Wertheim

Theater Badische Landesbühne präsentiert am Dienstag, 15. Januar, das Stück „Komplize“ von Joe Sutton in der Aula Alte Steige

Wie Terror eine Gesellschaft verändert

Wertheim.Die Badische Landesbühne zeigt am 15. Januar in Wertheim „Komplize“ von Joe Sutton in einer Inszenierung von Carsten Ramm. Vorstellungsbeginn in der Aula Alte Steige ist um 19.30 Uhr.

Der Star-Journalist Benjamin Kritzer weiß zu viel. Von einer geheimen Quelle aus dem Pentagon hat er von einem ebenfalls geheimen Memorandum erfahren, demzufolge nur noch solche Handlungen als Folter bezeichnet werden, die zu Organstörungen führen – was klar gegen die Genfer Konventionen verstößt. Das Ziel der Regierung ist nun, Bens Quelle ausfindig zu machen.

Der amerikanische Dramatiker Joe Sutton hat mit „Komplize“ ein Stück geschrieben, das knapp zehn Jahre nach seiner Uraufführung in London nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Carsten Ramm inszeniert den Politthriller nun an der Badischen Landesbühne.

Geheime Informationen

Nachdem Ben die geheimen Informationen, welche die Folterpraxis der US-Regierung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 belegen, in einem Fernsehinterview veröffentlicht hat, wird er zu einer außergerichtlichen Anhörung geladen. Der Vorwurf des Landesverrats steht im Raum. Bens Anwalt, Roger Cowan, empfiehlt seinem Mandanten nachdrücklich, seine Quelle preiszugeben, andernfalls drohe ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Für Ben ist deren Schutz jedoch Teil des journalistischen Ehrencodex’ und Grundpfeiler der Pressefreiheit. Würde er sie verpfeifen, verlöre er seine Glaubwürdigkeit als Journalist und damit seine Existenz.

Präzise Dialoge

In knappen und präzisen Dialogen lässt Joe Sutton seinen Protagonisten um seine Ehre und sein Gewissen kämpfen und zeichnet dabei das Porträt einer Gesellschaft, in der Staatsmacht außer Kontrolle gerät. „Im Zentrum des Stücks steht die Sprache, der spannungsgeladene Dialog zwischen Ben, seinem Anwalt Roger und seiner Ehefrau Judy“, so Regisseur Ramm.

„Alle Figuren haben unterschiedliche Interessen und Handlungsmotive. Keine weiß, was die anderen Figuren alles wissen, welche Informationen sie haben und woher. Wer wird von wem beobachtet und instrumentalisiert? Wer spielt hier welches Spiel?“

Das Stück zeige sehr plastisch, wie die Terroranschläge vom 11. September 2001 unsere Politik und unsere Gesellschaft verändert haben. „Seither besetzt Angst unsere Köpfe. Das Bedürfnis nach Sicherheit wird dabei zum Sicherheits- und Überwachungswahn. Was wir dabei aufs Spiel setzen, ist nichts Geringeres als unsere Freiheit und die Grundwerte unserer demokratischen Verfassungen. Der Rechtsstaat wird langsam zum Präventionsstaat.“

Als Ausgangspunkt für sein Stück diente Sutton die Folterdebatte, die im Zuge des sogenannten „Kriegs gegen den Terror“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts entbrannte. Waterboarding und andere „erweiterte Verhörtechniken“, die zu Zeiten der Bush-Regierung zum Einsatz kamen, wurden von Obama verboten. Dass Trump kein dezidierter Folter-Gegner ist, ist bekannt. Die demokratische Gesellschaft muss wach bleiben. Regisseur Ramm konzentriert sich in seiner Inszenierung ganz auf den verbalen Schlagabtausch zwischen den Figuren. Tilo Schwarz hat dazu einen adäquaten, reduzierten Bühnenraum entworfen.

Die Kostüme von Kerstin Oelker verorten die Figuren im heutigen liberalen amerikanischen Gesellschaftsmilieu. Eingespielte Musik gibt dem Geschehen eine spezifische Atmosphäre und unterstützt die Spannung des Politthrillers. Die Rolle des Journalisten Ben spielt Colin Hausberg, die des Anwalts Roger René Laier und die von Bens Ehefrau Judy die Berliner Gastschauspielerin Vivien Prahl.

Karten für die Vorstellung gibt es im Vorverkauf bei der Buchhandlung Buchheim, Telefon 09342/1320, E-Mail: buchheim.wertheim@t-online.de