Wittighausen

Freiwillige Feuerwehr Floriansjünger probten am mobilen Brandschutzcontainer den Ernstfall

Stichflammenartiges Feuer im gesamten Raum

Archivartikel

Wittighausen.An zwei Tagen absolvierte die Freiwillige Feuerwehr (FFW) Wittighausen das Wittighäuser Atemschutz- und Brandbekämpfungs-Seminar (WABS). Dabei standen Theorie und praktische Übungen auf dem Programm des WABS, das im zweijährigen Turnus durchgeführt wird und nun zum fünften Mal stattfand, um für den Ernstfall noch besser gerüstet zu sein.

Bereits am Abend startete das WABS im Saal unter dem Kindergarten in Unterwittighausen im Theorieteil mit Vorträgen über die beiden Themen „Gefahren bei Einsätzen auf den Anlagen der DB“ und „Notfallseelsorge für und im Feuerwehrdienst“. Verantwortlichkeiten, Gefahren, Vorsichts- und Hilfsmaßnahmen sowie Ausrüstungen bei Notfalleinsätzen auf Anlagen der Deutschen Bahn, erklärte Stefan Spöckel, DB Notfallmanager aus Würzburg, den rund 50 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr.

Auf durchschnittlich rund 50 bis 60 bezifferte Referent Matthias Widmayer, seit Frühjahr Leiter der Notfallseelsorge im Main Tauber Kreis sowie evangelischer Gemeindepfarrer und Feuerwehrmann in Wachbach, die Einsätze. Zu den wesentlichen Aufgaben gehöre die psychosoziale und seelsorgerische Krisenintervention in Notfällen, um posttraumatische Belastungsstörungen zu vermeiden. Dazu zählten zum Beispiel die Unterstützung der Polizei vor allem bei Überbringung von Todesnachrichten sowie die Betreuung von betroffenen Angehörigen. Allerdings könnten auch Hilfs- und Einsatzkräfte unter anderem im Feuerwehrdienst wie etwa bei gravierenden Notfalleinsätzen mit Schwerverletzten oder sogar Todesopfern, die Notfallseelsorge in Anspruch nehmen. Widmayer erklärte, nicht nur Pfarrer oder Psychologen könnten Notfallseelsorger werden, sondern ebenso nach Absolvieren spezieller Schulungsseminaren auch Personen von Notfallhilfeorganisationen mit Führungsqualitäten.

Am nächsten Tag hatten 21 Atemschutzträger der FFW Wittighausen gegenüber dem Gerätehaus in Unterwittighausen wieder die Gelegenheit, in einem mobilen Brandübungscontainer der EnBW das Vorgehen im Notfall praxisgerecht unter Realbedingungen zu trainieren. Mit diesem Übungscontainer, der vom EnBW-Regionalzentrum Neckar-Franken zur Verfügung gestellt wurde, konnten verschiedene Szenarien zur Bekämpfung von Bränden mit Gas und Strom praxisnah simuliert werden.

Der Container ist beispielsweise mit Gasflaschenlager, Schrank, Bett, Ofen, einer Treppe sowie einem Transformator ausgestattet, die allesamt von einer benachbarten Kontroll- und Schaltstelle auf Knopfdruck unter Regie des Abteilungskommandanten Matthias Max, dem stellvertretenden Kommandanten der Gesamtwehr, Michael Schinnagel, oder dem stellvertretenden Abteilungskommandanten Stefan Mark bei der Inszenierung verschiedener Brand- und Notfalllagen entflammt wurden, und von den jeweilig zweiköpfigen Einsatztrupps beim Üben des Brandinnenangriffs zu löschen waren.

Sowohl für Zuschauer besonders spektakulär als auch eine besondere Herausforderung für die Teilnehmer war die reale Simulation eines so genannten „Flashovers“, die Durchzündung eines Zimmerbrandes, bei der es zu einem stichflammenartigen Feuer über den gesamten Brandraum kam. Nach Angaben von Übungsleiter Herbert Reinhard, Kommandant der Wehr Wittighausen, standen vor allem die richtige Taktik und Vorgehensweise sowie der fachgemäße Einsatz von Material- und Funkausstattung im Mittelpunkt der Übungen mit den Atemschutzausrüstungen, die von Atemschutz-Gerätewart Rainer Roth vorbereitet wurden.

Absturzsicherung, notwendige Maßnahmen und praktische Übungen zum Beispiel bei Personenrettung aus einer Grube waren Themen einer zweiten Station am Regenüberlaufbecken an der Grundschule. Holger Stefan, stellvertretender Kommandant, und Alexander Melbert von der Werksfeuerwehr der VS - Vereinigte Spezialmöbelfabriken in Tauberbischofsheim stellten den rund 45 Kollegen der Wehr erforderliche Instrumente und Werkzeuge wie etwa Bandfalldämpfer, Karabiner und ein Gerät zum Messen von Gasen, Abgasen und des Sauerstoffgehalts vor. Zudem konnten einzelne Teilnehmer unter der Leitung beider Ausbilder die Bergung einer verletzten Person aus dem Überlaufbecken mit einer formstabilen Trage („Spineboard“) proben.

„Wir müssen bei der Personenbergung aus einer Grube grundsätzlich mit dem Schlimmsten rechnen“, ergänzte Reinhard mit dem Hinweis, sich dazu aufgrund von möglichen Gasen keinesfalls ohne Atemschutzmaske in eine Grube zu begeben. pdw