Wittighausen

„Design Thinking“ Tobias Greissing aus Oberwittighausen ist Coach der ZDI-Mainfranken-Gründerwerkstatt

Ermutigung zu „verrückten“ Ideen

Archivartikel

„Design Thinking“ nennt sich ein Coaching-Konzert der ZDI-Mainfranken-Gründerwerkstatt in Würzburg mit Tobias Greissing aus Oberwittighausen als Coach.

Würzburg/Oberwittighausen. Einer der „Design Thinking Coaches“ beim Zentrum für digitale Innovation Mainfranken (ZDI) ist Tobias Greissing, Diplom-Designer aus Oberwittighausen und Inhaber des dortigen Büros für Industriedesign „Wilder Eber“sowie seit 1992 Eigentümer des ehemaligen landwirtschaftlichen Lagerhauses Wittighausen und heutigen Baudenkmals „Goliath“.

„Design-Thinking“ ist eine Methodik zur Lösung von Problemen sowie zur Entwicklung neuer und innovativer Ideen. Die sechs Phasen sind „Verstehen“, „Beobachten“, „Synthese“, „Ideen“, „Prototypen“ und „Testen“. „Eine der wesentlichen Stärken von Design Thinking ist das erfinderische Denken, das sich in kreativem Freiraum entfalten kann“, erklärt Greissing, der neben seinem Kollegen Michael Sabah als Mitarbeiter des Fachbereichs Wirtschaft, Wissenschaft und Standortmarketing der Stadt Würzburg einer der beiden Coaches beim ZDI Maifranken ist. Darüber hinaus ist er freiberuflich auf deren Anfrage tätig und kommt im Auftrag zu Unternehmen insbesondere auch im Main-Tauber-Kreis als „Design Thinking Coach“.

Bei „Design-Thinking“ in der Wirtschaft gehe es primär darum, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, zudem mit Visualisierungen zu arbeiten sowie ohne feste räumliche Arbeitsplätze, sondern mit offenem und flexiblem Arbeiten bei einhergehend flachen Hierarchien zu operieren. Besonderes Ziel sei es, aus Anwender- und Kundensicht überzeugende und praktische Lösungen zu finden.

Ein „Design Thinking Team“ bestehe idealerweise aus vier bis sechs Mitgliedern heterogen verschiedener Fachbereiche, Disziplinen und Branchen, wie Greissing erklärt. Grundsätze und Methoden sind unter anderem die Ermutigung auch zu „verrückt“ erscheinenden Ideen, das Arbeiten mit Bildern, Materialien und einem „Ideenbrett“ zur Visualisierung, das Motto „Quantität statt Qualität“ sowie das Zurückstellen von Kritiken.

Kreative Querdenker

„Um erfolgreich zu werden, musst du deine Fehlerquote verdoppeln“, zitiert Greissing den IBM-Gründer Thomas Watson als weiteres Leitmotto, denn kreative Querdenker bräuchten diese Freiräume zur Entwicklung ihrer Ideen. Und häufig würden gerade auch aus vermeintlich verrückt wirkenden Ideen oder Fehlerquoten äußerst innovative und kreative Lösungen entstehen, gibt der Experte und ZDI-Mitarbeiter zu bedenken.

Das ZDI Mainfranken in Würzburg, das auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzgeländes der Leighton Barracks und der derzeitigen Landegartenschau im neuen Stadtteil Hubland liegt, ist eine Plattform und ein neues Gründungszentrum für die Vernetzung von Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit dem Ziel, die Digitalisierung der mainfränkischen Wirtschaft und die Gründungsaktivitäten digitaler Start-ups zu fördern.

Unterstützt wird es von fast 40 Unternehmen aus der Region, den ZDI Netzwerkpartnern. Laut Greissing bestünden auch Kontakte zu mehreren Unternehmen im Main-Tauber-Kreis.

Räumlich besteht das Würzburger ZDI bislang aus zwei Bauteilen, nämlich dem „Ideenlabor“ im ehemaligen Flughafentower, in dem auch die Design Thinking Workshops durchgeführt werden, sowie das „Gründerlabor“ im neu gebauten Cube als inspirierender Treff- und umfangreich technisch ausgestatteter Arbeitspunkt der digitalen Gründerszene. Der 2019 fertiggestellte „Inkubator“ als dritter Baustein wird Räumlichkeiten für frisch gegründete Start-ups bieten, die hier ihre Idee zur Reife bringen und erste Wachstumsschritte unternehmen können.

Bei einem Besuch besichtigte MdB Alois Gerig unter Führung von Greissing und Sabah im Beisein von Projektleiter Klaus Walther, Leiter Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Standortmarketing der Stadt Würzburg das ZDI. Zudem ließ er sich von beiden Coaches die Methodik des „Design-Thinkings“ an anschaulichen Beispielen erläutern. Ziel sei es, Interesse bei Unternehmen und Start-Up-Unternehmer im Main-Tauber- und Neckar-Odenwald-Kreis sowohl für Ansätze des ZDI als auch für „Design Thinking“ zu wecken sowie mögliche Ideen in die beiden Landkreise zu übertragen.

Bereits im Februar hatten Greissing und weitere Initiatoren im „Wendelinshof“ in Poppenhausen eine „Stakeholderanalyse“ durchgeführt, bei der „Design Thinking“ im Mittelpunkt der Definition von Zielgruppenpersonen im Hinblick auf eine Entwicklung der Gemeinde Wittighausen und des ländlichen Raums stand (die FN berichteten).