Würzburg

Frühjahrsinvestitur Großprior Kardinal Reinhard Marx nimmt 22 Frauen und Männer in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem auf

„Das Kreuz ist kein Kampfzeichen“

Archivartikel

Würzburg.Bei einem Pontifikalgottesdienst im Würzburger Kiliansdom hat Kardinal Reinhard Marx, Großprior des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, am Samstag neun Frauen und 13 Männer neu in den Orden aufgenommen. „Denken Sie an Ihren Auftrag: Gefährte Jesu zu sein, damit Gottes Liebe in der Welt sichtbar wird“, rief der Kardinal den Rittern und Damen des Ordens zu.

Deutschlandweit gehören nach offiziellen Angaben etwa 1400 Personen dem Ritterorden an, etwa 450 Mitglieder und deren Angehörige sowie weitere Gläubige feierten den Gottesdienst mit. Konzelebranten waren unter anderem Abt Hermann Josef Kugler, Abt der Prämonstratenserklöster Windberg und Roggenburg, sowie Mitglieder des Würzburger Domkapitels. An der Feier nahmen auch Bayerns Justizminister Professor Dr. Winfried Bausback, Innenminister und Ordensritter Joachim Herrmann sowie Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt teil.

In seiner Predigt betonte der Kardinal, man könne den Eindruck haben, es gebe einen neuen „Kulturstress“. Die Globalisierung beispielsweise werde heute vielfach als große Bedrohung kritisiert. „Es ist sehr schwer, in allen Turbulenzen und Diskussionen einen klaren Kopf zu bewahren.“ Kardinal Marx warnte vor einem Schwarz-Weiß-Denken. Anders als sein Namensvetter Karl Marx glaube er nicht an das Paradies auf Erden. Christen seien aufgerufen, inmitten der Welt zu leben und dafür Zeugnis zu geben, das die Welt Gottes größer sei. „Die österliche Welt ist durch das Kreuz Christi gegenwärtig, durch sie wird die alte Welt überwunden.“ Wichtig sei die vom Papst immer wieder geforderte Unterscheidung der Geister – auch in der Kirche. Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenorden, habe zu diesem Zweck die Exerzitien „erfunden“. Es gelte immer, die Frage zu beantworten, was einem helfe, an Jesu Seite zu bleiben.

Dazu sei es hilfreich, die Worte Jesu intensiv zu betrachten. Gott habe seinen Sohn in die Welt geschickt, damit alle Menschen Hoffnung haben.

Die Aufforderung Jesu „Bleibt in meiner Liebe, bleibt in meinem Wort“ stehe dafür, dass das Christentum etwas Provokatives habe, das über das Sichtbare hinausgehe, sagte Kardinal Marx. „Wir begrüßen alle Initiativen für das Kreuz im öffentlichen Raum. Großartig!“ Es sei ein Zeichen für das, was Christus für die Menschen getan hat und darüber hinaus eine Einladung an alle. Aber das Kreuz müsse auch sprechen und spürbar werden im Zeugnis. „Der Staat – und dafür sind wir sehr dankbar – hat ein gutes Verhältnis zum Glauben und der Kirche. Und er darf in einem solchen Land auch ein besonderes Verhältnis zum Christentum haben.“

Aber der Staat könne nicht das Zeugnis der Christen ersetzen. Durch ihr Leben, ihre Liebe, ihre Aktivität, ihren Einsatz in der Gesellschaft müssten Christen deutlich machen, dass das Kreuz kein Kampfzeichen sei, sondern es ein Zeichen sei, das alle Menschen in Liebe zusammenführen wolle. „Das geht nur im Miteinander mit dem Staat. Der Staat gibt uns den Raum, wir müssen ihn mit unserem Leben und Zeugnis füllen.“ Es gelte, etwas Fruchtbares aus der aktuellen Debatte zu machen. Die Kandidaten nahmen vor dem Altar aus den Händen von Großprior Kardinal Marx das Ordenskreuz entgegen. Die Priester bekamen zusätzlich eine Mozetta mit dem Ordenskreuz umgehängt, die anderen Männer empfingen einen Ritterschlag mit dem Zeremonienschwert.

Unter ihnen waren auch der Würzburger Matthias Müller-Reichart (52), Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Risikomanagement an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden und Studiendekan der Wiesbaden Business School, sowie Dr. Uwe Zimmermann (48), Leiter der Allgemeinen Bürgerdienste in der Stadtverwaltung Würzburg. pow