Wertheim

Kochbuch Flüchtlingshilfeverein „Willkommen in Wertheim“ gibt E-Book mit internationalen Gerichten heraus / Eigenständige Initiative der anerkannten Flüchtlinge

Wenn in der Küche Multikulti herrscht

Der Verein „Willkommen in Wertheim“ stellte jetzt das Projekt des ersten internationalen Wertheimer Kochbuchs als E-Book vor.

Wartberg. Kennen Sie die Braut der syrischen Küche „Kebali“, kenianisches Fladenbrot oder das mit Dattelpaste gefüllte Mürbegebäck „Maamoul“? Bei einem „Nein“ empfiehlt sich der Blick in das neue E-Book, welches der Verein „Willkommen in Wertheim“ in Kürze herausbringen wird.

Bei einem Probeessen im Gemeindezentrum auf dem Wartberg konnten sich die fleißigen Köchinnen aus Syrien, Afghanistan, Kenia, Bosnien und Deutschland mit ihren Gerichten präsentieren. Sie hatten teilweise tagelang zu Hause die Köstlichkeiten aus ihrer Heimat vorbereitet und beim Treffen mit den Patenbetreuern gab es ein multikulturelles Buffet.

Deutlich wurde dabei die Vielfalt der internationalen Küche. „Toll, was man auch ohne Fleisch für wunderbare Gerichte machen kann“, bekannte ein Pate sofort begeistert. Egal ob syrische Linsensuppe oder das auch bei uns schon geläufige Hummus oder der leckere Salat „Taboula“, alle Gerichte sind nach altem Familienrezept entstanden.

Kochen und Essen verbindet

Es war gar nicht so einfach, die Zutaten auch in ihrer Gewichtung aufzuschreiben, berichtet Constanze Schwab vom Frauentreff. Hier wurde die Idee geboren. Die Frauen merkten schnell: „Kochen und Essen verbindet einfach“. Zwischen 30 und 70 Frauen treffen sich jede Woche. Anfangs war es nur zur Stärkung der Deutsch-Kenntnisse gedacht, heute trifft man sich zum gemeinsamen Kochen, Essen oder auch nur um miteinander zu reden. Stricken oder Handarbeit, so Schwab, habe sich als Beschäftigung nicht so bewährt.

Beim Kochen lernen auch die deutschen Frauen sehr viel von ihren neuen Mitbürgern, ebenso wie umgedreht. Viele länderübergreifende Freundschaften sind inzwischen entstanden, man lacht und scherzt, unterhält sich aber auch über ernste Themen.

Dabei ist die deutsche Sprache immer das verbindende Element. Viele Frauen sind froh, beim Frauentreff ihre gelernten Worte und Sätze anbringen zu können. Und die kommen sehr flüssig über die Lippen an diesem Abend im Gemeindezentrum. So wie bei der Begrüßung von Thanaa Mahfouz. Sie ist eine der Hauptorganisatoren des gemeinsamen Kochbuchs. „Jeder Mensch soll die Kulturen der anderen Menschen akzeptieren, so wie sie sind“, sagte sie in bestem Deutsch und als Constanze Schwab sie aufforderte, die Worte ins Arabische zu übersetzen, kam nur ganz trocken zurück: „Warum? Die Menschen hier verstehen doch alle Deutsch.“

Walter Hörnig, Vorstand des Flüchtlingshilfevereins, stellte das zukünftige E-Book vor, das mit von den Frauen selbst gemachten Bildern und eben den Rezepten besteht.

Darüber hinaus sind noch viele Hintergrundgeschichten zu den Speisen enthalten. Allein beim Anblick der Bilder kann dem Betrachter das Wasser im Mund zusammen laufen.

Bisher sind 25 Rezepte aufgeschrieben und dokumentiert. „Deshalb machen wir auch ein E-Book, denn das Rezeptbuch soll nie fertig werden und durch immer neue Gerichte Ergänzung finden“, begründete Hörnig den Weg mit dem elektronischen Buch. Und dann ging es ans Essen.

Ganz gespannt waren die Anwesenden auf die andersartigen Gewürze, Zubereitungen der Vorspeisen, Hauptgerichte und Nachspeisen. Um es vorwegzunehmen, alles schmeckte vorzüglich.

Zum Nachkochen

Beim Essen haben sich alle bestens unterhalten und näheres über die Entstehung des Kochbuchs erfahren.

Gespannt warten die Patenbetreuer nun auf die Veröffentlichung, denn einige Sachen wollen sie selbst nachkochen, weil sie so schmackhaft waren, versicherten sie.