit den Solisten Amelie Petrich und Marcel Brunner in der Stiftskirche auf

Wendepunkte eines Lebens musikalisch beschrieben

Wertheim.John Rutter ist unbestritten einer der bedeutendsten lebenden Komponisten mit Schwerpunkt Kirchenmusik. Nicht umsonst wird er bei dem im Juli stattfindenden 31. Festival der Europäischen Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd eine besondere Ehrung erfahren. Einige Wertheimer Chorsängerinnen werden dort unter Leitung Rutters in einem Auswahlchor an dem Festkonzert teilnehmen.

Am Sonntag sangen sie, zusammen mit dem gesamten Stiftskirchenchor und dem Jugendchor der Stiftskirche, eines seiner bekanntesten Werke, die „Mass of the Children“, hoch motiviert und bestens vorbereitet durch Bezirkskantorin Katharina Wulzinger mit ihren Assistenten Eberhard Feucht (Stimmproben) und Nickolay Leshchenko (Korrepetition).

Professionell und hochkarätig

Auch die orchestrale Unterstützung war professionell und hochkarätig: Das Instrumentalensemble Würzburg hatte von Flöte bis Harfe und von Horn bis Kontrabass vielfältige Instrumente parat, um Rutters Ansprüche hinsichtlich effektvoller Klangzusammenstellungen immer wieder eindrucksvoll darzustellen. Die Solisten Amelie Petrich (Sopran) und Marcel Brunner (Bariton) waren Vervollkommnung und Krönung des mehrchörigen Gesangs. In einer Art „Missa brevis“ beschreibt die „Mass of the Children“ einen Tagesablauf oder, im übertragenen Sinn, die Wendepunkte eines Lebens.

Hohe Anforderungen

Musicalklänge, eingängige rhythmische Tänze, aber auch besinnliche, choralartige Passagen begeisterten durch ihre meist populäre Harmonik, die allerdings an den Chor erheblich höhere Anforderungen stellte als an das entspannt zuhörende und genießende Publikum. Ein gelungenes Wagnis war die erstaunlich synchron unterstützende Orgel mit Ronald Peter an den Manualen. So war das ganze Gotteshaus erfüllt von Klängen nicht nur aus dem Chorraum, sondern allumfassend und ganzheitlich zu erfahren.

Mit dieser Intention hatten auch Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Josef Gabriel Rheinberger ihre Kompositionen verfasst, die man der „Mass of the Children“ vorangestellt hatte. Solisten, Chöre und Orgel präsentierten hochkarätige Auszüge aus berühmten Werken wie der Hymne „Hör mein Bitten“ von Mendelssohn oder die Hymne „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ für Frauenchor, Harfe und Orgel von Josef Gabriel Rheinberger.

Für intensiveres Verstehen der gefühlvollen Melodien sorgte Pfarrerin Dr. Verena Mätzke, die die lateinischen und englischen Texte zuvor in deutscher Sprache rezitierte.

Ein Höhepunkt war für viele Zuhörer sicherlich der kunstvolle Kanon „Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort“ von Kurt Enßle, dem Komponisten des Singspiels „Geheimnis der Kathedrale“. Der Jugendchor der Stiftskirche hatte sich in vier Gruppen zu je drei oder vier Sängern auf den Emporen verteilt, um im wirkungsvollen vierchörigen Stil Monteverdis zu faszinieren und zu begeistern.

Mit Bedacht ausgewählt

Die Solo-Orgelstücke hatte Ronald Peter mit Bedacht ausgesucht; sie verbanden und bereicherten das Programm aus Werken der Moderne und der Romantik und stellten alle Stilmittel vor, die in der folgenden „Mass of the Children“ noch einmal so prägnant zur Geltung kamen.

Bei allen energischen Wendungen und klanglichen Finessen ging das „Agnus Dei“ schließlich ruhig und besinnlich zu Ende.

Erst als Katharina Wulzinger langsam den Taktstock auf das Pult gelegt hatte, löste sich die Spannung, die Chor, Instrumentalisten und Publikum eineinhalb Stunden lang verbunden hatte, und ein lang anhaltender, dankbarer Applaus erfüllte das Kirchenschiff. rl