Wertheim

Ortschaftsrat Bestattungsformen, Ruhezeiten, Kosten – die Dörlesberger Bürger hatten zum Thema der Beisetzung viele Fragen

Wunsch nach Urnengräbern nimmt zu

In der Ortschaftsratsitzung Dörlesberg am Dienstag informierten sich die Bürger bei Experten ausführlich über das Thema Bestattung.

Dörlesberg. Eigentlich handelt es um ein Thema über das Viele nicht gern nachdenken. Das Interesse der Dörlesberger Bürger an der Thematik Bestattung war in der Sitzung im Bürgerhaus jedoch groß. Als Experten standen Bestattermeister David Beile vom gleichnamigen Bestattungsinstitut und Sabrina Suhl vom Liegenschaftsamt der Stadtverwaltung zur Verfügung.

Ortsvorsteher Udo Schlachter erklärte, dass in der Bürgerschaft viele Fragen zur Thematik Bestattungen, Bestattungskultur, Bestattungsformen und Rechte aufgekommen seien. Man wolle den Einwohnern deswegen die Möglichkeiten auf fachkundige Antworten geben.

Beile erläuterte die veränderten Wünsche der Menschen. Das Interesse an Urnenbestattungen liegt auch in Dörlesberg deutlich über der Anzahl der traditionellen Erdbestattungen. Beile berichtete, dass es neben dem klassischen Urnengrab bei Feuerbestattungen die Möglichkeit von Sonderformen wie Natur-, Weltraum- und Seebestattungen gibt.

Generell gelte in Deutschland eine Friedhofspflicht. Auf Interesse würden naturnahe Bestattungsorte, wie der Friedwald, als Alternative zum klassischen Friedhof dazu stoßen.

Zahlreiche Fragen drehten sich um die Abläufe im Krematorium. „Durch Zuwachs von Krematorien beträgt die Wartezeit inzwischen nur noch wenige Tage, oft wird dort auch an den Wochenenden gearbeitet“, erläuterte Beile. Aus Reihen der Bürger wurde vorgeschlagen, eine Fahrt mit Besichtigung eines Krematoriums zu organisieren. Schlachter sagte dies zu. Ein Grund für die wachsende Tendenz zu Feuerbestattungen sah man im Wunsch der Menschen nach pflegeleichten Grabstätten.

Angenommen wurde von den Anwesenden auch, dass die Kosten für eine Feuerbestattung niedriger sind, als für eine Erdbestattung. Dem widersprach Beile. „Eine Erdbestattung kann je nach Gestaltungswünschen durchaus auch billiger sein, als die Feuerbestattung.“

Schlachter berichtete, dass auf dem Dörlesberger Friedhof ein Bereich für Urnengräber angelegt wurde. Sabrina Suhl beantwortete zahlreiche Fragen im Zusammenhang mit der Friedhofsordnung der Stadt und den Ausgestaltungsmöglichkeiten der Gräber. Bei Urnengräbern gibt es die Möglichkeit einen Grabstein liegend oder stehend zu errichten.

Die Ruhezeit liegt bei dieser Grabart bei 20 Jahren. Aus verwesungstechnischen Gründen darf ein Erdgrab nur zu 75 Prozent mit einer Platte abgedeckt werden. Eine Alternative sind Urnengräber mit kompletter Abdeckplatte. Die Daten werden hierbei auf die Platte geschrieben, deswegen gebe es im Regelfall keinen Grabstein. Die Ruhezeit dieser Variante liegt bei 25 Jahre.

Bei den Verlängerungsmöglichkeiten nach diesen Zeiten wird zwischen einem Wahlgrab und einem Reihengrab unterschieden. Das Wahlgrab kann nach Ablauf der Ruhezeit unbegrenzt verlängert werden. In ihm können nacheinander mehrere Verstorbene bestattet werden. Reihengräber hingegen können einmalig um fünf Jahre verlängert werden. In ihnen darf nur ein verstorbener bestattet werden. Nach spätestens 25 Jahren muss das Grab abgeräumt werden. Suhl verwies darauf, dass die Friedhofsordnung und die Friedhofsgebührenordnung auf der Internetseite der Stadt Wertheim einsehbar sind. Eingegangen wurde auch auf das Thema Standsicherheit von Grabsteinen. Nur Fachleute dürfen diese aufstellen, sie kennen die gesetzlichen Richtlinien der Friedhofsordnung. Probleme gebe es nur, wenn „irgendwas“ aufgestellt wird, das vorher nicht mit Steinmetz und Stadtverwaltung abgesprochen wurde.

Die Standfestigkeit von Grabmalen wird regelmäßig überprüft. Zuerst erfolgt eine Sichtprüfung, werden dabei Beanstandung festgestellt, wird Gerät eingesetzt. „Festgestellte Mängel muss der Grabbesitzer beheben lassen.“ Weitere Themen waren Bestattungskosten von verstorbenen ohne Angehörige, das muslimische Grabfeld in Bestenheid und die neue Regelungen zur Berechtigung von Aushub von Gräbern. Das Gremium erhielt viel Anerkennung für das Angebot der Informationsveranstaltung.