Wertheim

Wiedereröffnung Eisenhammermuseum neu ausgerichtet / Kurtz-Ersa-Firmengeschichte begann vor 240 Jahren / Museum besteht seit fünf Jahren

Wenn die Glocke an der Decke läutet

Zum fünfjährigen Bestehen renovierte die Firma Kurtz Ersa ihren Museumsbereich in Hasloch und passte Ausstellungsstücke sowie Texte an die heutige Zeit an.

Hasloch. Gleich zwei Jubiläen gäbe es in diesem Jahr zu feiern, so Rainer Kurtz, Vorsitzender der Geschäftsführung des Kurtz Ersa Konzerns, bei der Begrüßung der Gäste im Eisenhammermuseum Hasloch.

Hier im Spessart begann die Erfolgsgeschichte der Firma vor 240 Jahren mit einem wassergetriebenen Eisenhammer, der heiße Metalle verformen konnte. Und vor fünf Jahren wurde das Eisenhammermuseum in den Räumen der ehemaligen Modellbauer eröffnet. Die alte Werkhalle lässt noch erahnen, welche große Gewichte hier bewegt wurden, immerhin hat man den Schwerlastkran an der Decke erhalten können. Im Museum selbst geht es um Metallverformung, Metallgießen und auch um Hightech. Denn das Unternehmen hat sich in den vergangenen 240 Jahren weiter entwickelt und es zu einem Weltmarktführer gebracht.

Im renovierten Museum wurden nun viele Fehler behoben und die Ausstellungsstücke neu arrangiert. Außerdem hielten moderne Medien Einzug. So bekommt der Besucher nun einen kompletten Überblick über die Geschichte der Metallverformung und besonders über den historischen Eisenhammer.

Spende übergeben

Dieser ist im Hauptgebäude noch voll funktionsfähig und jedes Jahr Treffpunkt des deutschen Schmiedenachwuchs. In diesem Jahr wurde unter den Schmieden für die Aktion Regenbogen gesammelt, die sich um krebskranke Kinder kümmert. Mit einer Spende der Firma kamen so 1190 Euro zusammen, die Michael Bannwarth für den Verein entgegennahm.

„Es müsste dieses Mal korrekter sein, als vor fünf Jahren“, kam Rainer Kurtz wieder auf die Ausstellung zurück. Bei der Neukonzeption wurden neue Erkenntnisse über die Firmengeschichte und auch geschichtliche Hintergründe neu aufgearbeitet. Hierfür dankte Kurtz seinen Mitarbeitern, die sich auch bei den technischen Mitmachexponaten eingebracht hatten. So gibt es eine Kraftmessanlage, ähnlich wie auf dem Rummel: „haut den Lukas“, der zeigen soll, mit welcher Kraft der Eisenhammer auf das Werkstück herunter saust.

Bis weit in die 80er Jahre war der Eisenhammer noch in der Produktion rentabel und produzierte Klöppel für Kirchenglocken. Die müssen wegen des Abriebs alle 20 Jahre erneuert werden. Kurtz Ersa produzierte für den gesamten europäischen Markt.

Auch die dunkleren Seiten der Geschichte werden beleuchtet, wie die Zeit im dritten Reich, als viele Zwangsarbeiter bei der Firma beschäftigt waren. Doch anders als viele andere Arbeitgeber behandelte Kurtz seine Mitarbeiter gut, wie verschiedene Schriftstücke belegen.

Ein Wunsch

„Jetzt wollen wir aber erstmal feiern“, lud Rainer Kurtz die Gäste ein. In Erinnerung an die glorreiche Glockenschwengel-Zeit hängt an der Decke des Museums eine Glocke, die vor fünf Jahren geweiht wurde. Und wenn die erklingt, darf man sich etwas wünschen, das dann auch in Erfüllung geht. Kurtz ließ die Glocke läuten und jeder hatte so seinen eigenen Wunsch, den er erfüllt haben wollte.

Zur Unterhaltung spielte an diesem Abend „Heye´s Society“. Die sechs Jazzmusiker um Schlagzeuger Heye Villechner wollten eigentlich 2018 ihre Karriere beenden, doch auf Wunsch vieler Fans spielen sie noch ein paar wenige Konzerte in Europa. Die Musiker verstanden es schnell, das Publikum zu begeistern. Und so wurde die Wiedereröffnung der Ausstellung für viele Gäste zum besonderen Höhepunkt.