Wittighausen

Kreuzkapelle Im vergangenen Jahr waren Teile herausgebrochen und heruntergefallen / Zudem hatten sich starke Risse gebildet

Deckengemälde erstrahlt in neuem Glanz

Im neuen Glanz erstrahlt das Deckengemälde über dem Altar in der Kreuzkapelle in der Nähe von Hof Lilach nach einer Restaurierung.

Hof Lilach/Ilmspan. Im vergangenen Jahr war ein Teil aus dem Deckengemälde in der Kapelle herausgebrochen und heruntergefallen. Darüber hinaus wies das gesamte Kunstwerk starke Risse und Deformationen auf, so dass es sich gänzlich zu lösen und auf die darunter stehende Kreuzigungsgruppe zu stürzen drohte.

Nachdem Dr. Reiner Saltin und Bernhard Henneberger, Mitglieder des Kulturvereins Wittighausen, bei Pflege der Außenanlagen die Schäden entdeckt hatten, suchten sie gemeinsam mit Werner Henneberger, Hof- und Kapellenbesitzer in Hof Lilach, nach einer Möglichkeit zur Erhaltung und Restaurierung des Deckengemäldes. Mit Anton Schultz, Kirchenmalermeister und Restaurator aus Bütthard, wurde schließlich ein qualifizierter Fachmann für eine Lösung gefunden.

Im Spätjahr 2017 errichtete Werner Henneberger im Chorraum ein Gerüst, um die Ausführung der Arbeiten zu arrangieren. Erste Maßnahme von Schultz war das Hinterspritzen der Hohlstellen mit Injektionsmörtel auf speziell feiner Kalkbasis, um die gesamte Bildfläche zu sichern. Dabei waren auch Unebenheiten auszugleichen und Risse zu verschließen, was für den Restaurator eine sehr aufwendige Überkopfarbeit darstellte. Danach galt es, die große Fehlstelle auf Armierung in drei Lagen mit Kalksandmörtel aufzubauen und den Strukturausgleich zum Altbestand herzustellen. Die einzelnen Putzlagen wurden nur in sehr vielen hauchdünnen Schichten jeweils täglich nach längerer Trockenzeit aufgebracht.

Fachkünste gefragt

Für die farbliche Einretuschierung der restaurierten Stellen in Leinfarbentechnik zum vorhandenen Gemälde waren in einem nächsten Schritt die Fachkünste des Kirchenmalers gefragt, die dieser sehr gekonnt zur Ausführung brachte.

Abschließend erfolgten die Reinigung und eine Auffrischung der gesamten Bildfläche. Nach über 70 Stunden Handarbeit über Kopf wurden Ende Juni die Restaurierung und Erhaltung des Kunstwerkes durch Anton Schultz abgeschlossen. Jetzt zeigt sich das Deckengemälde wieder vollständig in seiner ganzen Pracht. Zudem präsentiert sich das gesamte Kapelleninnere nach einer bereits in den letzten Jahren durchgeführten Komplettsanierung der Wände und Decken in neuem Licht.

Das etwa sechs Quadratmeter große Deckengemälde in der kleinen Kirche, die am Waldrand im Gewann „Beuchel“ auf Gemarkung Ilmspan liegt, zeigt im Mittelkreis das Lamm Gottes, liegend auf dem Buch mit den sieben Siegeln und dem Kreuz sowie eingefasst von einem Kreis, von dem ein Strahlenkranz ausgeht. Schmückende Ornamente an den vier Ecken geben dem Bildnis zudem eine ganz besondere Note.

Die Erbauung dieser neuromanischen Kapelle geht in das 19. Jahrhundert zurück. „Diese Kapelle wurde zur Ehre Gottes gestiftet von Barbara Henneberger, Witwe von Lilach, 1879“ ist an der Innenseite im Bogen über der Eingangstür vermerkt. Anlass für die Errichtung der Kapelle war ein kunstvolles Steinkreuz, das zuvor im Freien am Platz der heutigen Kapelle stand und dessen Fundament heute noch vorhanden ist.

Seitlich am Altar, auf dem dieses Kreuz mittlerweile steht, ist der Hinweis festgehalten: „Anno 1770 wurde zur Ehre Gottes dieses Christusbild von den vier Hofbauern von Lilach errichtet und hierher versetzt mit Maria und Johannes am 15. April 1880 durch die Familie Henneberger“.

Zwar ist bedauerlicherweise nicht bekannt, wer dieses großartige Kruzifix geschaffen hat, jedoch der Künstler für die Erstellung der beiden Figuren Maria und Johannes, da an der Sockelplatte der Johannesfigur der Name „G. Müller, Heidingsfeld, 1880“ zu finden ist, so dass dieser wohl auch für die Marienfigur zutreffen dürfte. Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts war die Kapelle Ziel von Wallfahrern und Pilgern aus den umliegenden Gemeinden an den Festen „Kreuzerhöhung – Kreuzauffindung“. Aktuell werden noch Maiandachten an dem kleinen Gotteshaus gehalten.

Die von Hof Lilach etwas entfernte und besonders idyllisch an einem Waldrand gelegene Kreuz-Kapelle ist ein beschaulich ruhiger Kleinod, der jedoch nicht sonderlich vielen Menschen in der Region bekannt sein dürfte. Sie ist eine der Stationen auf dem rund elf Kilometer langen „Kapellen-Rundwanderweg Nord“, einem der insgesamt drei mit Fördermitteln aus dem Leader-Programm im Frühjahr 2014 neu ausgewiesenen „Kapellen- und Bildstockwanderwege“ im Gebiet der Gemeinde Wittighausen.

Neben der malerisch gelegenen Kapelle ruft ein Picknick- und Ruheplatz mit Bänken und Tisch sowie einem reizvollen Ausblick in die weite Landschaft zum Verweilen auf, so dass sowohl in der Kapelle als auch in ihrer Umfeld Gelegenheit zur Rast und inneren Einkehr gegeben ist.