Wittighausen

Bürgerinitiative „Kein Steinbruch im Zollstock“ Listen mit rund 100 Unterschriften gegen das geplante Vorhaben an Bürgermeister Wessels übergeben

Beeinträchtigung der Lebensqualität

Gegen einen neuen Steinbruch bei Poppenhausen haben zahlreiche Bürger bei einer Unterschriftenaktion protestiert.

Poppenhausen. Jetzt wurden die Listen von den Initiatoren an Bürgermeister Marcus Wessels zur Weiterleitung an das Landratsamt des Main-Tauber-Kreises übergeben. Insgesamt hatten über 100 Bürger aus der rund 90 Einwohner zählenden Ortschaft sowie aus anderen Ortsteilen der Gemeinde Wittighausen oder darüber hinaus wegen Bedenken oder Protest gegen das Vorhaben ihre Unterschrift geleistet.

Anlass dazu sind Planungen und ein Genehmigungsantrag der Firmengruppe Haaf mit Firmensitz in Gaubüttelbrunn für den Betrieb eines Steinbruchs rund 400 Meter nordöstlich von Poppenhausen im Gewann „Zollstock“.

Die Neuanlage auf Gemarkung der Ortschaft würde eine Gesamtfläche von rund zehn Hektar umfassen, auf denen in fünf Hauptabschnitten Muschelkalk abgebaut werden soll. Der geplante Steinbruch diene laut Bauantrag einer weiteren Rohstoffsicherung und dem Erhalt firmeneigener Arbeitsplätze.

Die Zufahrt zur Abbaustätte könnte den Planungen nach von Unterwittighausen kommend über die Kreisstraße K 2882 erfolgen. Ungefähr 430 Meter vor der Ortsdurchfahrt von Poppenhausen solle die vorhandene und ausgebaute Weg-anbindung an die Kreisstraße als Zu- und Abfahrt genutzt werden. Von dort verlaufe die Wegtrasse bis in den Steinbruch auf einem ausgebauten Flurweg und anschließend über einen vorhandenen Grasweg, der entsprechend den Anforderungen einer Lkw-Nutzung ausgebaut werden müsste.

Im Februar hatte der Gemeinderat Wittighausen in seiner öffentlichen Sitzung mehrheitlich bei zwei Gegenstimmen dem Antrag auf Baugenehmigung zur Neuanlage dieses vorgesehenen Steinbruchs das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Allerdings erfolgte die Zustimmung nicht ohne „Bauchschmerzen“, so dass das Gremium seine Bedenken in einer ergänzenden Stellungnahme äußerte, die bei der Genehmigungsbehörde mit dem Genehmigungsantrag eingereicht wurde.

Da der Abbau des Gesteins sowohl in Sicht- und Hörweite als auch in einem Naherholungsgebiet sowie über viele Jahre hinweg erfolgen würde, befürchten viele ansässige Bürger eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, des Erholungs- und Freizeitwertes sowie ihrer Lebensqualität durch den Betrieb eines Steinbruchs auf diesem Areal nebst damit verbundener Lärmbelastungen.

Der Ortsteil Poppenhausen befinde sich auf einer Höhe von 320 Meter, der geplante Steinbruch erheblich niedriger angrenzend zur Waldfläche „Zollstock“, die wiederum höher gelegen sei, mit der Folge, dass sich die Bürger des Ortes dem stetigen Blick und Gehör auf den Steinbruch nicht entziehen könnten, argumentieren die Familien Frank und Matthias Baumeister sowie weitere Initiatoren der des Widerspruchs.

Was bislang ein idyllisch beschaulicher Ferienort gewesen sei, werde einfach „abgegraben“. Der Freizeitwert der Gemeinde, mit welchem auch die Gemeinde Wittighausen um neue Bürger werbe, werde damit zunichte gemacht. Kaum ein Spaziergänger, Jogger Wanderer oder Radfahrer werde sich zukünftig mehr auf diesen Weg zwischen Hof Lilach und in Richtung Kirchheim begeben. Befürchtungen bestünden insbesondere hinsichtlich erheblicher Lärm- und Feinstaubbelastungen sowohl durch den Abbaubetrieb als auch durch Schwerlastverkehr.

„Schon jetzt ist unser Ort durch Lkw-Verkehr aufgrund eines bestehenden Steinbruchs belastet“, betonten die Gegner des vorgesehenen Steinbruchs. Zudem sei der damit verbundene Wertverfall aller Immobilien, Waldflächen und Bauplätze für die Bürger indiskutabel und nicht hinnehmbar.

Poppenhausen werde seit Jahren als Ferienort von Gästen aus ganz Deutschland geschätzt und dies solle auch so bleiben. Darüber hinaus sei die lokale Naturschutzbundgruppe seit Jahren um den Erhalt der Natur und der ansässigen Tierarten bemüht. Durch die dann stattfindende Lärm- und Feinstaubbelastung sowie dem verstärkten Verkehrsaufkommen müsse allerdings mit einem starken Rückgang und einer Vertreibung der vielfältigen Tierarten gerechnet werden.

Der Antragsteller begründe sein Vorhaben mit der Sicherung von Arbeitsplätzen und dem eigenen Firmenerhalt, dies könne lediglich ein Argument für die eigene firmenansässige Gemeinde sein, nicht jedoch in einer anderen Kommune. „Im Jahr 2008 gewann unsere Ortschaft den Wettbewerb ´Unser Dorf soll schöner werden‘, wie soll das nach und in dem für Jahrzehnte angelegten Bauvorhaben werden“, gaben die Widersacher zu bedenken.

„Wir sind mit unseren beiden Kindern fast jede Woche in der Hütte am Rand des größten Waldgebietes vor unserer Haustüre“, berichtete Silke Baumeister. „Unser Protest nebst der Unterschriftenaktion hat nichts mit persönlichen Belangen zu tun“, stellten zugleich die Initiatoren klar, die schon Mitte März als formierte Bürgerinitiative „Kein Steinbruch im Zollstock“ zu einem sonntäglichen Nachmittagskaffee ins Dorfgemeinschaftshaus in Poppenhausen und zu einer einhergehenden Kundgebung gegen die Planungen eingeladen hatte.

Der Antrag zur Einrichtung und dem Betrieb eines Steinbruchs liege dem Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde seit längerem vor, berichtete Wessels in einem Gespräch mit den FN. Bislang sei nach Angaben des Bürgermeisters jedoch kein neuer Sachstand bekannt.