Würzburg

Land und Leute Die frühere Leiterin der Umweltstation Würzburg, Ursula Grosch, setzte sich mit vielen Themenbereichen auseinander

Die Frau, die Vogelspinnen liebt

Würzburg.Ihre Bürogenossin hieß „Hänsel“, wurde also mit einem männlichen Vornamen bedacht, ist aber dennoch ein Weibchen. Es gab auch mal eine Gretel: „Aber die hat Hänsel gekillt.“ Sie hat ihn aufgefressen. Was nicht untypisch ist für Brasilianische Vogelspinnen. Seitdem hockte Hänsel alleine im Terrarium. Allerdings nicht im Büro der Umweltstation. Dort hatte er bis vor kurzem Ursula Grosch sowie verschiedene Schrecken im Nachbarterrarium zur Gesellschaft. Und im Zimmer nebenan tummelt sich eine Kornnatter.

Ursula Grosch liebt Tiere jeder Art. „Frühe hatte ich zu Hause 20 Vogelspinnen“, erzählt sie. Die ausgeprägte Zuneigung zu tierischen Mitgeschöpfen erwachte beim Biologiestudium. In das startete sie als „Spätberufene“. Zunächst hatte Grosch vor, beruflich etwas Soziales zu machen: „Ich bin Krankenschwester.“ Als solche arbeitete sie auch eine Weile. Doch ihr Traumjob war das nicht. Das Biologie-Studium begeisterte sie von Anfang an mehr. Sich mit Tieren, Pflanzen und der Umwelt zu beschäftigen, verhieß Erfüll

Viele 1993 kam Grosch als Praktikantin in die Umweltstation. Die war damals relativ frisch am Start: 1990 war sie im Rahmen der Landesgartenschau gegründet worden. Drei Jahre nach ihrer Praktikumszeit wurde Grosch stellvertretende Leiterin der Umweltstation. Das war sie noch bis Ende Mai. Jetzt ist sie im in Ruhestand.

Spannende Jahre liegen hinter der Öko-Expertin. Ihr Job, sagt Grosch, sei niemals Routine gewesen. Jeden Tag hat sie es mit anderen Menschen zu tun. Mit Bürgern, die Fragen zum Thema „Abfall“ haben. Oder mit Kindern, die in die Umweltstation kommen, um etwas über Vogelspinnen, Kornnattern oder kompliziertere Themen wie „Klimawandel“, „Abfallvermeidung“, „Biodiversität“ oder „Nachhaltigkeit“ zu lernen.

„Das hier war für mich schon immer mehr als ein Job“, sagt die von allen ihren Bekannten „Uschi“ genannte Biologin, der jeder, der sie kennt, bescheinigt, dass sie das, was sie als Mitarbeiterin der Umweltstation „predigt“, auch selbst lebt.

Müll zu trennen, ist für Grosch zum Beispiel selbstverständlich. „Für viele Menschen ist es das noch immer nicht“, bedauert sie. Allein, was im Bioabfall landet, sei unvorstellbar: „Bis hin zu Elektrogeräten.“ Die Menschen scheinen sich keine Gedanken zu machen, welche Folgen das haben kann. Also, wenn zum Beispiel die Batterie eines alten Radios, das über die Biotonne entsorgt wurde, den Kompost verseucht. Und die Gifte später ins Gemüse gelangen.

Das Thema „Müll“ begleitet das Team der Umweltstation seit dem ersten Tag. Was nicht von ungefähr kommt. Letztlich ist es dem bayernweiten Volksbegehren „Das bessere Müllkonzept“ zu verdanken, dass es die Umweltstation gibt. Das Volksbegehren forderte eine dezentrale Abfallentsorgung auf Gemeindeebene bei strikter Mülltrennung und weitgehendem Verzicht auf Müllverbrennung. Es war erfolgreich, allerdings scheiterte ein Jahr später der Volksentscheid.

Intensive Diskussionen

Doch die intensiven Diskussionen über einen nachhaltigen Umgang mit Müll hatten positive Konsequenzen. Jede bayerische Kommune erhielt damals einen Abfallberater. Der Würzburger Berater wurde in der Umweltstation angesiedelt.

Dass noch immer so viele Menschen ihren Müll nicht richtig trennen, dass Abfall nach wie vor in die Natur gekippt wird, gehört für Ursula Grosch zu den großen Enttäuschungen, blickt sie auf ihre Jahre in der Umweltstation zurück. Als „Flop“ entpuppten sich außerdem die Bemühungen, in Würzburg einen „Veggie-Tag“ einzuführen. Wobei Grosch damit inzwischen ausgesöhnt ist. Greift doch die vegane Lebensweise immer stärker um sich. Auch ohne expliziten „Veggie-Tag“.

Für den „Veggie-Tag“ hatte sich der Arbeitskreis „Nachhaltiger Konsum“ eingesetzt. Der trifft sich immer noch in der Umweltstation. „Es sind wieder neue junge Leute dazugekommen“, sagt Grosch, die den AK leitet. Auch nach ihrem Ausscheiden soll es die Gruppe geben. Und zwar mit Grosch als Mitglied: „Allerdings trete ich ins zweite Glied zurück.“

Das Thema „Konsum“ liegt der Biologin, gerade weil es immer komplexer wird, am Herzen. Im Einklang mit der Natur zu konsumieren, ist ja ein Ideal, das kaum noch erfüllt werden kann. Immer mehr Aspekte müssen berücksichtigt werden, reicht es doch nicht mehr, wenn irgendein Label darauf verweist, dass ein Käse oder Apfel „Bio“ ist. Gleichzeitig sollte er auch aus der Region kommen.

Aspekt Plastik

Schließlich gilt es, zu schauen, ob es saisonal sinnvoll ist, ein bestimmtes Produkt zu kaufen. Und wurde es zu fairen Bedingungen produzier? Oder wurden Saisonarbeitskräfte bei der Ernte ausgebeutet? Auch soziale Facetten spielen eine Rolle. Überdies gewinnt der Aspekt „Plastik“ an Brisanz: Nachhaltig zu konsumieren, heißt, möglichst auch auf Kunststoff zu verzichten. Was, alles in allem, das Einkaufen heute zum Abenteuer macht.