Wertheim

Nachhaltigkeit Verpackungsfirma Horn aus Wertheim setzt im Projekt „WertArt“ auf Uhren aus recycelbarem Material / Künstler bringen sich ein / Teilerlös wird gespendet

Wie die Zeit zukunftsfähig wurde

Ein alltäglicher Gegenstand in besonderer Form: Die Uhren der Firma Horn Wertheim tragen dem Thema Nachhaltigkeit auf verschiedenste Weise Rechnung.

Hofgarten. Bekannt ist die in Bestenheid und dem Hofgarten ansässige Firma Horn Wertheim für ihre Verpackungen. Unter dem Namen „WertArt“ stellt das Unternehmen seit kurzem zusätzlich besondere Uhren her. Gemeinsam mit drei Künstlern entstanden unter dem Motto „Zeit für“ ausgefallene Zeitmesser. „Sie sollen die Menschen anregen, nachzudenken über die Nutzung der eigenen Zeit, darüber für welchen Einsatz es Zeit ist und wo ich mich engagieren kann“, erklärte Gesellschafterin Anita Horn-Lingk im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

Das Projekt „WertArt“ lässt sich mit den Worten „Zeit für Nachhaltigkeit“ beschreiben. Dabei widmet sich die Produktreihe materiell, in der Entsorgbarkeit, dem Standort und sogar dem sozialen Aspekt dieser Leitlinie.

Die Idee für Alltagsprodukte aus Karton sei Anfang 2016 entstanden. Man wollte Gebrauchsgegenstände und Dekoartikel, die sonst aus weniger umweltfreundlichen Material wie Kunststoff sind, daraus herstellen. Zuvor hatte die Firma schon Werbeartikel wie Mobiles aus dem Werkstoff gefertigt. Horn-Lingk und ihr Sohn Oskar hatten die Grundidee Produkte für Endkunden aus Karton herzustellen. Ein Team aus insgesamt acht Personen machte sich in der Firma ans Ideensammeln. Eine der Leitfragen dabei war: „Was können wir selbst produzieren?“

Start erfolgte mit Uhren

Anfang 2017 entschied man sich dafür, mit Uhren als Produkt zu starten. Sie bestehen aus stabilem Holzkarton der beidseitig mit bedrucktem Vollkarton kaschiert wird. Die Vorarbeiten wie Drucken und Kaschieren erfolgen am Standort Bestenheid, das Ausstechen der Teile mittels Plotter und das Zusammenbauen und Verpacken per Hand in der Entwicklungsabteilung im Hofgarten. Auch die fremd gefertigten Teile werden alle in Deutschland hergestellt. Die Zeiger sind aus Metall.

„Wir wollten eigentlich auch ein Uhrwerk ohne Kunststoffe, dies war aber nicht zu bekommen“, so habe man sich auf einen Kompromiss eingelassen.

Der Karton, aus dem die Uhr besteht, ist recycelbar, ein erster Punkt der Nachhaltigkeit. Die Umverpackung besteht aus recyceltem Kartonmaterial. „Sie soll nach dem Auspacken aber nicht weggeworfen werden, sondern beim Käufer eine neue Verwendung bekommen. So wird Müll vermieden.“

Um dieses Ziel zu erreichen, liefert man eine Anleitung zum „Upcycling“ mit, dem Aufwerten von scheinbarem Müll zu etwas Neuem. Mit einigen Handgriffen und einer Schere oder einem Messer kann man den Karton in einen Ständer für Tablet oder Handy verwandeln. „Wir wollen damit zeigen, auch mit Umverpackungen kann man etwas Kreatives und Nützliches machen.“

Das Konzept „Zeit für“ hat Oskar Lingk entwickelt. In den sozialen Netzwerken suchte er nach Künstlern, die eine deutliche Haltung zu ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Themen zeigen.

Insgesamt habe man bei acht Künstlern angefragt. Aktuell arbeitet die Firma mit drei davon zusammen. Man habe die Künstler so ausgewählt, dass ein Interesse am Projekt wahrscheinlich war.

Dennoch sei einiges an Überzeugungsarbeit nötig gewesen. „In dieser Konstellation aus personalisiertem Design, Konzept und Material ist das Projekt einzigartig und Pionierarbeit“; erklärte Horn-Lingk. Den Künstlern räumte man in der kompletten Gestaltung große Freiheit ein, so dass sie ihre Ansicht zum Thema „Zeit für“ darstellen konnten.

Mit dem Verkauf der Uhren verbindet das Unternehmen ein Spendenprojekt um Menschen und Natur nachhaltig zu helfen. Pro Uhr gehen fünf Euro an ein Projekt, dass der Künstler für seinen Zeitmesser auserkoren hat.

Das Spendenthema spiegelt sich in gewisser Weise auch im Design des Ziffernblatts wieder. Der Künstler Eike König sieht sich selbst als zeitkritisch. Er nennt sein Werk „Hamsterrad“. „Bei jedem Blick auf die Uhr kann man sich fragen, funktioniere ich nur, oder habe ich noch die Freiheit, selbst zu entscheiden“, interpretierte Horn-Lingk die Aussage des Designs. König unterstützt mit den Spenden aus dem Verkauf seiner Uhr das Projekt „Zeit für Menschenrechte“ von Amnesty International.

Hala El-Attar nennt ihr Werk „Magical Waves“. Ihre Kunst ist vom Meer inspiriert. Wichtig ist ihr die Reinhaltung der Meere. So gehen ihre Spenden an ein NABU-Projekt zum Meerschutz. Thijme Termaat umschreibt seine Uhr mit dem Begriff „Motion“ (Bewegung). Dargestellt wird eine Figur auf einer Endlostreppe. „Meine Interpretation dazu ist, man geht Schritt für Schritt weiter ohne Endpunkt, denn Zeit ist etwas unendliches“, so Horn-Lingk. Termaat geht es in seinem Wirken um die Stärkung der Mitmenschen. So gehen seine Spenden an die Hilfsorganisation „Care“. Der Vertrieb der Uhren startete am 22. November. Zurzeit gibt es sie nur im Onlineshop. Eine Kooperation mit dem lokalen Handel ist geplant. Bestellung hat es schon einige gegeben. „Die Rückmeldungen zum Produkt sind sehr gut.“

Die Ideen der Jugend

Gesellschafter und Geschäftsführer Andreas Horn freut am neuen Konzept noch etwas anderes. „Das Projekt ist schön, weil verschiedene Generationen der Familie Ideen einbringen, und wir gegenüber den Ideen der Jugend offen sind.“ Das Angebot an Gebrauchs- und Dekoartikeln aus Karton möchte man ausbauen. Konkrete Gespräche gibt es auch zu Kooperationen mit Designhochschulen.