Würzburg

Uni Würzburg Polymere aus Bor-Atomen

Experte erhält Projekt-Förderung

Würzburg.Erstmals ein Polymer herstellen, das aus einer Kette von Bor-Atomen besteht: Für dieses ehrgeizige Ziel erhält der Würzburger Chemieprofessor Holger Braunschweig rund 1,5 Millionen Euro. Plastiktüten aus Polyethylen, Verpackungen aus Styropor, Pfannen mit Teflon-Beschichtung: Der Alltag steckt voller Polymere.

Äußerst selten

Chemiker verstehen darunter sehr lange, kettenförmige Moleküle, deren Grundgerüst fast immer aus Kohlenstoff-Atomen, manchmal auch aus Silicium-Atomen besteht. Andere Typen von synthetischen Polymeren sind äußerst selten.

An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) will das Team um Chemieprofessor Holger Braunschweig nun Polymere herstellen, die aus einer Kette von Bor-Atomen bestehen. Denn rein theoretisch sollten Bor-Polymere sehr ungewöhnliche und nützliche Eigenschaften haben – zum Beispiel eine vielfach höhere elektrische Leitfähigkeit als andere Polymere, wie sie in Materialien für die organische Elektronik zum Einsatz kommen. Für sein Vorhaben hat Holger Braunschweig einen Förderantrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gestellt – mit Erfolg: Er erhält rund 1,5 Millionen Euro aus dem Reinhart-Koselleck-Programm der DFG. In dieser Förderlinie werden besonders innovative und risikoreiche Projekte unterstützt. Mit dem Geld will der Professor nun effiziente Synthesestrategien für Bor-Polymere entwickeln. Dabei gilt es vor allem zu verhindern, dass sich die Bor-Ketten in sich selbst verknäueln – denn genau dazu neigt das Element Bor ganz besonders.

Fünf Strategien

Das Forschungsteam hat gleich fünf Strategien erarbeitet, mit denen sich das Ziel erreichen lassen sollte. Im Erfolgsfall kommt dabei eine grundlegend neue Materialklasse heraus, deren Anwendungsmöglichkeiten vielleicht noch weitaus größer sind, als man heute denkt.

Holger Braunschweig gilt weltweit als Experte für das Element Bor. Er hat schon einige grundlegende Durchbrüche erreicht – unter anderem wurde in seinem Labor erstmals eine chemische Dreifachbindung zwischen Bor-Atomen realisiert.