Würzburg

Landesgartenschau Studierende erarbeiten eine Ausstellung mit ungewöhnlichen Facetten

Die Biene, die Heilige Rita und Napoleon

Archivartikel

Würzburg.Wenn die Landesgartenschau (LGS) am 12. April ihr Pforten öffnet, wird es eine Menge Interessantes über Pflanzen aller Art zu erfahren geben. Daneben wird die Biene mehrfach Thema sein. Auch Würzburger Studierende der Volkskunde und der Museologie beschäftigen sich im Vorfeld der LGS mit dem Insekt. Sie recherchieren, was die Kultur der Biene ausmacht und wie die Biene die Kultur prägt. Das tun sie für das Heimatmuseum Ebern, das die LGS-Ausstellung „Biene macht Kultur“ präsentiert.

Fleißiges Tier

Die Biene ist ein fleißiges Tier. Das ist bekannt. Sie produziert Honig. Und sie bestäubt Pflanzen. Viel weiter reicht das Wissen über die Biene und ihre Bedeutung allerdings meist nicht. „Das war auch bei uns so“, meint Pearl-Sue Carper, die im ersten Mastersemester Volkskunde an der Uni Würzburg studiert. Inzwischen ist die 25-Jährige aus Fulda von der Biene fasziniert. Und zwar zum Beispiel davon, dass das kleine Insekt ein regelrecht „feministisches“ Tier ist. Die männlichen Bienen spielen kaum eine Rolle. Sie dienen allein der Fortpflanzung. Hat die Drohne die Königin begattet, stirbt sie.

Dieses Wissen könnte nun auch in einer naturwissenschaftlichen Bienen-Ausstellung transportiert werden. Das Projekt der Würzburger Studierenden, das während der LGS im LAB13, dem Haus der Wissenschaft, gezeigt wird, geht jedoch weit darüber hinaus. „Wir sehen die Biene nicht nur in Bezug auf ihren Nutzen für den Menschen, sondern als ein Lebewesen, das auf Augenhöhe mit dem Menschen steht“, erklärt Pearl-Sue Carper. So zu forschen, ist noch ungewöhnlich. Doch genau hierauf liegt aktuell der Schwerpunkt des Volkskunde-Lehrstuhls an der Uni Würzburg.

Welche bedeutende Rolle die Biene in der Kulturgeschichte spielt, zeigen exemplarisch die Heilige Rita und Kaiser Napoleon. Kurz nach ihrer Geburt, erzählt die Legende, geriet die kleine Rita in einen Bienenschwarm. „Doch keine einzige Biene soll sie gestochen haben“, erinnert Guido Fackler, Inhaber des Lehrstuhls für Museologie, der das Bienen-Projekt zusammen mit seiner Kollegin Michaela Fenske, Inhaberin des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie, koordiniert. Dieses „Bienenwunder“ wurde so gedeutet, dass Rita unter dem besonderen Schutz Gottes stand.

Auch für Napoleon Bonaparte war die Biene ein äußerst bedeutsames Insekt. Dass er die Imme als Wappentier wählte, lag wiederum am fränkischen König Childerich. Ihm wurden 300 goldene Anhänger in Bienenform, die zum Besatz eines Brokatmantels gehört haben sollen, mit ins Grab gegeben. Davon erfuhr Napoleon. Als er selbst gekrönt wurde, trug er goldene Bienen auf seinem Purpurmantel.

Mit Experten ausgetauscht

Um die Ausstellung zu erarbeiten, luden die Studierenden Bienenexperten zu sich ein, sie suchten Imkerinnen und Imker aus der Region auf und befragten Würzburger Bürger, was sie über die Bienen denken. Menschen ganz unterschiedlichen Alters, fanden sie heraus, begeistern sich fürs Imkern. Da ist zum Beispiel der 22 Jahre alte Laurin Zöller aus Würzburg, der mit 16 Jahren zu imkern begann. Inzwischen studiert er in Bayreuth Biochemie. Nach wie vor hat er zehn Bienenvölker in Würzburg. Noch bevor Zöller auf die Welt kam, begann Eugen Bieber aus Kürnach mit der Imkerei. Heute besitz er 20 Völker.

Immer mehr Menschen imkern im kleinen Stil. Und zwar weniger, um Geld zu verdienen, sondern um der gefährdeten Biene beim Überleben zu helfen. Urbanes Imkern, fanden die jungen Kulturwissenschaftler heraus, ist aber nicht nur in Deutschland „in“. Das gibt es auch in den USA. Gleichzeitig existiert hier eine „Bienenindustrie“ von erschreckender Dimension. Hunderttausende Bienenstöcke werden in Amerika jedes Jahr über Tausende Kilometer hinweg mit Tiefladern von Bestäubungsgebiet zu Bestäubungsgebiet transportiert.

Zu jenen Facetten der Biene, die während der Vorbereitung der Ausstellung am meisten für Erstaunen gesorgt haben, gehört die kulinarische Seite. „Denn man kann nicht nur den Honig essen“, sagt Volkskunde-Masterstudent Dominik Pesamosca.

Larven als Delikatesse

Auch die Bienenlarven, die von den Imkern aus dem Stock geschnitten und weggeworfen werden, sind eine Delikatesse. Jedenfalls bestätigen das alle, die es gewagt haben, die Larven zu versuchen, so seine Kommilitonin Aylin Ulucam.

Rund 10 000 Euro kostet die Ausstellung des Heimatmuseums Ebern, für die sich rund 50 Studierende in den letzten Wochen ins Zeug gelegt haben. Der Bezirk Unterfranken fördert das Projekt. Mit Masterstudentin Franziska Gleichauf, die bereits ein Gestaltungsstudium abgeschlossen hat, gewann das Team eine Fachfrau für alle Fragen rund ums Ausstellungsdesign.

Auf ihre Idee geht auch eine „Ehrenurkunde“ für die Biene zurück. Damit wird die Imme am „Ende einer Ära“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Seit dem 4. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, recherchierten die Studierenden, erbrachte die Biene eine jährliche Bestäubungsleistung im Wert von 365 Milliarden Dollar. Womit sie ein unersetzlicher, allerdings nicht unsterblicher Teil des Ökosystems ist.