Wertheim

Projekt Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums bauen orientalische Krippen / Inspiration aus der Sammlung morgenländischer Erzählungen

Wie aus Tausendundeiner Nacht

Orientalische Impressionen: Schüler der siebten Klassen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums bauen orientalische Krippen.

Wertheim. Immer, wenn es auf Weihnachten zugeht und das Jahr sich seinem Ende zuneigt, stellt sich wie von selbst eine besondere Stimmung ein, voller Ahnung und Erwartung, der sich in unserer schnelllebigen und sich niemand so recht entziehen kann.

Neben dem Weihnachtsbaum, Sterndekorationen und Kerzen zählen Krippendarstellungen für viele Menschen zu den unverzichtbaren Bestandteilen des Weihnachtsfestes. Auch die fränkische Region blickt auf eine lange Tradition zurück, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts ihren Anfang nahm.

Die Krippen, die in der Weihnachtszeit die Kirchen und auch viele Wohnzimmer schmücken, stellen einen Ausschnitt aus der klassischen Weihnachtsgeschichte dar, wie sie in den Evangelien des Neuen Testamentes überliefert ist. Die Szene der Geburt Jesu in Bethlehem wird seit dem dritten Jahrhundert in Bildern dargestellt.

Dabei beschränkten sich die ersten in der Adventszeit aufgebauten Krippen auf die Schlafstatt des Jesuskindes, eine Futterkrippe für Tiere. Damit wollte man auch den gläubigen Menschen die Verehrung der heiligen Stätte ermöglichen, die aus den verschiedensten Gründen nicht zum Originalschauplatz des Geschehens in Bethlehem pilgern konnten. Doch wird bis heute in den Krippendarstellungen eine Vorstellungswelt realisiert, die nicht nur auf den knappen Bibeltexten des Neuen Testamentes beruht, sondern auch Legenden aus dem Leben Christi integriert. Durch Krippen wurde und wird emotional vertieft Glaubensinhalt vermittelt.

Dahinter steht die Überzeugung, dass Gesehenes sich weit nachhaltiger einprägt als nur Gelesenes oder Gehörtes.

Unsere fränkische Heimat verfügt noch heute über reiche Schätze an historischen Krippen, die besonders durch die Jesuiten und die Franziskaner gefördert wurden. So zeigte das Würzburger Museum am Dom zu Beginn des Jahres 2018 eine umfangreiche und stimmungsvolle Ausstellung fränkischer Krippen von der Mitte des 18. Jahrhundert bis ins frühe 19. Jahrhundert, die daraufhin ausgelegt war, das Gemüt in besonderer Weise zu berühren.

Die Inspiration

Davon inspiriert begannen im Herbst 2018 auch die Schülerinnen und Schüler der siebten Klassen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums innerhalb des Unterrichts im Fach Bildende Kunst mit ihrem Lehrer Andreas Jost mit dem Bau eigener, individuell gestalteter Krippen.

Während beim letzten Krippenbaukurs des Gymnasiums besonders alpenländische Weihnachtskrippen im Vordergrund gestanden hatten, sollten nun orientalische Dorfszenen gestaltet werden.

Inspirationsquellen sollten Darstellungen aus der mystische Atmosphäre des Märchenkreises von Tausendundeiner Nacht sein, mit denen man leuchtende Farben der Natur südlicher Gefilde, den betörenden Duft exotischer Gewürze aus orientalischen Basaren, traditionelle marokkanische Häuser sowie traumhafte arabische Paläste mit ihren schillernden, ornamentreichen und prunkvoll glitzernden Lampen verbindet.

Eine völlig andere Welt, die etwas Geheimnisvolles an sich hat, das der Modernität unseres Zeitgeistes entgegenströmt und den Betrachter so sehr fesselt, dass man unbedingt mehr davon haben will. Die Schülerinnen und Schüler, von denen auch einige muslimischen Glaubens sind und die Kunst des Islam aus eigener Anschauungen im Rahmen von Familienbesuchen kennengelernt haben, zeichneten zunächst Entwürfe von orientalischen Dorfszenen, Palästen, Ruinen und Minaretten.

Ein Wettbewerb

Aus gewöhnlicher Wellpappe wurden die Grundbauten errichtet, die dann mit Holzgesimsen, Balkonen, Kuppeln und Galerien bereichert wurden.

Schließlich erfolgt die Aufbringung eines Gipsverputzes, der noch altertümlich patiniert werden soll. Eine mediterrane Vegetation „en miniature“ soll die umfangreiche Landschaft abrunden. Es gab teilweise einen Wettbewerb der Überbietungen hinsichtlich des Detailreichtums und der technischen Ausstattung.

Gespannt darf man auch sein, wie viel von der Botschaft, die von der Krippe von Bethlehem ausgeht, von der kommenden Generation später in unserer Welt umgesetzt werden wird. dbg