Wertheim

Integration Ende des vergangenen Schuljahrs sind fünf Schüler von der Vorbereitungs- in die Regelklasse gewechselt

Zwischen Mathe, Putin und Nadelwald

Lehrerin Nadine Schmid unterrichtet seit 2015 die Vorbereitungsklasse an der Comenius Realschule. Sie begleitet die Schüler aber auch darüber hinaus.

Bestenheid. Elaf schnippt aufgeregt mit den Fingern ihrer in die Luft gestreckten Hand. Die Zwölfjährige will als erste über ihre Woche berichten. Ihr Bruder Zafer (13) rollt mit den Augen.

Die Geschwister sind zwei von zehn Schülern aus Syrien, Kasachstan, Rumänien und Griechenland, die einmal pro Woche am Nachbereitungsunterricht der Vorbereitungsklasse der Comenius Realschule teilnehmen. „Wir treffen uns immer am Montagnachmittag, wie eine Art Förderkurs“, beschreibt Realschullehrerin Nadine Schmid.

Elaf kam 2015 mit ihrer Tante, ihrer Mutter und ihren damals sechs Geschwistern aus Syrien nach Deutschland. Vor einem Jahr wechselte sie aus der Vor-Klasse, in der die Kinder von Migranten die deutsche Sprache lernen sollen, in eine Regelklasse.

In der regulären Klasse sei man eher dazu gezwungen, Deutsch zu sprechen, gibt sie zu. Die Schule achtet darauf, dass immer nur ein Kind des gleichen Sprachkreises in eine Regelklasse integriert wird. Zum Ende des vergangenen Schuljahres wurden drei Schüler an die Berufsschule abgegeben und fünf in eine Regelklasse übernommen.

Voraussetzung für den Wechsel in die reguläre Klasse sind die sprachlichen Fertigkeiten der Jugendlichen – schließlich müssen sie dem Unterricht folgen können. Allerdings können die Schüler für zwei Jahre einen Nachteilsausgleich erhalten: einfachere Klausuren bearbeiten oder Noten zur Versetzung ausklammern. „Etliche brauchen das aber nicht mehr und werden normal versetzt“, sagt Schmid. Manchmal sei aber auch Geduld von Nöten. Schmid erinnert sich gern an den Fall eines Jungen, der nach dem Wechsel zunächst überhaupt nicht mitkam, dann eine Klasse wiederholte und heute fast Klassenbester ist. „Es gibt immer einen Moment , in dem es klick macht, in dem sie sich trauen, etwas zu sagen.“

Im Durchschnitt besuchen die Kinder die Vorbereitungsklasse eineinhalb Jahre. Die deutsche Sprache an sich zu verstehen, sei meist nicht das Problem. Schwierig werde es in den Sachfächern, dort hapere es am Textverständnis. An dieser Stelle setzt der Unterricht am Montagnachmittag an. Neben dem gemeinsamen Rückblick auf die vergangene Woche, bei dem jeder erzählt, wie es in der Schule gelaufen ist, sehen sich die Jugendlichen per Beamer eine Folge der Logo-Kindernachrichten an. Im Anschluss spricht die Gruppe über die verschiedenen Meldungen. Roman (14) und Kristina (15), die auf Wunsch ihres Großvaters mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Deutschland kamen, beschäftigt vor allem die russische Präsidentschaftswahl. Elaf wundert sich darüber, dass Männer in Deutschland mehr verdienen als Frauen.

Was ist Klima und was Wetter?

Wichtiges Element jeder Stunde ist zudem die Lektüre von Sachtexten – heute aus dem Erdkundeunterricht. Elaf möchte lesen. Der Text handelt von Klimazonen und der damit verbundenen Vegetation.

„Was bedeutet Vegetation?“, fragt Schmid. Elaf erklärt. Was ist der Unterschied zwischen Klima und Wetter? Sawar (13) meldet sich. Was ist ein Nadel- und was ein Laubwald? Das weiß Iman – die 16-Jährige hat die Vorbereitungsklasse in nur einem Dreivierteljahr absolviert. Begriff für Begriff arbeitet sich die Klasse durch den Text: Ab und zu verbessert Nadine Schmid grobe sprachliche Fehler, ermahnt die Syrer, untereinander Deutsch zu sprechen, und ertappt Roman beim Träumen. So vergeht der Nachmittagsunterricht wie im Flug.

Zurück zum Stundenanfang: Wie war Elafs Woche nun? Bei den Projekttagen hat ihre Gruppe die Stadtrallye durch Wertheim gewonnen und am Freitag ging’s nach „Tauber“ zum Bowling. „Heute: Mathearbeit. War super leicht. Hab’ viel geübt“, sagt sie und zeigt ein breites Zahnspangengrinsen.