Wertheim

Zu Gast an der Realschule Rollende Waldschule der Kreisjägervereinigung Main-Tauber machte in Bestenheid Station

„Wir wollen Jäger in ein anderes Licht rücken“

Archivartikel

Einen Biologieunterricht der etwas anderen Art erlebten die Fünftklässler der Comenius Realschule durch den Einsatz der Kreisjägervereinigung.

Bestenheid. Sichtlich beeindruckt waren die Schüler der fünften Klassen der Comenius Realschule Wertheim (CRW), als sie von Jägern vieles über deren Arbeit und Ausbildung erfuhren. Am Mittwoch waren fünf der Weidmänner mit der rollenden Waldschule der Kreisjägervereinigung Main-Tauber zu Gast im Pausenhof. In rund zwei Stunden lernten die Kinder dort in kleinen Gruppen vieles über Waldtiere, Jäger und Naturschutz. Die Vereinigung besucht mit ihrem Angebot rund 20 Kindergärten und Schulen jährlich.

Experten aus der Region

Bei den Fünftklässlern der CRW war man zum zweiten Mal zu Gast. Am Dienstag nutzten drei der fünften Klassen das Angebot, in der kommenden Woche werden die anderen beiden folgen. Initiiert hatte die Aktion 2018 Lehrer Christian Schindler. „Wir wollen Experten aus unserem Umfeld an die Schule bringen und Jäger in ein anderes Licht rücken“, erklärte er im FN Gespräch. Zudem seien Pflanzen sowie Wirbel- und Wirbellosetiere Hauptthema im Biologieunterricht der Stufe.

In diesem Jahr hatte sein Kollege Stefan Hajek die Organisation des Besuchs seitens der Schule übernommen. Er ist selbst Jäger. Beim Anblick der Tierpräparate war die Reaktion der Kinder sehr unterschiedlich. Sie reichte von faszinierten Blicken über gespannte Zurückhaltung bis zu anfänglichen Ekelrufen. Letzteres Gefühl war jedoch schnell verflogen.

„Es war richtig cool“, meinten die Schüler und lobten die besondere Form des Unterrichts. Vor allem gefiel ihnen das Streicheln der ausgestopften Tiere. „Die kann man in der Natur nicht anfassen.“ Warum man dies nicht darf, erfuhren die Kinder von den Jägern. Fasst man ein Rehkitz auf der Wiese an, kann es wegen des Geruchs von der Mutter verstoßen werden.

Bewusst hatten die Jäger die Aufteilung in kleinere Gruppen vorgenommen. „Wir wollen mit den Schülern ins Gespräch kommen und hören, was die Kinder zum Thema bewegt. Außerdem wollen wir ihnen den Alltag der Jagd näher bringen.“ Die Jäger hatten vieles mitgebrachten. Nur die Gewehre blieben zu Hause. „Schulhof und Waffen passen nicht zusammen“, so Jäger und Organisator Karl-Heinz Wiesmann.

An verschiedenen Stationen erfuhren die Fünftklässler vieles über den Sinn der Jagd, Ausbildung der Jäger, ihre umfangreichen Aufgaben für den Naturschutz, Tiere und Waldpflanzen. So lernten die Schüler hautnah Biologie, Verhaltensweise, Lebensraum und Besonderheiten von Wildtieren kennen. Sie erfuhren, wie man sich in Wald und Feld verhält. Die Jäger betonten, sie seien ein wichtiger Teil des Naturschutzes. Sie sorgten für das Wildtiermanagement, indem sie Wildacker anlegten, Bodenbrüter schützten und zur Erhaltung des Gleichgewichts in der Natur beitrügen. „Wir schützen gefährdete Arten und reduzieren solche, die keine natürlichen Feinde haben“, wurde erklärt. Zudem helfe man beim Schutz vor Tierseuchen. Weitere wichtige Aufgabe ist das Erfassen von Tierbeständen. Am Vormittag bekamen die Kinder an den Stationen einen Einblick in die Jägerausbildung.

Diese umfasst mindestens 130 Zeitstunden Theorie und Praxis. Wie an der Station zur Ausbildung zu erfahren war, nennt man den Jagdschein auch „grünes Abitur“, da die Prüfungen sehr schwer sind. Ein Jagdschein ist nur drei Jahre gültig, danach wird überprüft, ob der Jäger noch geistig zuverlässig genug ist.

Theorie und Praxis

Die Prüfung für die Jagdlizenz umfasst Theorie und Praxis. Letztere reicht vom Umgang mit Waffen bis zur Beurteilung der Gesundheit der Tiere. An einer Station lernten die Kinder: „Es gibt kein Schulfach, das mit dem Thema Jagd nichts zu tun hat.“ Dies wurde an vielen Beispielen aus Technik, Biologie, Kunst, Literatur und beim Jagdhornblasen auch aus der Musik belegt.

Im Anhänger der rollenden Waldschule wurden Tierpräparate begutachtet und gestreichelt. Daneben lernten die Kinder vieles über Wildkräuter und andere Wildpflanzen. Auch bienenfreundliche Pflanzen wie Löwenzahn, Wildsalbei und Kamille wurden thematisiert.

Auf großen Interesse stieß die Station zu Ausbildung und Einsatz von Jagdhunden. Hier lernten die Kinder den dreijährigen „Hannoverschen Schweißhund“ Jango kennen. Er ist spezialisiert auf die Suche nach verletzten Wildschweinen und Rehen. Die Rasse kommt auch als Mantrailing-Hund bei der Polizei zum Einsatz. Die Kinder lernten GPS Technik kennen, mit der sich der Hund nach der Jagd wieder finden lässt.