Wertheim

Badische Landesbühne Schauspieler bringen Zuschauer mit der „Der nackte Wahnsinn“ zum herzlichen Lachen / Eigentliche Handlung gerät in den Hintergrund

Wenn alles schief geht. . .

Ihr Talent für Slapstick und pantomimisches Spiel haben die Ensemble-Mitglieder der Badischen Landesbühne am Dienstag bewiesen.

Wertheim. Sicher haben sich viele regelmäßige Besucher der Badischen Landesbühne schon gefragt, wie es bei dem Tourneetheater bei den Proben und hinter der Bühne zugeht.

Eine Vorstellung davon bekam man bei der Aufführung von „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn aus dem Jahr 1982. Allerdings kann man dem engagierten Ensemble nur wünschen, dass es bei ihnen nicht wirklich so zugeht wie bei dem englischen Tourneetheater, das sie mimten. Mit dessen Eskapaden und Missgeschicken brachten die Schauspieler die Zuhörer herzlich zum Lachen. Und bewiesen dabei ihr Talent für Slapstick und pantomimisches Spiel.

„Chaos lässt sich nur beherrschen durch fast militärische Disziplin aller Beteiligten“, meinte Regisseur Arne Retzlaff. Und das merkte man dem Ensemble auf der Bühne an: Jedes Missgeschick, jeder Stolperer war genau getimet. Trotzdem erahnt man als Zuschauer, dass die Proben sicher auch viel Spaß gemacht hatten.

Und zwar deutlich mehr als denen, in deren Rollen die Bruchsaler schlüpften. Zunächst steigen wir in deren Generalprobe ein, die zum Leidwesen von Regisseur Lloyd Dallas (Markus Hennes) immer wieder unterbrochen werden muss. Da sucht die überkandidelt in höchsten Tönen spielende Brooke (Sina Weiß) ihre Kontaktlinsen und Philip (David Meyer) untersucht jede Regieanweisung auf Logik. Derweilen kämpft Dotty (Evelyn Nagel) damit, wann sie die Sardinen auf- und abtragen muss. Kein Wunder, dass sie irgendwann als glitschige Stolperfalle auf dem Boden landen.

Und ob der stets betrunkene Selsdon (Hannes Höchsmann), der den Einbrecher gibt, überhaupt auftaucht, bleibt fraglich. Verzweifelt versuchen die beiden Assistenten hinter der Bühne, Poppy (Elena Weber) und Tim (Tobias Korn), das Chaos in Grenzen zu halten.

Die diversen Liebschaften der Schauspieler untereinander, etwa zwischen Frederick (David Meyer) und der wesentlich älteren Belinda (Cornelia Heilmann) oder des Regisseurs zu gleich mehreren Damen hemmen die Produktion zusätzlich

Das im Stück zur Aufführung kommende Stück spielt in einem alten Landhaus, in dem sich mehrere Menschen nicht begegnen wollen. Die eigentliche Handlung gerät aber in den Hintergrund und dient nur als Basis, den exzentrischen Theatermenschen über die Schulter zu schauen.

Ein besonderes Lob gilt hier den fleißige Helfern im Hintergrund, denn Bühnenbild, Kostüme und Beleuchtung schafften das richtige Ambiente, besonders, als sich die Bühne in der Pause drehte und man den Raum hinter dem Theaterraum sah. Hier geht es nun endgültig zur Sache, mit Feindschaften, Dreiecksverhältnissen, Alkohol, einer Schwangerschaft, einem Kaktus und einer Axt, die eigentlich Bühnenrequisit sein sollte, aber nun ganz anderen Zwecken dient.

Ramponierte Bühne

Der dritte Teil spielt am Ende der Tournee auf einer nun schon sehr ramponierten Bühne, mit Akteuren, die irgendwie versuchen, die Fassade für das Publikum aufrecht zu erhalten. Da blieb kein Stein auf dem anderen und kein Auge trocken.

Ein Stück über das Einüben und Aufführen eines Stückes, das auch noch eine eigene Handlung hat. Der Zuschauer musste immer wieder blitzschnell zwischen den Ebenen umschalten – oder sich einfach zurücklehnen, genießen und herzlichst lachen. Dass dieses Ziel erreicht wurde, dies bewies neben den Lachsalven aus dem Zuschauerraum der lang anhaltende Applaus, als die Schauspieler spielenden Schauspieler am Ende wieder sie selbst wurden und sich vor dem Publikum verbeugten.