Wertheim

Mozartfest Bariton und Schauspieler Max Müller mit „Ewig Dein Mozart“ im Kloster Bronnbach

Zwischen Emotion und Eloquenz ohne Gefühlsduselei

Bronnbach.Briefe und Lieder von Mozart verwoben zu einem interessanten Komponistenporträt, das Bariton und Schauspieler Max Müller in Bronnbach präsentierte.

„Ewig dein Mozart“ schreibt Wolfgang Amadé an seine Frau Konstanze, nur wenige Wochen vor seinem Tod im Dezember 1791. „Es fliegen 2999 und ein halbes Busserl“ an seines „liebstes, bestes Weibchen“. Mit viel Wortwitz schließt der Meister sein Schreiben. Diese Quirligkeit und den Facettenreichtum des Genies Mozart präsentiert Schauspieler und Sänger Max Müller am Samstag im ausverkauften Bernhardsaal seinem Publikum bei einem musikalisch-literarisch leichten Abend.

Perfektes Ambiente

Das Kloster Bronnbach als Außenspielort des Würzburger Mozartfestes bietet das perfekte Ambiente, und die Zuhörer lassen sich von diesem Komponistenporträt gerne verzaubern.

Max Müller wirkt absolut tiefenentspannt, als er durch den Kreuzgang des Klosters geht und die letzten Vorbereitungen trifft. Fototermin vor der Lesung, kleine Plauderei. Von Hektik oder Starallüren keine Spur. Eher wienerische Gemütlichkeit im positivsten Sinn. Wenige Minuten später betreten er und sein Pianist Volker Nemmer mit einem strahlenden Lächeln die Bühne. „Pack mers.“

Das Lächeln bleibt den ganzen Abend über, weicht nur an dramatischen Stellen. Den ledernen Gehrock legt Müller dagegen im Laufe des Abend – nach der Gewissensfrage ans Publikum – ab. Es ist heiß im Bernhardsaal. Bei Müller, der als Polizeihauptmeister Michi Mohr aus der TV-Serie „Rosenheim Cops“ mittlerweile selbst schon einen gewissen Kult-Status erreicht hat, schlagen zwei Herzen in seiner Brust. Neben der Schauspielerei auch ein sehr großes für die Musik.

Der lyrische Bariton ist ausgebildeter Opernsänger, wie man schon bei den ersten Tönen genießen darf. Und er liebt Mozart. Mit seinem Programm „Ewig Dein Mozart“ verbindet er beide Leidenschaften zu einer wunderbaren Einheit, vielschichtig und tiefgründig zugleich.

Mozarts Briefe an den Vater, an das Bäsle, an die geliebte Schwester oder die Baronin von Waldstädten sind mehr als nur das reine Vorlesen der Worte, die das „Wolferl“ im Laufe seines kurzen, aber arbeitsreichen Komponistenlebens geschrieben hat. Sie werden bei Müller zu einer szenischen Lesung, zwischen tiefer Emotion und spritziger Eloquenz.

Der Kärntner lässt dabei nicht nur sein schauspielerisches Talent einfließen, sondern auch seinen österreichischen Dialekteinschlag. Er spielt mit der Stimme wie Mozart mit den Worten. So wird Müllers „Versuch einer Annäherung an das Genie“ ein locker-leichter Abend für ihn und die Zuhörer.

Die ausführliche Berichterstattu

g an den Vater über die Impertinenz und den ungeliebten Dienstherrn, den Salzburger Bischof, beispielsweise wird zum grandios-dramatischen Zwiegespräch. Der Brief an die Schwester zur bevorstehenden Heirat ist ein heiterer Aufklärungsbericht über das Eheleben und ein Blick in Mozarts „poetisches Hirnkastl“.

Der Wechsel der Sprachen, vom Französischen ins Italienische, ins Deutsche oder Salzburgerische gelingt schwerelos, ist aber gleichzeitig eine Herausforderung an die Zuhörer.

Verballhornungen

Mozarts mal devote, mal direkte Schreibe mit einer teils kindlichen Ausgelassenheit, seine Verballhornungen und gereimten Passagen sind nur eine Facette, die Müller herausschält. Eine andere ist sein Seelenleben beim Tod der geliebten Mutter, den der Freund Abbe Bullinger dem Vater schonend beibringen soll. Oder die innere Zerrissenheit, wenn er einen Freund um Geld bittet.

Passend zu den Schriftstücken und im lockeren Wechsel darf das Publikum einer wunderbaren Liedauswahl lauschen. Vom bekannten „Komm, lieber Mai, und mache“ über „Ridente la calma“ bis zu „Dans un Bois“ hat Max Müller ein gutes Dutzend an Kompositionen aus den rund 30 Liedern ausgewählt.

Homogen und stimmgewaltig vorgetragen, mit feiner Dynamik und großer Sangesfreude, erklingen „Die betrogene Welt“, „Männer suchen stets zu naschen“ oder das melancholische „Sehnsucht nach dem Frühling“.

Innig die Stücke „Sei du mein Trost“ oder „Abendempfindungen“, in denen sich Mozart mit dem Thema Tod auseinandergesetzt hat. Ein perfekt-zurückhaltender Begleiter ist Volker Nemmer am Klavier, der dem Bariton viel Raum zur gesanglichen Ausgestaltung lässt.

Gelungene Annäherung

Die spannende Annäherung an das Genie ist gelungen – ohne Gefühlsduselei. Dafür mit großem Unterhaltungswert, wie der langanhaltende Applaus und die zwei Zugaben bewiesen haben.