Wertheim

Gewerbeanmeldungen 2016 gab es im Kreis je 10 000 Einwohner 64

Wo versteckt sich in diesem Land denn der Gründergeist?

Main-Tauber-Kreis.Wo in Deutschland versteckt sich der Gründergeist? Mit Blick auf die Gewerbeanmeldungen hatte der Main-Tauber-Kreis bis Ende 2016 rund 64 Firmengründer je 10 000 Einwohner. Das ist Platz 317 in der Gründerbundesliga unter 404 ausgewerteten Städten/Stadtstaaten und Kreisen.

Spitzenreiter Offenbach am Main hatte 183 Punkte, Schlusslicht Elbe-Elster-Kreis (Brandenburg) ganze 39. Bundesweit schrumpft die Lust am Unternehmertum: 2016 wurden in Deutschland 135 834 weniger Gewerbeanmeldungen abgegeben als noch 2011. Hier sieht es nicht besser aus, da liegt das Minus beim Vergleich dieser beiden Jahre bei 68 Gründungen. Die jüngste Entwicklung zeigt im Main-Tauber-Kreis, dass die Zahl der Gewerbeanmeldungen bis Ende 2016 mit 845 Anmeldungen um 24 gegenüber 2015 wieder nach oben ging, die Gründer hier bei uns derzeit also gegen den Trend schwimmen.

Ganz anders als die Statistischen Landesämter in ihrem Regionalatlas rechnet das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), bei dem Hamburg beim Gründergeist auf Platz eins kommt. Der Grund ist einfach: Das Bundes-Wirtschaftsministerium rechnet nicht mit der Gesamtbevölkerung als Bezugsgröße sondern nur mit den erwerbsfähigen 18 bis 64-Jährigen.

Grundsätzlich bleibt das Wirtschaftsministerium in puncto Gründungen positiv gestimmt und sieht "Deutschland auf dem richtigen Weg'', zumal der Länderbericht Deutschland des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) feststellt, dass Deutschland gute Rahmenbedingungen für Gründer biete, besonders in Bezug auf physische Infrastruktur; öffentliche Förderprogramme; Schutz von geistigem Eigentum; Berater und Zulieferer für Unternehmen'.

Herausforderungen sieht das GEM in der Verbesserung der (außer-)schulischen Gründungsausbildung, im Engagement der Politik und einer Entlastung bei Regulierung und Steuern."

Der Gründergeist ist relativ gut messbar: Am Anfang eines etwaigen unternehmerischen Erfolges, steht immer die Gewerbeanmeldung.

Über sie wird die gewerbliche Entwicklung im Vergleich zu anderen Staaten recht genau erfasst. Aktuell liegen in der von den Statistischen Landesämtern betriebenen Regionaldatenbank die Zahlen aus den Gewerbeämtern bis 31. Dezember 2016 vor.

Im Main-Tauber-Kreis lautet die Zeitreihe bei den Gewerbeanmeldungen 2016: 845 Anmeldungen, 2015: 821, 2014: 826 Gründungen, 2013: 817 Anmeldungen, 2012 wagten 899 den Schritt in die Selbstständigkeit und 2011 gab es 913 Gewerbeanmeldungen.

Freilich hat nicht jeder Gründer den weltweiten Markt im Blick und bringt mit innovativen Ideen die Wirtschaft in Schwung.

Deswegen schätzen die Statistiker auch die Chancen der Gründung ab, soweit das möglich ist. Jedenfalls bekamen 2016 von den 845 Gewerbeanmeldungen insgesamt 656 das Prädikat Neuerrichtungen, womit Gewerbe beschrieben werden, die es hier vorher noch nicht gab.

In denen wiederum wurden 133 als Betriebsgründungen eingestuft, denen die Experten eine größere wirtschaftliche Bedeutung beimessen, weil sie meinen, dass diese Firmen auf Sicht wirtschaftlichen Erfolg und Arbeitsplätze bringen.

Im vorletzten Jahr hatte deren Zahl im Übrigen bei 113 gelegen. Diese besonders wichtigen Gründungen lagen 2016 im Main-Tauber-Kreis also um 20 höher als im Vorjahr.

Auch bei den 806 Gewerbeabmeldungen muss genauer hingeschaut werden. Nur 642 sind echte Aufgaben, aber von diesen wiederum waren nur 131 sogenannte Betriebsaufgaben, bei denen auch von größeren Arbeitsplatzverlusten auszugehen ist.

Außerdem stecken in den Abmeldungen auch 82 Betriebe, die an Nachfolger oder Käufer übergeben wurden, also bei den Anmeldungen in der Zahl der Übernahmen mit 91 größtenteils wieder auftauchen und bei denen unterm Strich die Arbeitsplätze nicht unbedingt verloren gegangen sind.

Zieht man diese 806 Gewerbeabmeldungen von den Gewerbeanmeldungen ab, blieb 2016 ein Gründersaldo von plus 39 Gründern, die Hoffnung auf zusätzliche Jobs machen. zds