Wertheim

Futtermangel Wegen großer Trockenheit wurden die tierischen Bewohner der Wertheimer Burg nach Altenbuch umquartiert

Ziegenparadies zur Steppe vertrocknet

Archivartikel

Wo sind die Ziegen hin? Besucher vermissen die tierischen Burgbewohner, nachdem sie wegen Futtermangels ihr Sommerquartier an den Steilhängen verlassen mussten.

Wertheim. Seit mittlerweile knapp zwei Wochen stehen auf dem Wertheimer Burgareal keine Ziegen mehr. Hitze und ausbleibender Regen hatten das Ziegenparadies an den Steilhängen in eine trockene Steppe verwandelt. Die tierischen Burgbewohner fanden nicht mehr ausreichend Futter.

„Da kommst du und sie sind nur noch am Meckern“, beschreibt Besitzer Toni Hegmann die Situation direkt vor der Umsiedlung. „Klar: Sie haben Hunger.“ Zunächst siedelte Hegmann nur einen Teil der Ziegen um, und ließ den Rest auf den wenigen grünen Flächen stehen. Später mussten dann auch die übrigen Tiere ihr Sommerquartier auf dem Burghang verlassen. Momentan stehen sieben der insgesamt 13 Burgziegen bei Hegmann in Altenbuch, die restlichen sechs sind im Bauhof auf dem Reinhardshof untergebracht.

Im Normalfall ist erst im November Almabtrieb, wenn in Wertheim der Bauernmarkt stattfindet. Dieses Jahr mussten die Ziegen die Burg schon drei Monate früher verlassen. Für die Tiere selbst stellt dies das kleinste Problem dar. „Für sie ist ja die Hauptsache, dass sie was Vernünftiges zu fressen haben“, erklärt der Ziegenbesitzer. „Für die Gäste ist es schade.“ Er habe schon von mehreren Burgbesuchern erfahren, die im Burgrestaurant oder bei der Stadt nachgefragt hätten, warum die Ziegen nicht mehr da seien. „Sie werden schon vermisst.“

Zusätzlicher Aufwand

Für den 44-jähgen selbst stellt die aktuelle Situation zudem ein Kostenproblem dar. Alles, was die Ziegen an Gras und Büschen nicht mehr finden, muss er mit Heu auffüttern. Das ist auf die Dauer teuer. Vor allem, da dieses Jahr kaum ein Bauer in der Gegend ausreichend Heu machen konnte.

Hinzu kommt noch ein enormer Zeitaufwand. Jeden Tag ist Hegmann momentan bei den Ziegen, um ihr Wasser zu kontrollieren, sie zu füttern und ihren Weideplatz zu überprüfen. Da der Standort in Altenbuch zwar im Schatten eines Tals gelegen und deshalb noch recht grün ist, die Flächen aber lange nicht so groß sind, wie die Bereiche auf der Burg, müssen die Koppeln ständig von einem zum anderen Ort verlegt werden. Das ist eine aufwendige Prozedur, bei der auch die ganze Familie mit anpacken muss.

Betrachtet man die vertrockneten Weideflächen auf der Burg, fällt es schwer, zu glauben, dass Hegmann noch im Frühjahr darüber nachgedacht hatte, ein paar Ziegen zuzukaufen. Damals kam seine Herde mit dem Fressen nämlich gar nicht mehr hinterher. „Kaum hatten sie eine Stelle abgefressen und sind zur nächsten gewandert, war auf der ersten Fläche schon wieder alles zugewachsen“, erinnert sich der Besitzer der Burgziegen an das feuchte Frühjahr. Mittlerweile ist er mehr als erleichtert, dass er sich gegen einen Kauf entschieden hatte.

Am Wochenende will Hegmann zumindest drei seiner Ziegen wieder auf die Burg bringen. Momentan freut er sich über jedes Tier, das er nicht durchfüttern muss. Die Besucher haben dann zumindest einen Teil der Ziegen zurück.

Lieblingsspeise Efeu

Bis zum Wochenende hofft Hegmann also auf Regen: „Damit wieder ein paar Büsche hochkommen, die sie abnagen können“. Diese seien den Ziegen ohnehin lieber, als einfaches Gras. Besonders gerne fressen sie Efeu – was auch dem alten Gemäuer der Burg zu Gute kommt. „So weit, wie die Ziegen hoch kommen, sind die Mauern der Burg frei von Efeu“, sagt Hegmann und lacht. Eine der Ziegen, die Hegmann liebevoll als „Mutti“ bezeichnet, wird dieses Jahr sicherlich nicht mehr hoch auf die Burg kommen.

Ihr dicker Bauch zeigt: Es ist Nachwuchs im Anmarsch. „Ich denke in den nächsten anderthalb Wochen wird es soweit sein“, stellt Toni Hegmann mit geübtem Blick auf das dicke Euter der Ziege fest. Erst im nächsten Frühjahr wird „Mutti“ mitsamt Nachwuchs beim Almauftrieb während des Ostermarkts dabei sein.

Den Winter verbringt die Ziegenherde bei Hegmann auf dem Hof. Sie über die kalten Monate auf der Burg zu lassen, hätte wenig Sinn. Es müsste nicht nur ständig das Wasser eisfrei gehalten und Heu für die Tiere herangeschafft werden. Vor allem mit Blick auf den anstehenden Nachwuchs seien die Tiere auf dem Hof besser aufgehoben. Dort kann im Zweifelsfall jederzeit jemand nach ihnen sehen. Und außerdem: „Im Winter brauchen die Ziegen auch mal ihre Ruhe.“ Im Frühjahr sind sie dann wieder auf der Burg unterwegs.

Besuchermagnet Ziegen

Längst sind die Ziegen ein fester Bestandteil der Wertheimer Burg geworden. Gerade für Kinder sind die Tiere ein Highlight. Jedes Frühjahr stehen sie Schlange, um die Ziegen mit Hegmann zusammen auf die Burg zu bringen.

Tatsächlich ist es ein starkes Bild, wenn die geschickten Vierbeiner auf den Steilhängen der Burg herumklettern. Dass sie das gefahrlos tun können, ist allerdings nicht jedem Beobachter bewusst. „Es rufen öfter mal besorgte Burgbesucher an und meinen, die Ziegen fallen runter“, weiß Toni Hegmann mit einem Augenzwinkern zu berichten.