Würzburg

Universitätsbibliothek Ausstellung „Elfenbein & Ewigkeit“ bis 7. Juli verlängert / Besuch des irischen Staatspräsidenten am 5. Juli

Auch „Frankens heiliges Buch“ zu sehen

Archivartikel

Würzburg.Die Universitätsbibliothek Würzburg bewahrt in ihren Sammlungen einige der wichtigsten Zeugnisse für die irische Kloster- und Buchkultur wie das berühmte Kiliansevangeliar oder eine Abschrift der Paulus-Briefe mit Anmerkungen in altirischer Sprache. Diese Handschriften, die zusammen mit weiteren über 70 Spitzenstücken derzeit in der Ausstellung „Elfenbein & Ewigkeit“ in der Universitätsbibliothek zu sehen sind, sind der Anlass für einen hohen Besuch: Am 5. Juli wird der irische Staatspräsident Michael D. Higgins die kostbaren und einzigartigen Textzeugnisse aus der Nähe sehen. Wegen des Staatsbesuchs bleibt die Jubiläumsausstellung an diesem Tag geschlossen.

Elfenbeinrelief

Seit dem frühesten Mittelalter werden Bücher auf Pergament geschrieben und in Buchform gebunden. Die spektakulärsten dieser Bücher sind die Abschriften der vier Evangelien. Eines der bedeutendsten Evangeliare ist „Frankens heiliges Buch“, das berühmte Kiliansevangeliar: Sein Elfenbeinrelief zeigt das Martyrium der drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Der Text, der um 600 in Frankreich entstand, wird umrahmt von einem mit Halbedelsteinen gezierten Silberrahmen, in den Reliquien Kilians, Kolonats und des Heiligen Lorenz eingelassen sind.

Für die irische Geschichte von herausragender Bedeutung ist eine weitere Handschrift.

Die äußerlich eher schlicht gehaltene Abschrift der Paulus-Briefe aus dem 8. Jahrhundert enthält rund 3500 Anmerkungen in altirischer Sprache. Nur durch die Transkription und Ordnung der Glossen in der Würzburger Handschrift gelang es Johann Kaspar Zeuß (1806 bis 1856, Grammatica celtica, Leipzig 1853), das Vokabular und die Grammatik der altirischen Sprache zu rekonstruieren.

Eine weitere Handschrift, eine Abschrift des Matthäus-Evangeliums enthält ebenfalls viele Anmerkungen. Eine Sensation sind die in den Codex eingebundenen 33 Kommentar-Zettelchen.

Nach Neubindungen im 15. und 19. Jahrhundert haben sie keinen inhaltlichen Bezug zu den Stellen, an denen sie nun eingeheftet sind, und sind auch untereinander ohne Verbindung. Auf Kommentarzettel Nummer 29 finden sich Angaben zur irischen Tradition der Berechnung des Osterfestes, was im 7./8. Jahrhundert ein hochumstrittenes Thema war.

Noch bis 7. Juli können die Besucher in der Ausstellung „Elfenbein & Ewigkeit“ die prunkvollsten Stücke aus den Sammlungen der Universitätsbibliothek, darunter auch die einzigartigen irischen Schätze, bewundern. Am 7. Juli werden jeweils vier „Offene Führungen“ angeboten, um 11, 12.30, 14 und 15.30. Nach dem 7. Juli wird die Ausstellung zurückgebaut, und die Schätze verschwinden wieder für unbestimmte Zeit hinter den Tresortüren in der Universitätsbibliothek in Würzburg. Öffnungszeiten der Ausstellung: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Ein Eintritt wird erhoben.