Wittighausen

„Bayern Tour Natur 2019“ Wanderung des Wittighäuser Nabu stößt auf großes Interesse / Naturdenkmale „Mühlberg“ und „Ried“ besucht

„Wir brauchen Vernetzungsstrategien“

Archivartikel

Großes Interesse erfuhr eine Naturwanderung der Nabu-Vogelschutzgruppe Wittighausen in Kooperation mit der Gemeinde Wittighausen im Rahmen der „Bayern Tour Natur“ 2019.

Wittighausen. Die „Bayern Tour Natur“ ist eine Dachmarke für geführte Naturbegegnungen sowie eine Gemeinschaftsaktion von Staat, Vereinen, Verbänden, Umweltbildungseinrichtungen, Kommunen und Einzelpersönlichkeiten. Seit 2001 ruft das bayerische Umweltministerium alljährlich Naturführer aus Vereinen, Verbänden, Bildungseinrichtungen, Behörden und Kommunen dazu auf, den Menschen die heimische Naturvielfalt auf spielerische und erlebnisreiche Weise näherzubringen. Die „Bayern Tour Natur“ erstreckt sich wie etwa in Wittighausen zuweilen auch auf Nachbargebiete außerhalb der bayerischen Landesgrenze.

Hauptstationen waren auf Gemarkung Unterwittighausen die beiden Naturdenkmale „Mühlberg“ und „Ried“. Das Naturdenkmal „Mühlberg“ ist mit seinen trockenen und nährstoffarmen Magerrasen ein wertvolles Muschelkalkbiotop, auf dem zahlreiche spezifische, seltene und geschützte Pflanzenarten zu finden sind. Dazu zählen zum Beispiel Helm-Knabenkraut, Bocks-Riemenzunge, Bienen-Ragwurz und Wiesensalbei. Die dortigen Trocken- und Halbtrockenhänge werden einmal jährlich zumeist im September von der Nabu-Ortsgruppe gemäht. „Ohne diese mühsame Pflegemaßnahme würde auf diesen Flächen innerhalb weniger Jahre eine Verbuschung erfolgen und die geschützten Pflanzen wie etwa Orchideenarten verschwinden“, erklärte der Vorsitzende und Exkursionsleiter Jürgen Hönninger.

Die hohe ökologische Bedeutung von Trockenmauern wurde am Kapellenwanderweg aufgezeigt. Dort wurde eine Steinmauer 2012 vom Kommunalen Landschaftspflegeverband Main-Tauber wieder aufgebaut oder ausgebessert. Sie bietet Lebensraum beispielsweise für Ringelnattern und Zauneidechsen.

„Wir brauchen wieder mehr Korridore und Vernetzungsstrategien“, forderte Hönninger beim Blick vom Mühlberg in die darunter liegende Landschaft. Damit hätten Tierarten wie zum Beispiel Schmetterlinge und Insekten Wandermöglichkeiten zwischen Biotopflächen, ohne dass eine Verinselung und Isolierung der die Lebensräume gegeben sei. Allerdings könnten solche Entwicklungsmaßnahmen nur in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft geschehen, die dafür von der Gesellschaft entsprechend entschädigt und honoriert werden müsste, betonte er.

Vögel und Pflanzen beobachtet

Die heimische Vogel- und Pflanzenwelt stand auch beim Naturdenkmal „Ried“ am Insinger Bach im Mittelpunkt, das als eines der bedeutendsten zusammenhängenden Schilf- und Riedbiotope im Main-Tauber-Kreis gilt.

Der Umfang der Naturfläche wurde im Winter 2014/15 durch Ankauf von benachbarten, bis dahin landwirtschaftlich genutzten Arealen durch die Gemeinde Wittighausen von einem auf etwa 2,4 Hektar erweitert. Mit dem Ankauf wurden sowohl Konflikte zwischen der zunehmenden Biberpopulation am Insinger Bach und den betroffenen Grundstückseigentümern gelöst, als auch diese Flächen in ihrem Wert als Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten erheblich gesteigert.

Neben dem Bruterfolg der Rohrweihe am Ried entwickelte sich das Feuchtgebiet seither immer mehr zum Paradies für Wasservögel. Dort angesiedelte oder durchziehende Vogelarten sind unter anderem Rostgans, Brandgans, Schwarzstorch, Eisvogel, Silberreiher, Waldwasserläufer, Wasserralle, Krick- und Knäkente. Zudem ist die Biotopfläche Lebensraum und Laichplatz für viele Amphibien. Im vergangenen Sommer wurde auf der Nordseite des Naturdenkmals „Ried“ durch die Nabu-Vogelschutzgruppe ein Aussichtsturm neu errichtet, von dem aus Naturfreunde ihre Vogelbeobachtungen machen und in ein ausliegendes Buch eintragen können, so dass ein ganzjähriges Monitoring entstehe, wie Hönninger berichtete.

In einiger Entfernung, ebenfalls am Insinger Bach, entwickelt sich ein neuer kleiner Auwald. Dieses Feuchtbiotop wurde von der Deutschen Bahn als zwei insgesamt rund 8000 Quadratmeter große Ausgleichsflächen für die beiden Baumaßnahmen der Bahn geschaffen – nämlich die Erneuerung und Erweiterung des Tunnels in Unterwittighausen sowie der Um- und Ausbau des Haltepunkts Gaubüttelbrunn auf Gemarkung Oberwittighausen. Die Biotopneuanlage wurde gleichsam auf der Naturführung in Augenschein genommen.

Bei diesem als Ausgleichsfläche neu geschaffenen Auenwäldchen wird am Montag, 19. August, von 13 bis etwa 16 Uhr im Rahmen des Ferienprogramms Wittighausen das „Ökomobil“, ein „rollendes Naturschutzlabor“, des Regierungspräsidiums Stuttgart zu Gast sein.